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EPS: Würmchen giftet in Stendal Raupe an

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Von: Marco Hertzfeld

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Im Nest hängen einige Raupen des Eichenprozessionsspinners.
Ein Nest des Eichenprozessionsspinners. Die Raupe des Nachtfalters verfügt über Brennhaare, die beim Menschen unter anderem eine Hauterkrankung auslösen können. © Imago

Würmchen giftet Raupe an: Der Landkreis Stendal setzt gegen den Eichenprozessionsspinner (EPS) erstmalig Nematoden, Fadenwürmer, ein. Der Abwehrkampf soll Ende April oder Anfang Mai starten.

Nematoden, aufgelöst in einer Brühe, kommen auf die Bäume im Kampf gegen den EPS.
Nematoden, fadenartige Bodenlebewesen, kommen, aufgelöst in einer Brühe, auf Bäume. Das passiert im Landkreis Stendal so richtig das erste Mal 2022. © Imago

Stendal – Landkreis und Kommunen rüsten sich für den scheinbar unendlichen Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner, kurz EPS, und setzen dabei auch erstmalig auf Nematoden, Fadenwürmer aus dem Boden. Der EPS-Einsatz insgesamt erfolgt wie in den Jahren zuvor aus der Luft und vom Boden aus. Spezialfirmen bringen Biozide aus und rücken dem EPS auch mechanisch zu Leibe, indem nicht zuletzt Nester abgesaugt werden. Seehausen, Bismark und Osterburg bilden schon traditionell den Schwerpunkt. Nematoden kommen als Alternative zu chemischen Mitteln in Teilen des Landkreises vor allem entlang von Radwegen zum Zuge. Diese Fadenwürmer setzen der Gifthaar-Raupe von innen zu. Die Auftragssumme hat zusammen einen Umfang von annähernd 280.000 Euro. Wenn das Wetter mitspielt, kann die konzertierte Aktion Ende April oder Anfang Mai beginnen. Darüber hat Umweltamtsleiter Stefan Feder im Fachausschuss des Stendaler Kreistages informiert.

Acht Einsatzbündel kosten 280.000 Euro

Gänzlich unter Dach und Fach seien die Verträge noch nicht, die Wege aber geebnet. Landkreis und betroffene Kommunen üben seit Jahren den Schulterschluss. Erstgenannter koordiniert und schreibt die Aufgaben öffentlich aus. Für dieses Jahr hat es acht Lose, acht Aufgabenbündel, gegeben, eine recht hohe Zahl. Dadurch seien alle Beteiligten schlichtweg schlagkräftiger. Dem EPS spürbar zusetzen zu können, dafür öffne sich nun einmal nur ein enges Zeitfenster. Und natürlich, Wind und Regen könnten den Gesamteinsatz schnell einmal ein, zwei Wochen kosten. Seit 15 Jahren setze man der Schmetterlingsraupe zu, ihre Haare können dem Menschen gesundheitlich schaden. Schon fast traditionell startet auch die Saison 2022 mit Hubschraubereinsätzen. Die Vegetation sei dieses Jahr schon relativ weit fortgeschritten, konstatiert Feder.

Helikopter eröffnet Saison im April

Politik und Verwaltung stehen sozusagen Gewehr bei Fuß. Für 2022 haben im Vorfeld laut Amtschef Untersuchungen zu Artenschutz und Umweltverträglichkeit stattgefunden, in der Folge fielen bestimmte Flächen raus und würden nicht behandelt. Überhaupt seien allesamt angehalten, auch neue Wege zu gehen und nicht allein auf die „chemische Keule“ zu setzen. Wobei letztgenannte Methode aber nun einmal die effektivste sei. „Im Großen und Ganzen“ habe der EPS auch an Boden verloren. Doch blieben selbst bei besagter effektivster Methode von 80 Prozent eben immer noch 20 übrig. „Er ist immer wieder da.“ Natürlich suchten Wissenschaftler nach neuen Methoden. Der Einsatz der Nematoden etwa sei unter anderem im Havelberger Raum erprobt worden. Die Würmchen in reichlich Flüssigkeit effektiv auf die Bäume zu kriegen, bleibe eine Herausforderung.

Erfolg, Natur und Kriegsrhetorik

Bündnisgrüne Edda Ahrberg hatte sich nach einer Tendenz erkundigt, 15 Jahre seien ja doch eine lange Zeit. Jürgen Teubner (AfD) sprach wortgewaltig unter anderem von „15 Jahren Krieg“ und womöglich „nicht richtigen Mitteln“, Geld für Experten könnte in die Hand genommen werden. Als Kritik an der Kreisverwaltung wolle er das nicht verstanden wissen, er mache sich eben Gedanken. Bei einer Effektivität von 98 Prozent ließen sich dann die restlichen zwei Prozent „per Hand“ erledigen von Menschen, die man „dafür verpflichten könnte“, so der AfD-Mann weiter. Für René Schernikau (Pro Altmark) hat der Kampf gegen den EPS bereits ein beachtliches Niveau erreicht, trotz „ein paar Fußfesseln“, auf die er nicht weiter einging. Den EPS komplett zu besiegen, darum könne es schon allein deshalb nicht gehen, weil dieser einfach auch zur Natur dazugehöre.

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