„Das Leben nicht vergessen“

Stendal: Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe besteht seit mehr als zehn Jahren

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Anke Grandt hat bereits zwei Selbsthilfegruppen aufgebaut.

Stendal – 21 Teilnehmer zählt die Selbsthilfegruppe für Betroffene von Fibromyalgie unter der Leitung von Gruppensprecherin Anke Grandt in Stendal mittlerweile.

Die Symptome der Krankheit gleichen einem starken Stechen oder Brennen an Muskeln und Sehnen, das ständig wiederkehrt.

Oftmals begleiten Depressionen die chronisch und ein Leben lang auftretenden Schmerzen. Konkrete Ursachen für Fibromyalgie sind nach Angaben der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung (DFV) nicht bekannt. Die Krankheit ist nach Angaben der Vereinigung unheilbar. Sie sei im Blut nicht nachweisbar und eine Diagnose lediglich mittels Ausschlussverfahrens möglich.

Besonders belastend sei, dass die meisten Ärzte sich mit den Symptomen nicht auskennen und mitunter die Patienten als Simulanten bezeichnen. Dies kann Anke Grandt aus eigener Erfahrung berichten.

Bei ihr trat der erste schwere Schub nach einem Treppensturz auf. Vorher gingen die Symptome nach einiger Zeit wieder, nach dem Sturz aber blieben die Schmerzen dauerhaft. Einmal sei ihr eine Physiotherapie verschrieben worden. Diese Therapie habe dazu geführt, dass sie sich überhaupt nicht mehr bewegen konnte und in ein Krankenhaus eingeliefert wurde. Diagnose: Übertherapie.

Von der Physiotherapeutin habe sie noch den Hinweis auf die seltene Krankheit erhalten. Glück im Unglück sozusagen. Nach einem weiteren schweren Schub gab es an der Uniklinik Jena dann die Bestätigung. Eine Gewissheit über die Gründe der Beschwerden zu haben, habe bei ihr für Erleichterung gesorgt. Die „Ärzteodysee“ hatte damit ein Ende. Die gebürtige Apenburgerin wohnt mittlerweile seit 16 Jahren in Stendal und hat vor zehn Jahren die Leitung der Selbsthilfegruppe übernommen.

Seit Beginn ihres Engagements habe sie viel bewegt und ist mittlerweile Landesansprechpartnerin des DFV. Die Gruppe in Stendal zählte zunächst nur sechs Teilnehmer. Im November 2018 wurde mit Unterstützung der Stendalerin eine weitere Selbsthilfegruppe in Gardelegen gegründet. Mittlerweile zählt auch diese Gruppe 17 Mitglieder. Mit Rat und Tat steht die Gruppensprecherin aus Stendal den Teilnehmern zur Seite und hilft bei der Öffentlichkeitsarbeit oder beim Ausfüllen von Anträgen. Leider sind ihrer Ansicht nach die Anträge bei den Krankenkassen oft zu kompliziert gestaltet und sehr umfangreich. Weil die meisten Teilnehmer ihrer Gruppe auf Grund ihrer Erkrankung nicht berufstätig seien, sei aber eine Unterstützung durch die Krankenkassen und auch durch Spender dringend notwendig und man sei über jeden gespendeten Euro dankbar.

Von einer Spende zum zehnjährigen Bestehen der Selbsthilfegruppe hat sie Karten für das Theaterstück „Rock Christmas“ besorgt. Es wird ein Ausflug für alle Mitglieder, freut sie sich. Bei der Selbsthilfegruppe handele es sich nicht um eine „Jammergruppe“, möchte sie noch betonen, um mit falschen Eindrücken aufzuräumen. Vielmehr werde zu Beginn des Treffens etwa zehn Minuten über die Krankheit gesprochen und es werden Erfahrungen ausgetauscht.

Es handele sich um die sogenannte „Blitzrunde“. Danach wird für Ablenkung gesorgt und es sei Ziel der Gruppe, miteinander Spaß zu haben. So werden auch verschiedene Ausflüge gemacht und einmal im Jahr der Fibromyalgie-Tag des DFV besucht. Die Teilnehmer selbst veröffentlichen Berichte über ihre Aktivitäten in der Mitgliederzeitschrift „Die Optimisten“.

Es sei wichtig, die Krankheit zu akzeptieren und sich nicht von ihr überholen zu lassen, sagt Anke Grandt „Man darf das Leben nicht vergessen.“ Dieser Aufgabe widmen sich die Selbsthilfegruppen. Den meisten seien die Gründe für ihre Beschwerden nicht bekannt und von nicht Betroffenen werden die Schmerzen nicht anerkannt. Umso wichtiger sei es, sich zusammen zu finden. Die Gruppe trifft sich weiter jeden dritten Mittwoch im Monat von 16 bis 18 Uhr, im Charity-Shop, Nicolaistraße 19. Am 10. Dezember ist dort eine Weihnachtsfeier geplant und im Mai wird gemeinsam der Fibromyalgie-Tag besucht.

VON SIMON GERSTNER

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