„Anforderungen wachsen rasant“

Stendal: Kein Kinderspiel für Pädagogen – Individualität statt Einheitsbrei gefragt

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Interkulturelle Erziehung spielt in Kitas eine immer größere Rolle.

Stendal – Mit den Kindern malen und basteln, auf dem Spielplatz Aufsicht schieben und hier und da einen Apfel aufschneiden. Eben die netten Tanten, die sich mit den Jüngsten beschäftigen. 

Die Vorurteile aus dem Kindergarten-Alltag sind veraltet, finden Prof. Dr. Frauke Mingezahn und Prof. Dr. Thomas Kliche, Leitungen der beiden kindheitspädagogischen Studiengänge an der Hochschule Magdeburg-Stendal, und räumen mit den Klischees auf.

„In den Kitas hat sich in den letzten Jahren viel verändert“, erklärt Kliche, der seit 2011 mit im Boot ist, im Gespräch mit der AZ. „Die Anforderungen wachsen rasant.“ Denn neben der kindgerechten Versorgung und Beschäftigung würden immer neue Herausforderungen auf die Erzieher zukommen. Auch heute noch muss den Jüngsten der Umgang mit der Schere vermittelt werden oder die Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten.

Doch hinzu komme etwa der Bereich digitale Bildung und die Integration von Migranten. Dazu die wachsenden Anforderungen und Wünsche der Eltern. „Da ziehe ich wirklich den Hut“, lobt Mingezahn die Leistung der Studierenden. Mehr denn je seien Mitarbeiter der frühpädagogischen Einrichtungen dazu angehalten, für die gegebenen Sachverhalte individuelle Lösungen zu entwickeln. Arbeit nach dem Lehrbuch, Schema F, sei hier nicht mehr möglich. Etwas, das den Studierenden an der Hochschule beigebracht werde. „Man kann da Rezepte nicht nachbauen“, betont Kliche.

Der Bachelor-Studiengang Leitung von Kindertageseinrichtungen – Kindheitspädagogik, in dem Studierenden berufsbegleitend lernen, wird an der Hochschule Magdeburg-Stendal seit nunmehr zehn Jahren angeboten. 178 Absolventen wurden bis einschließlich Sommersemester 2018 gezählt. Für den Bachelor Kindheitspädagogik – Praxis, Leitung, Forschung können sich Studieninteressierte seit 2015 bewerben, 50 Absolventen wurden hier bis einschließlich Sommersemester 2018 von der Hochschule verabschiedet.

„Wir haben traumhafte Abschlussquoten“, freut sich Kliche beim Resümee anlässlich des Jubiläumsjahres. Studienabbrecher seien eher die Ausnahme, als die Regel und würden oft schon früh merken, wenn der Beruf nicht für sie geschaffen sei.

Apropos Vorurteile: Frauendominiert sei zumindest der grundlegende Studiengang für Kindheitspädagogik nach wie vor, damit können die beiden Professoren nicht aufräumen. „Es ist immer noch mit Geschlechterrollen überschattet“, berichtet Mingezahn. Dabei sei mit der Akademisierung des Berufes geglaubt worden, so das Tor für die Männer aufzustoßen.

Die Arbeit sei nicht schlecht bezahlt und biete Sicherheit, so die Studiengangleiterin. Für die männlichen Studierenden offenkundig trotzdem nicht genug, nach dem Abschluss die klassische Kindertagesstätte leiten zu wollen. Heime, Horte oder Waldkitas würden da noch eher in Frage kommen. Berufsbegleitend würden sich hingegen etwa vier bis acht Männer in die etwa 30 Personen starken Studiengänge einbringen. „Und das ist schon bereichernd“, merkt Mingezahn an. „Sie reflektieren noch mal anders.“ Nichtsdestotrotz müsste hier noch mal angesetzt werden, den Beruf geschlechterunabhängig voranzubringen.

VON LAURA KÜHN

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