Chance noch Abschied zu nehmen / Trauerfeier im Musikforum Katharinenkirche

Stendal: In Gedenken an einsam Verstorbene

Kerzen stehen auf einem Tisch.
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Mit zahlreichen Kerzen wird den Menschen gedacht, die in den vergangenen Jahren einsam starben.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Nicht immer gibt es die Chance, bei einer Beerdigung Abschied zu nehmen. Das Trauernetzwerk Altmark bietet deshalb eine Gedenkfeier für einsam Verstorbene.

Stendal – Rund ein Dutzend Personen haben sich am Donnerstagabend, 27. Januar, im Musikforum Katharinenkirche eingefunden. Dezenter Blumen- und Kerzenschmuck leiten die Trauerfeier für einsam Verstorbene bereits ein, noch bevor Pfarrer Ulrich Paulsen das Wort ergreifen kann.

„„Wir wollen mit dieser Feierstunde insbesondere derer gedenken, die am Ende des Lebens ohne jede Feier von dieser Welt gegangen sind“, sagt Paulsen in seiner Begrüßung. Wieso es am Ende des Lebens diese Einsamkeit gegeben hat, könne viele Gründe haben. Möglicherweise habe sie sich über Jahre entwickelt, Freunde, Bekannte und Familie starben vorher, bis nur noch eine Person übrig blieb. Möglicherweise hatte es Streit gegeben, der über Jahre oder Jahrzehnte nicht aufgelöst wurde, bis es zu spät war. Aber auch persönliche Wünsche könnten eine Rolle gespielt haben. „Vielleicht wollte jemand keinerlei Feier“, stellt Paulsen fest. Während der vergangenen zwei Jahre kommt mit der Pandemie noch der Faktor der Teilnehmerbegrenzung hinzu. Aber auch bei denen, die zurückbleiben, kann es Gründe geben, wieso kein Abschied genommen wurde. Vielleicht sei es die Abschiedsfeier im kleinen Kreis gewesen oder möglicherweise standen andere Verpflichtungen einem Abschiedsbesuch im Weg. „Vielleicht habe ich mich nicht getraut, bei der Feier zu erscheinen, weil ich den Frieden gestört hätte, weil ich nicht verstanden worden wäre, oder jemanden nicht treffen wollte. Vielleicht habe ich erst Wochen später gespürt, wie sehr ein Mensch mir fehlt und ich bedauere, dass ich keinen Abschied nehmen konnte“, führt Paulsen weiter aus.

Zurück bleiben dann, unabhängig von den Gründen für die einsame Bestattung, die Menschen, bei denen Spuren hinterlassen wurden. Dies könnten lange oder auch kurze sein, erklärt Oberbürgermeister Klaus Schmotz in seinem Redebeitrag. Diese seien es, an die auch später noch gedacht wird, wenn Menschen leise und möglicherweise auch schon vor Jahren gegangen sind.

„Wir hoffen, dass es jetzt zur Tradition wird“, sagt Paulsen auf AZ-Nachfrage. Die erste Gedenkfeier für einsam verstorbene Bürger fand 2020 statt. Pandemiebedingt musste die Wiederholung bereits 2021 ausfallen. Langfristig soll sich der Termin jedoch im Frühjahr etablieren – gerne auch erneut im Musikforum Katharinenkirche, das wegen seiner Geschichte und jetzt säkularer Nutzung ein gutes Bindeglied für die Christen und Nichtchristen im Trauernetzwerk bildet.

Für die musikalische Begleitung sorgte die Klavierlehrerin Irina Schulz von der Musik- und Kunstschule Stendal.

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