Weniger als 30 junge Impflinge in einer Woche / Letzte Spritze: 24. September

Stendal: Kaum Interesse an Kinderimpfung

Der Eingang des Stendaler Impfzentrums.
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Das Impfzentrum steht Interessierten montags bis freitags zur Verfügung. Obwohl keine Termine mehr notwendig sind, ist die Einrichtung bei Weitem nicht ausgelastet.
  • Stefan Hartmann
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Seit einer Woche können auch Kinder im Stendaler Impfzentrum geimpft werden. Oft wurde das Angebot noch nicht in Anspruch genommen. Keine 30 Interessenten sind bisher gekommen. 

Stendal – Seit einer Woche dürfen im Stendaler Impfzentrum auch Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden. Auf sonderlich großes Interesse stößt das jedoch bisher jedoch nicht.

Am 30. Juli habe es acht und am 2. August sieben Impfungen bei Jugendlichen zwischen 12 und 16 Jahren gegeben, meldet Edgar Kraul aus der Pressestelle des Landkreises mit Stand von Dienstag. Am Mittwoch seien noch einmal zehn 12- bis 16-Jährige vor Ort gewesen, ergänzt Impfzentrumleiter Friedhelm Cario. Auch bei den erwachsenen Impfwilligen ist das Zentrum nicht ausgelastet. Von 600 möglichen Impfungen pro Tag werden aktuell zwischen 100 und 160 in Anspruch genommen, erklärt der Landkreissprecher. Besondere Aktionen, um die Impfbereitschaft anzukurbeln wie das Ausgeben von Bratwurst oder Bustickets würden vom Landkreis nicht geplant.

Um die Gründe, weshalb sich relativ wenige Eltern dafür entscheiden, ihre Kinder impfen zu lassen, kann nur spekuliert werden. Möglicherweise habe es damit zu tun, dass es bisher noch keine eindeutige Empfehlung der Ständige Impfkommission (Stiko) gebe, führt Cario an. Gleichzeitig dürfe nicht vergessen werden, dass momentan Urlaubszeit ist, sagt die Medizinstudentin Anna Dähnrich, die bereits seit der Beginn der Impfkampagne das Team unterstützt. Wer gerade Ferien macht, hat unter Umständen nicht die Gelegenheit, geimpft zu werden. Die, die sich jedoch dafür entschieden hätten, ihre Kinder zu impfen, seien sehr erleichtert gewesen. „Gott sei dank geht es jetzt endlich“, gibt Cario deren Reaktion wieder. Er gehe auch davon aus, dass die Impfbereitschaft mit den steigenden Inzidenzzahlen wieder zunehmen werde. Rund 111 Tage lagen zwischen den Spitzen vom 24. Dezember (Inzidenz 322) und dem 14. April (Inzidenz 323). Schon in einem älteren Katastrophenschutzhandbuch Carios habe die Kennzahl von 100 Tagen zwischen zwei Spitzenwerten gestanden. Das sei schon bei der spanischen Grippe so gewesen und, soweit das nachvollziehbar sei, auch bei der Pest, die im mittelalterlichen Europa wütete. Seit der letzten Spitze sind schon 114 Tage vergangen – damit sei sie überfällig. Aber Sommer, gutes Wetter und die Abstände die deswegen zwischen den Menschen entstehen, die weniger gemeinsame Zeit in Innenräumen verbringen, helfen die Verbreitung zu unterbinden. Eine Impfquote von rund 50 Prozent könne wenn dann nur anteilig daran beteiligt sein.

Nach aktuellem Stand bleibt den Bürgern nicht viel Zeit, um sich eine Spritze im Impfzentrum zu holen. „Am 24. September wird die letzte Spritze gesetzt“, sagt Cario. Offiziell sind die Impfzentren zum 30. September zu schließen, aber um die Räume zu verlassen, muss Zeit eingeplant werden. Eine Verlängerung werde nach Informationen des Landkreises Stendal bislang nicht diskutiert. Auch nicht, in welcher Form möglicherweise notwendig werdende Impfungen zur Auffrischung angeboten werden.

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