Cyber-Agentur und andere Behörden stehen auf ambitionierter Wunschliste

Stendal: Ein Landkreis jagt dem Hacker nach

Die virtuelle Welt soll sicherer werden: Bund und Länder wollen ihre Abwehr gegen Hacker verstärken.
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Die virtuelle Welt soll sicherer werden: Bund und Länder wollen ihre Abwehr gegen Hacker verstärken.

Stendal – Von der Altmark aus könnten Hackerangriffe auf Militär und zivile Einrichtungen abgewehrt werden. Natürlich sollten sich auch die Bürger sicherer in der virtuellen Welt bewegen können.

Dass sich eine Agentur für Cybersicherheit, eine Ideenschmiede, im Landkreis Stendal ansiedelt, steht auf der Wunschliste des Landratsamtes weit oben. Im Mai hatte sich die Kreisverwaltung nach eigenem Bekunden an die Staatskanzlei und Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) gewandt und Interesse an einer solchen Bundesbehörde und anderen Institutionen bekundet. Immerhin: Eine endgültige Absage aus Magdeburg scheint es nicht gegeben zu haben. Die erste Cyber-Agentur entsteht allerdings im Raum Halle / Leipzig, das ist spätestens seit Juli klar. Bis 2022 sollen bis zu 100 neue Arbeitsplätze entstehen.

Wulfänger: Bund beim Wort nehmen

Ob tatsächlich weitere Einrichtungen dieser Art oder zumindest Ableger aufgebaut werden, muss sich erst zeigen. Und: Im Landkreis selbst kämpft man derzeit noch um ausreichend Anschluss ans Breitband, mancherorts ist das sogar Pionierarbeit. Das Engagement des Landkreises kommt gleichwohl nicht von ungefähr. Die schwarz-rote Bundesregierung spricht verstärkt vom Politikziel gleichwertiger Lebensverhältnissen und blickt dabei nicht zuletzt auf die Unterschiede in Ost und West. Aber auch grundsätzlich scheint es zwischen den dynamischen Millionenstädten samt Speckgürtel und den dünn besiedelten ländlichen Räumen nur sehr wenige Gemeinsamkeiten zu geben. In einem Zwölfpunkteplan steht gleich am Anfang: Strukturschwache Regionen in ganz Deutschland fördern. Auf diesen Punkt hatte Stendals Landrat Carsten Wulfänger (CDU) schon in einer der ersten Sitzungen des neuen Kreistages abgezielt.

Ausland, Heimat und Mobilität

Der Landkreis will dem Bund beim Wort nehmen und sich um vieles bemühen, was Arbeitsplätze und Investitionen verspricht. Im Juni ging eine Bewerbung für ein neues Bundesamt an das Auswärtige Amt und Minister Heiko Maas (SPD). Seit Ende August liege eine Antwort vor, heißt es auf Nachfrage der AZ. Kreissprecherin Angela Vogel fasst zusammen: „Dem Auswärtigen Amt ist eine gute Erreichbarkeit zum Berliner Dienstsitz wichtig. Eine Standortoption im Osten wird in Erwägung gezogen, jedoch liegt noch keine Entscheidung vor.“ Ein Schreiben aus Stendal im September ging an das Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat und Minister Horst Seehofer (CSU), die an einem Deutschen Zentrum für die Entwicklung gleichwertiger Lebensverhältnisse arbeiten sollen.

Ein Gespräch mit der Firma Ramboll sei ganz aktuell im Oktober geführt worden. Es handelt sich dabei um ein Ingenieur- und Managementberatungsunternehmen mit nach eigenen Angaben mehreren Hundert Büros in über 30 Ländern dieser Welt. Das Unternehmen agiere im Auftrag des Seehofer-Ministeriums und arbeite an einer Einrichtung, die sich um eine bessere Mobilität im ländlichen Raum kümmern soll. Was das konkret für den Landkreis Stendal bedeuten kann, lässt Vogel noch offen. Das Landratsamt wirbt schon einmal mit einer guten ICE-Anbindung und der künftigen Autobahn. Bundes- oder auch Landesbehörden dienten der Standortentwicklung, sicherten und schafften Arbeitsplätze und stärkten das Außenmarketing, heißt es.

Anträge nach Berlin und Magdeburg

Wie die Cyber-Agentur des Bundes entsteht, dabei können die Altmärker erst einmal nur zuschauen. Dass sie ihren Sitz perspektivisch am Flughafen Leipzig-Halle bezieht, darauf haben sich Bundesvertreter und die Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt und Sachsen geeinigt. Politische Beobachter bewerten dies als ein Bekenntnis zum Osten. Die Agentur soll in den nächsten fünf Jahren mit 200 Millionen Euro ausgestattet werden. Sie soll Forschungs- und Entwicklungsvorhaben fördern und voranbringen. Inwieweit der Landkreis Stendal auch nur ansatzweise im Spiel sein kann, bleibt abzuwarten. Im Magdeburger Schreiben vom Mai heißt es laut Vogel sinngemäß: Die Standortvorteile des nördlichen Sachsen-Anhalts werden weiterhin beworben.

VON MARCO HERTZFELD 

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