Fast eine Million Euro: Fachausschuss erinnert Landrat an Finanzierung und fordert Klarheit

Stendal: Kostenloses Jahresticket für den Bus ausgebremst

Der Zug für das kostenlose Busticket der Schüler ist nicht abgefahren. Es gibt allerdings offene Fragen.
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Der Zug für das kostenlose Busticket der Schüler ist nicht abgefahren. Es gibt allerdings offene Fragen.

Stendal – So einfach für die jungen Leute das kostenlose Busticket ab 2021 lösen will der Kreisschulausschuss nicht. Nach einem kurzen Schlagabtausch haben die Mitglieder mehrheitlich bei einer Enthaltung (Peter Ludwig, SPD) beschlossen, die Vorlage zurückzustellen.

Auch für den Kreistag am 10. Dezember soll sie erst einmal von der Tagesordnung. Der Kritikpunkt: die Finanzierung. Das Angebot könnte den Landkreis knapp 780 000 Euro kosten, die Rechnungen fielen anfangs noch höher aus. Woher das Geld genau kommen soll, kann Ausschussvorsitzende Edith Braun (Pro Altmark) bislang nicht erkennen. Landrat und Verwaltung mögen doch bitte die Deckung dieser freiwilligen Leistung darstellen, schließlich käme das Papier von ihnen. Ansonsten fliege das sicherlich ehrenwerte und sinnvolle Anliegen allen spätestens beim nächsten Kreishaushalt um die Ohren.

Jürgen Emanuel (Linke) fürchtete offenbar um das gesamte Projekt und sprach von „Spielereien“, die das Ganze niederzumachen drohten. Man wolle doch „Lasten von den Bürgern nehmen“ und vielen Familien helfen. Zur besseren Einordnung: Die Initiative für das kostenlose Schülerticket ging von SPD und Linker aus, auch Sozialdemokrat Patrick Puhlmann schrieb es sich auf die Fahne, seit März ist er Landrat. Der öffentliche Personennahverkehr soll an allen Tagen für lau genutzt werden dürfen, vor allem Kinder bis zur zehnten Klasse könnten davon voll und ganz profitieren. Den Grundgedanken fänden nach wie vor alle klasse, wie zum Beispiel Annegret Schwarz und Bernd Prange (beide CDU) am Mittwochnachmittag betonten. Aber bitte: Eine Spielerei sei die Nachfrage zur konkreten Finanzierung des Schülertickets im Landkreis nicht.

Darüber hinaus gibt es für einige Ausschussmitglieder andere offene Fragen. Liberale, Bündnisgrüne und Landwirte für die Region hatten einen Änderungsantrag eingebracht. Unter anderem will die Fraktion das Ticket auf die normalen Schultage begrenzt sehen und den Rufbus im Vorhaben nicht einfach ausschließen lassen, Politlandwirtin Carmen Kalkofen erläuterte das kurz. Steffi Friedebold, sachkundiger Einwohner auf Vorschlag dieser Fraktion, ergänzte, dass in vielen kleineren Orten gerade im Elbe-Havel-Land fast nur noch Rufbusse unterwegs seien. Und sowieso sollten städtische und dörfliche Gebiete hier möglichst gleich gut behandelt werden. Kurzum: Der Fachausschuss hat noch Gesprächsbedarf und erwartet vom Landrat Antworten zur Finanzierung. Nicht zu verwechseln ist das Ticket übrigens mit dem Azubi-Ticket des Landes 2021.

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