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Stendal: Fischsterben trifft Gewässer im Stadtforst

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Bagger steht vor einem Teich an dem Erdarbeiten durchgeführt wurden.
Offenkundig finden am Teich im Stendaler Stadtforst derzeit umfassende Erdarbeiten statt. Am Montagmittag sind jedoch kaum noch verendete Fische auszumachen. © Hartmann, Stefan

Nicht immer ist nur der Stendaler Stadtsee betroffen. Nach Bauarbeiten am Teich im Stadtforst sind hunderte tote Fische beobachtet worden. Als Grund für die Maßnahme führte die Stendaler Stadtverwaltung den Brandschutz an. 

Stendal – Oft fällt der Blick auf den Stendaler Stadtsee, wenn das Thema Fischsterben angesprochen wird. Aber die Stadt hat noch andere Wasserflächen, beispielsweise einen kleinen Waldsee im Stadtforst – an dem nun auch zahlreiche verendete Fische beobachtet worden sind. „Was der Klimawandel nicht erreichte, gelingt uns Menschen allemal“, schlussfolgert Mario Blasche in einem Schreiben an die AZ. Derzeit finden großflächige Erdarbeiten an dem kleinen Gewässer statt.

Diese sieht Blasche auch als Grund dafür, dass die Tiere massenweise gestorben sind. „Noch vor einer Woche tummelten sich zahlreiche Fische, Frösche und andere Lebewesen“, erklärt er. Ganz selbstverständlich sei das jedoch nicht gewesen. Bereits den ganzen Sommer hätten er und auch andere große Sorge um die Tiere gehabt, erläutert er auf AZ-Nachfrage. Wegen der Trockenheit des Sommers sei der Wasserstand bereits sehr niedrig gewesen. In dem kleinen Gewässer habe auch mit der Hilfe einiger Menschen ein empfindliches Gleichgewicht geherrscht. „Selbst bei großer Sommerhitze und geringem Wasserstand überlebten die zahlreichen Seebewohner, auch dank der Unterstützung von Naturfreunden, die regelmäßig auf eigene Kosten die Fische fütterten.“ Erst mit dem Beginn der Baggerarbeiten sei es anders gekommen. Wo zuvor noch ein idyllischer kleine See im Wald war, schwammen nun hunderte Fischkadaver an der Oberfläche, schildert er seine Erlebnisse. Die angelaufenen Arbeiten hätten damit – mindestens fahrlässig, schlussfolgert Blasche – zum massenhaften Fischsterben geführt.

„Aufgrund der Einordnung des Stendaler Stadtforstes in die Waldbrandgefahrenklasse A müssen intakte Löschwasserentnahmestellen vorhanden sein“, antwortet die Stadtverwaltung auf AZ-Nachfrage. Weil der vorhandene Teich jedoch als Löschwasserreserve nicht ausreichend war, ist der Teich mit Fördermitteln ausgebaut worden. Dabei sei eine Sohlvertiefung vorgenommen, eine Entnahmestelle mit Aufstellfläche für die Feuerwehr sowie ein flacher Böschungsbereich als Wildtränke und Flachwasserzone für Amphibien angelegt worden. „Die Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde zum Bauvorhaben wurden und werden ausnahmslos eingehalten, insbesondere wurde der Ausführungszeitraum aus Artenschutzgründen in die Monate September und Oktober gelegt, da die an Wasser und Schlamm gebundenen Lebewesen in dieser Zeit noch in der Lage sind, aus dem entnommenen Schlamm in das Gewässer zurückzuwandern“, stellt die Stadtverwaltung fest.

Da es sich bei dem Teich jedoch nicht um ein Fischereigewässer handelt, hätten die Wildfische folglich vor der Baumaßnahme nicht entnommen werden dürfen. Eine Grundwasserabsenkung sei nicht erfolgt, weshalb die Fische jederzeit einen Zufluchtsraum gehabt haben müssten.

Wieso es dennoch zu dem Fischsterben kam, sei der Stadt jedoch nicht bekannt und erst am Montag bekannt geworden. Es werde jedoch davon ausgegangen, dass sich Wildfische nach Abschluss der Baumaßnahme und der Setzung des Schlammes wieder ansiedeln.

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