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Stendal: Kirschernte fällt dieses Jahr besonders süß aus

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Von: Stefan Hartmann

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André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal, kniet in einem Kirschhain.
Für die Kirschen ist das heiße Wetter ein Segen, erklärt André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal: Sie sind dieses Jahr besonders süß. © Hartmann, Stefan

Während die Kirsche von dem heißen Wetter profitieren kann, droht bei den Äpfeln bei anhaltender Hitze ein Ernteausfall. 

Stendal – André Stallbaum, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Stendal, macht es sich mit einer Apfelschorle aus eigener Produktion im Schatten gemütlich. Es ist erst früher Nachmittag, aber eine Pause muss bei Temperaturen um fast 40 Grad Celsius auch sein. Auch die Pflücker hätten schon Feierabend, erklärt er. Bei der Hitze sollte niemand zu lange in der Sonne sein – unter anderem deshalb wird schon früh mit der Arbeit begonnen.

Dem Klischee zufolge sind Landwirte niemals mit dem Wetter zufrieden. Stallbaum formuliert es etwas treffender: Jedes Wetter hat seine Herausforderungen. Theoretisch ist die große Hitze eine gute Voraussetzung für die Kirschsaison, erklärt er. Aber es seien die Wechselwirkungen, die auch in diesem Fall für Probleme sorgen können. Bei der großen Trockenheit wird der Star zum Problem: Er weiß, dass in den Früchten Flüssigkeit steckt und pickt sie an. Große Trockenheit sorgt auch dafür, dass Ameisen größere Strecken zurücklegen können. Besonders mager könnte jedoch im laufenden Jahr die Apfelernte ausfallen. Wegen der fehlenden Niederschläge in den vergangenen Wochen seien die Zellwände im Fruchtfleisch geschwächt. Kommt nun lang anhaltende Hitze hinzu, wird das Innere der Äpfel regelrecht gekocht: Die Früchte sind dann zu nichts mehr zu gebrauchen. Auch andere Pflanzen, die im Sommer wachsen müssen, leiden unter den Temperaturen. Beispielsweise die Zuckerrübe, erklärt Stallbaum. Per Fotosynthese, die bei zu hohen Temperaturen nur noch eingeschränkt funktioniert, sammelt das Grün der Pflanze Energie, die dann in der Rübe unterirdisch für den Winter gespeichert wird. Wenn die Pflanze nicht richtig Stoffwechseln kann, fällt der Vorrat – und damit die Rübe – entsprechend klein aus. Als weiteres Problem kommt bei Hitze und Trockenheit auch die Brandgefahr hinzu. Trockene Weizenfelder, die kurz vor der Ernte stehen, können schon beim kleinsten Funken kann es zum Flächenbrand kommen.

Zeit für einen radikalen Wandel auf den Feldern sei damit jedoch deutlich nicht. Zwar werde immer wieder gefordert, an den Klimawandel angepasst Pflanzen anzubauen, aber welche genau das denn sein sollten, habe ihm noch niemand verraten können, sagt Stallbaum. „Auch im trockenen und heißen australischen Outback wird Weizen angebaut“, erinnert der Landwirt. Zwar hat er ein kleines Probierfeld, auf dem auf für die Region ungewöhnlichere Pflanzen stehen, aber bislang werfen diese noch nichts ab. „Ich habe seit drei Jahren Aprikosenbäume“, nennt er als Beispiel. Nur Früchte tragen sie bislang nicht. Ein häufiges Problem für exotischere Pflanzen ist der deutsche Winter. Der werde zwar immer milder, aber mit einigen starken Frosttagen müsse doch gerechnet werden. Und viele Pflanzen aus wärmeren Regionen verkraften auch kurze Frostphasen nicht.

Dennoch gebe es einige Möglichkeiten, die viele Sonne auf dem Feld zu nutzen. So seien in den vergangenen Jahren Sonnenblumen immer beliebter geworden. Für den Winter seien diese jedoch natürlich nichts.

Wie in allen anderen Bereichen auch, schlagen die erhöhten Preise für Kraftstoffe auch in der Landwirtschaft ein. Aktuell seien die Preise nah an Realpreisen dran, erklärt Stallbaum. Dass Lebensmittel eigentlich zu günstig seien, ist bereits jahrelang kritisiert worden. Verbraucher müssten sich darauf einstellen, dass gutes Essen etwas kosten muss. Wobei natürlich die wirtschaftlich schwächeren Haushalte nicht hinten runterfallen dürfen, erinnert der Stendaler Landwirt.

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