Nur Biontech/Pfizer verfügbar / Impfstoff ist noch knapp

Hausärzte dürfen impfen

Ein Mann zieht mit blau behandschuhten Händen ein Impfdosis aus einer Ampulle.
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Symbolbild: Die Hausärzte können heute mit dem Impfen beginnen.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Lange haben sie darauf gedrängt, jetzt ist es soweit: Die Hausärzte dürfen auch gegen Corona impfen. Die gelieferten Mengen des Vakzins bleiben dabei jedoch weit hinter den erhofften zurück. 

Stendal – Heute, 7. April 2020, ist es so weit. Seit Monaten fordern die Hausärzte, bei den Corona-Impfungen mithelfen zu dürfen – am Dienstag, 6. April sind dann die ersten Dosen des Biontech/Pfizer Vakzins in den Stendaler Arztpraxen eingetroffen. Bestellt hatte Dr. Jörg Böhme, Hausarzt und Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KV) 50. Die erste Lieferung umfasst jedoch 24 Dosen pro Hausarzt. In seiner Praxis stünden demnach insgesamt 48 zur Verfügung. Exakte Zahlen für andere Praxen gebe es nicht – darauf habe die KV keinen Zugriff. Böhme schätze jedoch, dass es bei den anderen Hausärzten ähnlich aussehe. Die Bestellungen werden immer eine Woche im Voraus abgegeben. Auch für die kommende hat Böhme 50 Impfdosen angefordert.

Rund eine Million Dosen sollen so bundesweit verteilt werden. Im Mai soll die Zahl auf 2,5 Millionen steigen. „Jetzt wird erst mal der Mangel verteilt“, erklärt Böhme. Ähnlich wie bei dem Impfstart mit den Impfzentren ist der Bedarf größer als das Angebot. Ziel sei es, zunächst so viele Kollegen wie möglich in die Impfarbeit mit aufzunehmen. Damit ab heute alles glatt läuft, war viel Vorarbeit notwendig, erklärt Böhme. Aktuell laufe es so ab, dass viele chronisch Kranke ohnehin zweimal pro Quartal in der Praxis sind. Wenn bei diesen ein Termin ansteht, würden sie wenige Tage zuvor angerufen und gefragt, ob sie geimpft werden möchten. 30, 40 oder 50 passende Kandidaten seien angerufen worden, berichtet er. Dabei habe sich gezeigt, dass ein Großteil der über 80-Jährigen bereits geimpft sei. Auch von den über 70-Jährigen hätten viele bereits einen Termin. Diese würden dann darauf hingewiesen, dass sie ihren Termin nicht absagen sollten. „Wir sind mit der Prioritätsgruppe 1 so gut wie durch. Jetzt sind wir in Gruppe 2“, stellt Böhme fest. Im Internet kann nahvollzogen werden, wie die Prioritätsgruppen aufgestellt sind. So unter anderem unter www.bundesregierung.de im Menüpunkt Corona-Schutzimpfung. An diese hielten sich die Hausärzte, sagt Böhme. Für die Priorität 3 seien deshalb noch keine Termine möglich. Wer zur vierten Stufe gehört und anruft, werde direkt abgewimmelt. Anders gehe es gar nicht. Wer jedoch meint, zur zweiten Impfgruppe zu gehören, und noch nicht angesprochen wurde, könne sich prinzipiell melden.

Bisher bestehe bei der Impfung in Arztpraxen, ähnlich wie in Impfzentren, noch keine Wahlmöglichkeit beim Impfstoff. Jedoch aus anderen Gründen. Wer im Impfzentrum ein Mittel ablehnt, könne es bei Bedarf lediglich mit einer Beratung und ohne Impfung verlassen. Ein Anrecht auf das andere Vakzin besteht nicht. Böhme kann keine Wahlmöglichkeit anbieten – bestellbar ist aktuell nur das Mittel von Biontech/Pfizer. Wäre es möglich das Astrazeneca-Vakzin, das mittlerweile Vaxzevria heißt, zu bestellen, würde er auch dies tun und verabreichen, erklärt Böhme auf AZ-Nachfrage. Der Imageschaden und natürlich auch die Nebenwirkungen, die in wenigen Fällen tödlich geendet hätten, seien bedauerlich. Jedoch sei das Mittel in Großbritannien in großer Menge verabreicht worden und dort sei wenig passiert. Bei einer präventiven Leistung müsse natürlich genau geschaut werden, dass die Probleme minimiert werden. Er halte das Astrazeneca-Vakzin weiterhin für einen guten Impfstoff. Ob ein Patient diesen jedoch annehme, müsse er letztendlich selbst entscheiden. Sobald neben den zwei bekannten auch noch das Präparat von Johnson & Johnson verfügbar ist, sollen Patienten zwischen allen drei Optionen wählen können.

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