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Stendal kämpft um Anschluss an Fernverkehr

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Von: Stefan Hartmann

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Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos, v.r.) diskutiert mit Marcus Faber (FDP) und dem Schienenbeauftragten Michael Theurer (FDP) über Stendals Bahnanbindung.
Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos, v.r.) diskutiert mit Marcus Faber (FDP) und dem Schienenbeauftragten Michael Theurer (FDP) über Stendals Bahnanbindung. © Hartmann, Stefan

Der Stendaler Bahnhof ist als Verkehrsknotenpunkt auch über die Region hinaus bedeutsam. Während der Bundesbeauftragte für Schienenverkehr ihm Zukunft bescheinigt, scheint die Deutsche Bahn andere Pläne zu haben. 

Stendal – Gut 38 400 Kilometer Schienen sind in Deutschland verlegt. 33 400 davon befinden sich in der Hand des Bundes. Und ein nicht unerheblicher Knotenpunkt des Netzes läuft unweit der Hauptstadt in Stendal zusammen. Das wisse man auch in Berlin, erklärt Michael Theurer (FDP), Beauftragter der Bundesregierung für den Schienenverkehr, bei einem Besuch in der Hansestadt.

Dabei handele es sich um einen Glücksfall für die Stadt. Gemessen an ihrer Größe habe sie eine überdurchschnittlich gute Bahnanbindung. „Viele größere Städte haben das nicht“, stellt Theurer fest. Stendal profitiere davon, genau an der richtigen Stelle zu liegen. Nämlich zwischen Hannover, Wolfsburg und Berlin – und dort werde dieser Knotenpunkt gebraucht. Deshalb sehe die Zukunft für Stendals Bahnanbindung auch gut aus – es gebe sogar Ausbaupotenzial.

Das ist jedoch nicht der Stand, der bislang in der Stadt selbst bekannt ist. „Die Bahn sagt uns, dass die zweistündige Verbindung nach Hannover wegfallen soll“, entgegnet Stendals Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos). Das stehe in direktem Widerspruch zu den Ausführungen des Schienenverkehrsbeauftragten und hätte außerdem große Auswirkungen auf die Stadt. Für die – und auch den weiteren Landkreis – bedeute das einen Einwohnerverlust. Rund 15 Prozent der Fahrgäste treten vom Hauptbahnhof Stendal aus ihre Reise nach Hannover an, sagt Sieler. Für all diese Menschen, die täglich aus dem Landkreis würde damit die Option, wohnen im Grünen und arbeiten in der niedersächsischen Landeshauptstadt, wegfallen. Der Wegfall der Direktverbindung müsse allerdings nicht unbedingt ein Nachteil sein, wendet Theurer ein. Zum einen gebe es noch immer die Möglichkeit, per Umstieg in Wolfsburg ans Ziel zu kommen. Andererseits würden im Schweizer Schienennetz beispielsweise großzügigere Pufferzeiten in den Bahnhöfen eingeplant. Das sorge auch dafür, dass es im Gesamtnetz zu weniger Verspätungen kommen. Denn einer der Gründe dafür, warum das deutsche System recht anfällig ist, sei es, dass es sich mehrere ausgesprochen lange Verbindungen gönne.

Eine davon, die mit den europäischen Nachbarn geteilt wird, verläuft von Amsterdam über Stendal nach Berlin. Genau diese lange Verbindung und die Zusammenarbeit mit den Niederlanden wird nun vonseiten der Bahn als Problem angeführt: Fahrgäste, die von Amsterdam aus nach Berlin reisen, wünschten sich kürzere Reisezeiten und benötigten den Halt in Stendal nicht. Deshalb würden sie gerne auf den – meist nur wenige Minuten dauernden – Zwischenhalt verzichten. „Für Fahrgäste aus den Niederlanden macht es kaum einen Unterschied, ob der Zug in Stendal hält. Für Stendal macht es aber einen Riesenunterschied“, erklärt der Oberbürgermeister.

Ebenso sehe es auch die Kreisverwaltung, lässt Thomas Lötsch, zweiter Beigeordneter des Landrates, bei dem Treffen verlauten. Eine unattraktive Verbindung oder ihr gesamter Wegfall sei nicht gut für den Landkreis. „Die Verbindung in Ballungsregionen ist eine große Nummer“, stellt er fest. „Wir müssen auf die Funktionsfähigkeit der Region achten.“ Denn es stehe auch immer die weiterführenden Fragen im Raum: Ist das erst der Anfang und welche Verbindungen fallen als Nächstes weg?

„Es gruselt uns als Pendler“, erklärt eine Bürgerin bei dem Treffen. Bei einem Tag, an dem es Störungen auf der Strecke gibt, sei man am Ende nicht von der Arbeit fertig, sondern von der anstrengenden Fahrt. Mit dem Wegfall der Direktverbindung wären die Pendler auch täglich mit der Gefahr konfrontiert, wegen einer Verzögerung ihren Anschluss zu verpassen.

Theurer, der nach eigenen Angaben selbst langjähriger Pendler war, sagte zu, sich dem Problem anzunehmen. Dann wolle er herausfinden, wieso die Deutsche Bahn ihm die Information gebe, dass die Fernverkehrsverbindung Stendal eine Zukunft habe und der Hansestadt genau das Gegenteil angekündigt werde.

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