Melanie Pecher muss sich alleine um die Kinderbetreuung kümmern

Stendal: Keine Notfallbetreuung für Pflegerin

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Sabine Heidenreich und Melanie Pecher (stehend, von links) wünschen sich mehr Unterstützung durch die Behörden für die Betreuung ihrer Kinder Ben (4), Lena (11) und Paul (8).

Stendal – Am Freitagnachmittag hörte man in der Stendaler Kleingartenanlage „Hoher Kranz“ an der Heerener Straße Kinderlachen und konnte ihnen beim Toben zusehen.

Nun denkt man vielleicht, das sei nichts Besonderes, doch in der Corona-Krise die das gesellschaftliche Leben in der Hansestadt völlig lahmgelegt hat, ist es das. Paul, Lena, Kim und Ben sind Cousinen und Cousins, Lena und Kim sind Geschwister.

Die beiden Mädchen sind die Kinder von Melanie Pecher, die gerade von der Schichtarbeit kam, um ihre Kinder abzuholen. Die junge Mutter ist in der Pflege tätig und war erfreut, als die Regelung der Notpflege in Kraft trat. Zumindest bis sie diese für ihre jüngste Tochter in Anspruch nehmen wollte.

Da auch ihr Ehemann arbeiten muss, dachte sie zumindest, dass die Kleine in der Kindereinrichtung betreut werde. Doch dies ist nicht so, da nur sie in der Pflege tätig sei und ihr Mann nicht stehe ihr diese Regelung nicht zu. Zu den Großeltern, die zur Risikogruppe gehören, kann die kleine Kim nicht. Unentgeltlich zu Hause bleiben geht auch nicht, da beide Gehälter für den Lebensunterhalt der Familie gebraucht werden, denn der Kitaplatz muss trotz geschlossener Einrichtung bezahlt werden, so die junge Mutter.

Es bleibt den beiden Elternteilen nur ihren Urlaub für die Kinderbetreuung zu opfern. Doch zum Glück hat die junge Familie einen intakten Familienkreis. Die Schwägerinnen sind für einander da und organisieren gemeinsam die Kinderbetreuung.

Sabine Heidenreich nimmt es gelassen und ist für die Kinder da. Sie kümmert sich nicht nur um ihr eigenes Kind und die beiden Mädchen von Melanie Pecher, sondern auch um den Sohn einer weiteren Schwägerin, die mit ihrem Mann ebenfalls arbeiten muss. Nach Möglichkeit sind die Kinder oft draußen in der kinderfreundlichen Kleingärtenanlage.

Die jungen Familien halten zusammen, helfen einander wo es geht. Doch dies sei alles keine Dauerlösung. Die Corona-Krise sei nach Ostern nicht vorbei. Wie es weiter gehen soll, wissen die Mütter nicht. Fragen über Fragen und Unverständnis bezüglich der Notbetreuung sind Themen, die die beiden Frauen bewegt. Auf Antrag erhalten sie zwar die Kitakosten währen der Notbetreuung zurück. Diese Information erhielten die Mütter kürzlich. Trotzdem fühlen sie sich allein und von den Behörden im Stich gelassen.

VON UTE KRUG

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