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Stendal: Krise zieht nicht spurlos am Einzelhandel vorbei

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Von: Stefan Hartmann

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Yvonne Riesmann steht in ihrem Unverpacktladen.
Yvonne Riesmann blickt auf die rund dreieinhalbjährige Geschichte ihres Unverpacktladens in der Stendaler Innenstadt zurück. In der Zeit haben auch regionale Produkte eine stärkere Bedeutung gewonnen. © Hartmann, Stefan

Zahlreiche Geschäfte haben Probleme wegen der aufeinanderfolgenden Krisen. Dazu gehören auch die Unverpacktläden. Der in der Stendaler Innenstadt hält sich jedoch wacker. Das liegt auch am Konzept, sagt die Chefin. 

Stendal – Ein ganz normales Jahr hat Yvonne Riesmann mit ihrem Unverpacktladen in der Stendaler Innenstadt noch nicht erlebt. Knapp ein halbes Jahr blieb ihr nach der Eröffnung im August 2019 bis zum Beginn der Coronapandemie. „Jedes Jahr war eine Herausforderung“, sagt sie daher auch auf AZ-Nachfrage. „Aber es gibt uns noch.“ Das können längst nicht alle Anbieter in dem Segment von sich behaupten.

Zum Jahreswechsel ging ein Raunen durch die Unverpackt-Läden. Szeneikone Marie Delaperrière hatte angekündigt ihren Laden, den ersten dieser Art, der in Deutschland entstanden war, zu schließen. „Ich habe dort einen Workshop gemacht“, sagt Riesmann. Dementsprechend sei die Nachricht ein kleiner Schock gewesen, den sie aber mittlerweile ganz gut habe verarbeiten können. Zahlreiche Geschäfte leiden unter den aufeinanderfolgenden Krisen und auch die Unverpacktläden sind da keine Ausnahme. Solche Probleme wolle man direkt in der Gründungsphase und in den Jahren danach eigentlich nicht haben. Aber sie sei recht gut durch die Zeit gekommen, sagt Riesmann. Einfach sei es dabei natürlich nicht gewesen, aber im Vergleich zu den Problemen, die andere Geschäfte hatten, sei es für Geschäftsführerin relativ bislang recht glimpflich ausgegangen.

„Ich habe mich auch gefragt, woran das liegt“, erklärt sie und glaubt auch, eine Antwort gefunden zu haben. Viele Unverpacktläden führen frische Produkte. Das sei jedoch eine Richtung, gegen die sich Riesmann entschieden hätte. „Es gibt ja in der Nähe bereits einen Bioladen und den Bauernmarkt“, sagt sie zu ihrer Entscheidung. In einer relativ kleinen Stadt wie Stendal sei es besser, unterschiedliche Angebote zu haben und nicht überall dasselbe anzubieten. Ein weiterer Punkt sei die Historie des Ladengeschäfts an der Breiten Straße. Zuvor befand sich dort eine Tee- und Gewürzhandlung, deren Sortiment übernommen wurde. Die wiederkehrenden Stammkunden gaben dem Geschäft einen guten Schubs für die Anfangszeit.

Das habe ebenfalls dabei geholfen, den Kundenstamm breiter zu halten. Denn es kämen nicht nur Menschen, die es auf die unverpackten Waren abgesehen hätten. Gewürze und Tees sind zwar überwiegend keine Luxusprodukte mehr, zögen aber noch immer Menschen an, die etwas Besonderes suchen. Da sei es dann auch leicht, ins Gespräch zu kommen. „Ich betrachte mein Geschäft nicht nur als Laden“, sagt Riesmann. Er sei auch Ideenschmiede und Punkt für den Austausch untereinander. So komme man Schritt für Schritt dazu, bessere Herangehensweisen zu entwickeln oder wiederzuentdecken. Ebenso entwickele sich auch das Konzept des Unverpacktladens immer weiter. Während beispielsweise regionale Produkte dort schon immer eine Rolle spielten, haben sie Stück für Stück einen größeren Platz eingenommen.

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