Alarmierungszeit deutlich verkürzt / Technik erleichtert Einsatzgeschehen

Stendal: Leitstelle auf dem neusten Stand

Bildschirme in der Integrierten Leitstelle Altmark in Stendal.
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Touchscreens, neue Systeme und schnellere Einsatzzeiten: Die Modernisierung der Leitstelle hilft sowohl den Einsatzkräften als auch den Bürgern.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Rund 1,2 Millionen Euro wurden investiert, um die Integrierte Leitstelle Altmark auf den neusten technischen Stand zu bringen. Bedeutend schneller funktioniert jetzt die Funkalarmierung.

Stendal – Die Integrierte Leitstelle Altmark (ILS) ist erneuert worden. Zusammengerechnet wurden für das Alarmierungssystem, 500 000 Euro, das Kommunikationssystem, 430 000 Euro, und das EDV System, 250 000 Euro, 1,18 Millionen Euro aufgewandt. Begonnen wurden die Arbeiten 2019 beziehungsweise 2020. Damit sei die ILS eine Leitstelle auf einem technischen Niveau, dass sich auch im internationalen Vergleich nicht scheuen müsste.

Was auf den ersten Blick nicht sonderlich eindrucksvoll klingt, hat tatsächlich massive Auswirkungen: Bisher wurden die Alarmierungen von Funkturm zu Funkturm im Landkreis Stendal und dem Altmarkkreis Salzwedel weitergereicht. So dauerte es bis zu 40 oder 45 Sekunden, damit ein Notsignal die häufig Ehrenamtlichen in den weiter entfernten Teilen der Altmark erreichte. Mit dem neuen System wird das Startsignal von mehreren Türmen aus abgeschickt – so dauert es nur noch vier Sekunden, bis ein Alarm die Pieper tönen lässt. Ein Zeitgewinn von rund 40 Sekunden klingt nicht weltbewegend, kann aber bei Bränden oder schwer verletzten Personen zwischen Leben und Tod entscheiden, bekräftigt der Leiter der ILS-Altmark Matthias Wollenheit. Besonders, da die Hilfsfrist bei zwölf Minuten liegt, könne eine gewonnene Minute, inklusive anderer Optimierungen, bei der Alarmierung entscheidend sein. Als zusätzlichen Bonus wurden die Funksysteme Stendal und Salzwedel stärker miteinander verknüpft. Bisher liefen diese auf verschiedenen Frequenzen. In der Folge konnte beispielsweise ein Feuerwehmitglied aus Bismark, wenn er in Kalbe war, nicht alarmiert werden. Im viel weiter entfernten Pollitz hingegen schon. Mit diesen beiden Funktionen können die Wehrmitglieder nicht nur schneller am Einsatzort sein, sondern auch in einigen Fällen mit mehr Personal ankommen.

Dass die gesamte Technik im Wert von 250 000 Euro erneuert wurde, war keine Komfortmaßnahme, auch wenn die Bedienung moderner geworden ist. Aufgrund der Notwendigkeit der Leitstelle muss sie täglich und rund um die Uhr einsatzbereit sein. Dazu gehört auch, dass sie schnellstmöglich gewartet werden kann. Dafür müssen Teile auf Lager gehalten werden – wenn die Technik der ILS jedoch zu alt ist, würde die Bevorratung zu groß. Deshalb müsse mit einer Runderneuerung alle sechs bis sieben Jahre gerechnet werden, erläutert Wollenheit.

Neben der Sicherstellung der Wartung bringt die neue Technik aber auch andere Funktionen mit sich. So werden Navigationsdaten direkt an die Fahrzeuge gesendet, damit diese ihren neuen Einsatzort schnellstmöglich anfahren können. Dieser wird in Zukunft auch noch genauer angegeben werden können – zumindest wenn der Anrufer ein Smartphone benutzt. Auf Basis vom europäischen Recht übermitteln diese bei der Wahl des Notrufes automatisch den Standort des Gerätes. Diese Funktion muss nicht extra aktiviert werden und deren Daten nur an die Leitstelle weitergegeben. Zuvor war eine Lokalisation nur über die Funkmasten und damit einen viel ungenaueren Bereich möglich. „Das ist eine wesentliche Verbesserung“, findet Wollenheit. Gerade in der weitläufigen Altmark und dem bei Touristen beliebten Elberadweg könnten Anrufer nicht immer sicher ihre Position bestimmen.

Auch die ILS kann in Zukunft weitere Daten übermitteln. So die Rettungsdatenblätter für Fahrzeuge. In diesen sind spezifische Informationen zum Aufbau von Autos zu finden – eine Datenbank für Lkws wird noch erarbeitet. Mit diesen können Rettungskräfte auf einen Blick sehen, wo ein Auto besonders verstärkt ist und an welchen Stellen Airbags untergebracht wurden. Haben diese nicht ausgelöst und werden diese mit Schere oder Spreizer zerstört, können die Treibladungen eine Gefahr darstellen.

Direkt bei der Alarmierung können über die Landeslösung „Ivena“ die Kapazitäten von Krankenhäusern in der Umgebung abgefragt werden. So kann der Rettungsdienst gezielt zu einer Klinik geschickt werden, ohne, dass ein Disponent der Leitstelle zuvor abfragen muss, ob benötigte Stationen für einen Notfall zur Verfügung stehen.

Bei allen Modernisierungen und Änderungen bleibt ein Teil der Einrichtung der ILS und des dazugehörigen Katastropenstabsraumes jedoch ganz analog. Kurz vor dessen Einweihung im vergangenen Jahr war aufgefallen, dass es keine Klingel gibt, um die Stabsmitglieder zu Besprechungen einzuberufen. Deshalb hatte die Kreistagsvorsitzende ihre kleine Handglocke zur Verfügung gestellt, die schließlich Teil der dauerhaften Einrichtung wurde (AZ berichtete). Dabei soll es auch in Zukunft bleiben, erklärt Sebastian Stoll, Stellvertreter des Landrates. „Die Glocke bleibt“, stellt er fest. Auch wenn der Katastrophenstab mal in das Landratsamt umziehen müsse, sei diese auch leicht mitzunehmen.

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