Schein-Inklusion vermeiden / Projekt so einheitlich gedacht werden

Stendal: Kinderstärken erarbeitet Stellungnahme zum Spielplatzprojekt

Ein inklusiver Sandkasten.
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Stelzen machen den Unterschied: Ein klassischer Sandkasten kann von Personen im Rollstuhl nicht oder kaum genutzt werden. Mit einer simplen Anpassung kann darunter gefahren und mitgespielt werden.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Dass eine schriftliche Stellungnahme von der Kinder- und Jugendinteressenvertretung gefordert wurde, war dieser unbekannt. Dennoch will sie dem Wunsch des Stendaler Stadtrates nachkommen und eine abgeben. 

Stendal – Trotz der Verwirrung um die nicht auffindbaren Stellungnahmen zum inklusiven Spielplatz der Stadt Stendal (AZ berichtete), sei nicht mit einer Verzögerung des Projektes zu rechnen, stellt Stadtsprecher Armin Fischbach auf AZ-Anfrage klar. „Die Planungen können ohnehin erst dann konkreter werden, wenn die entsprechenden Mittel im nächsten Haushalt eingeplant sind.“

Auch fehlen die Informationen von der Kinderinteressenvertretung nicht, sie seien lediglich nicht schriftlich als Stellungnahme verfasst worden. „Frau Kaminski hat sich also mehrfach hierzu geäußert, aber eben mündlich und nicht schriftlich“, heißt es in der entsprechenden Antwort der Hansestadt. Ganz anders sei es jedoch bei der Stellungnahme des Allgemeinden Behindertenverbandes. Diese habe krankheitsbedingt noch nicht erbracht werden können, heißt es aus dem Rathaus. Um die Stadträte in Kenntnis zu setzen sei Janine Kaminski, Projektkoordinatorin bei Kinderstärken, nun gebeten worden, bis zum 26. Oktober eine schriftliche Stellungnahme auszuarbeiten.

Aber auch dieses Datum könnte eng werden, wie Kaminksi im Telefonat mit der AZ erklärt. Derzeit sei sie erkrankt. Dennoch nahm sie sich die Zeit, um ein paar der Eckpunkte zur bisherigen Abstimmung zu erläutern. Neben der Zusammenarbeit mit dem zuständigen Amt, in die sie direkt eingebunden ist, haben in den vergangenen Wochen mehrere Workshops stattgefunden, um das Projekt mit den möglichen Nutzern, ihren Eltern, Lehrern und Mitschülern weiter auszuarbeiten. Konkret angesprochen wurden unter anderem die integrative Kita Kunterbunt und die Förderschule Helen-Keller-Schule. Diese würden aktuell ausgewertet, erklärt Kaminski. „Es war sehr beeindrucken, was die Kinder gesagt haben. Auch die Kids, die keine Beeinträchtigung haben, haben richtig gut mitgedacht, wie man gemeinsam auf einem Spielplatz spielen kann. Das war bei ganz vielen Punkten herauszuhören“, stellt sie bereits fest. Genau das soll auch die Idee sein. Schließlich soll eine Schein-Inklusion verhindert werden. „Es geht darum, nicht nur ein oder zwei inklusive Spielgeräte installieren, sondern, dass das ganze einheitlich gedacht wird“, erläutert die Projektkoordinatorin. Auch konkrete Ideen hätten sich dabei herauskristallisiert. Beispielsweise könne ein einfacher Sandkasten beispielsweise von Personen im Rollstuhl nicht benutzt werden. Stattdessen gibt es unterfahrbare Varianten. Dass bei einem inklusiven Spielplatz klassische Bestandteile, wie zum Beispiel ein Kletternetz, nicht aufgestellt werden, halte sie jedoch für unwahrscheinlich. Wichtig sei, so viel Platz wie möglich für gemeinsames Spielen zu schaffen.

Dabei stünde nicht nur der Rollstuhl als Ziel der Inklusion im Vordergrund. Als potenzielle Ideen wurden auch Hörstationen, die die Spielgeräte erklären können, ins Spiel gebracht. Ebenfalls beteiligt sei das Örtliche Teilhabemanagement des Landkreises. Dieses habe darauf hingewiesen, dass es vor den Spielgeräten Sitzmöglichkeiten geben sollte – falls jemand, der nicht so gut zu Fuß ist, einmal darauf warten muss, an der Reihe zu sein.

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