Neue Gruppe soll Stendals Potenzial erkennen und besser nutzen helfen

Stendal: Ideenschmiede stärker angeheizt

Hochschulgründungsrektor, früherer Chef des Existenzgründerzentrums BIC, Betreiber des Literaturhilfswerks, das zur Büchertauschzentrale geworden ist, dazu Privatunternehmer und anderes mehr: Prof. Hans-Jürgen Kaschade (79) hat in seiner Stendaler Wohnung ein kleines Privatmuseum technischer Geräte. Darunter befinden sich Traktor und Anhänger aus einem Metallbaukasten, den er als Kind einst gebraucht von der Mutter geschenkt bekommen habe.
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Hochschulgründungsrektor, früherer Chef des Existenzgründerzentrums BIC, Betreiber des Literaturhilfswerks, das zur Büchertauschzentrale geworden ist, dazu Privatunternehmer und anderes mehr: Prof. Hans-Jürgen Kaschade (79) hat in seiner Stendaler Wohnung ein kleines Privatmuseum technischer Geräte. Darunter befinden sich Traktor und Anhänger aus einem Metallbaukasten, den er als Kind einst gebraucht von der Mutter geschenkt bekommen habe.

Stendal – Der Träger des Alternativen Nobelpreises auf Stippvisite in Stendal, 2021 soll das gelingen. Dafür ziehen Kaschade-Stiftung, Hochschule und Rathaus an einem Strang. Für Prof. Hans-Jürgen Kaschade sind es Projekte wie dieses, die eine Stadt und eine ganze Region bereichern können.

 „Wir wissen alle, Johann Joachim Winckelmann, der Begründer der wissenschaftlichen Archäologie, ist der vielleicht größte Sohn der Stadt, doch das hat seine Grenzen.“

Dass Stendal noch mehr zu bieten hat, davon ist der 79-Jährige fest überzeugt. Eine Arbeitsgruppe, erst kürzlich aus der Taufe gehoben, soll zu einer regelrechten Ideenschmiede werden. Allzu viel in der Zeitung darüber lesen will Kaschade aber bitte noch nicht. „Das Ganze ist doch erst im Aufbau begriffen. “.

Greifbar nah schien die Sache mit dem Alternativen Nobelpreis, der jährlich vergeben wird und richtig Right Livelihood Award heißt. „2019 wurde die Preisträgerin schwanger, 2020 hat Corona alles verhindert. 2021 wird es mit dem ersten Mal klappen“, hofft Kaschade inständig. Die Organisation hinter der Auszeichnung „für die Gestaltung einer besseren Welt“, wie es im Selbstverständnis heißt, organisiert jedes Jahr aufs Neue Rundreisen mit den aktuellen Preisträgern. „Stendal passt dort hinein.“ Ihre 3000 Euro hat die Kaschade-Stiftung in das nächste Haushaltsjahr verschoben. Die Absprache läuft über zunächst fünf Jahre. Möglichst viele Bürger und nicht allein die Studenten der Hochschule in Stendal sollen von den Treffen profitieren. „Sie schaffen Aufmerksamkeit und Identität.“

Über die neue Arbeitsgruppe möchte Kaschade, seit 2017 Ehrenbürger der Hansestadt Stendal, am liebsten noch nicht groß reden. Deshalb nur so viel: Die Gruppe nennt sich womöglich Stendal-Macher, wahrscheinlich in Anlehnung an die Initiative Altmark-Macher, die sich nicht zuletzt in einem Festival für Berufsfindung äußert. Die Stendal-Macher haben eine weitere Schlagrichtung, wenngleich sich auch unter ihnen namhafte Vertreter aus Wirtschaft, Dienstleistung und Verbandswesen befinden sollen. Eine der entscheidenden Fragen: Wie lassen sich Stendal und seine abwechslungsreiche Geschichte besser aufbereiten und für Einheimische und Touristen möglichst eindrucksvoll darstellen? Selbst der direkte Nachbar Tangermünde scheine Stendal hierbei mindestens eine Nasenlänge voraus.

Bundesweit bekannte Leute nach Stendal einzuladen, die Idee dazu hatte Tilman Tögel, ein früherer Landespolitiker und später Vertreter der Kaschade-Stiftung, der im April 2019 verstorben ist. Tögel dachte vornehmlich an Künstler und insbesondere Schauspieler, die bestenfalls einen Bezug zu Stendal oder der Altmark haben. Tögels Idee beförderte etwas anderes. Fast zeitgleich gab es den Kontakt zu den Organisatoren des Alternativen Nobelpreises, der 1980 erstmals vergeben wurde, institutionell nichts mit dem bekannteren Nobelpreis zu tun hat und durch Spenden finanziert wird. In Lindau am Bodensee finden regelmäßig Konferenzen mit Nobelpreisträgern statt. Ähnliches soll es in Stendal mit Trägern des Alternativen Nobelpreises geben. „Sie können wir uns leisten.“

Zwischen Traum und Wirklichkeit, Wunsch und Realität, passen jede Menge Ideen. „Manche lassen sich verwirklichen, andere nicht. Wir brauchen sie aber erst einmal.“ Kaschade erinnert an seinen Fördervorschlag, die historischen Wallanlagen im Stadtbild nicht zuletzt für Touristen sichtbarer zu machen (die AZ berichtete). „Selbst wenn etwa vor dem Pulverturm irgendeine nachgebaute Kanone stehen würde, wäre der Anlaufpunkt erweitert.“ Diskussionen über falsche und richtige Werte, Krieg und Frieden sowie Militarismus fürchtet der studierte Sozialpädagoge und Gründungsrektor der Hochschule in Magdeburg und Stendal nicht. „Man müsste das aushalten und die Kanone wäre ja auch kein Muss.“ Die Arbeitsgruppe Stendal-Macher sei jedenfalls ausreichend motiviert.

VON MARCO HERTZFELD  

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