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Stendal: Farbschimmer am Horizont

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Von: Stefan Hartmann

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Eine Mann mit tätowierter Hand hält eine Flache voller schwarzer Tattoo-Farbe.
Die neue EU-Richtlinie schränkt Tattoo-Studios in ihrer Farbauswahl stark ein. Verfügbar sind aktuell nur Schwarz, Weiß und Grau. © Stefan Hartmann

Momemtan gibt es nur schwarze, weiße und graue Farbe für Tattoo-Studios. Eine neue EU-Verordnung schiebt anderen den Riegel vor. Aber die Hersteller sind nicht untätig und so entsteht ein kleiner Hoffnungsschimmer. 

Stendal – Die Lage für Tattoo-Studios ist derzeit diffus. Seit knapp zwei Wochen gilt die neue „REACH“-Verordnung der EU, die es Tätowierern untersagt, die meisten Farben zu nutzen. Tatsächlich könnte auch gesagt werden: Generell Farben zu nutzen. Als nicht gesundheitsgefährdend eingestufte Farben gibt es derzeit nur in Schwarz, Weiß und Grau – nach Farblehre überhaupt keine Farben. Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer, wie die Stendaler Tätowiererin Lala am Freitagvormittag feststellt. „Die gab es gestern noch nicht“, erklärt sie nach einem Blick in einen Versandhandel für Tattoo-Bedarf.

Neben den bereits bekannten Tönen Schwarz, Weiß und Grau sind zahlreiche weitere aufgetaucht. Von Gelb über Orange, Rot zu Lila sind quasi alle Farben im Handel gelistet, die das Tätowiererherz höherschlagen lassen. Aber nur gelistet. Daneben prangt ein roter Punkt: nicht auf Lager. „Die Farben werden kommen“, erklärt auch Tätowierer Andi, der seit elf Jahren im Stendaler Studio „Inkmasters“ arbeitet. Nur wann es so weit ist, könne niemand vorhersehen. Bis dahin müssen die Studios mit der Ungewissheit umgehen und ihre Kunden, die buntere Tattoos haben möchten, vertrösten. Teilweise könne, gerade bei größeren Projekten, der erste Schritt schon gemacht werden.

Für diese seien ohnehin meist mehrere Sitzungen notwendig. Dann könne mit den schwarzen Outlines angefangen werden, erläutert Andi. Es ist nicht das erste Mal, in den vergangenen zwei Jahren, dass die Studios wegen neuer Bestimmungen in Schwierigkeiten kommen. Im Gegensatz zu den ersten Eindämmungsverordnungen können sie nun zwar geöffnet bleiben, aber sind kaum noch handlungsfähig. Und erneut habe es sie zur ungünstigsten Zeit getroffen, sagt Lala. Erfahrungsgemäß ließen sich bei ihr die meisten Kunden während der kalten Jahreszeit tätowieren.

Dass nun, wenn eigentlich das größte Interesse besteht, keine Farben verfügbar sind, sei ein weiterer Rückschlag fürs Geschäft. Ein Inkrafttreten der Verordnung im Sommer wäre weniger schädlich für die Studios gewesen. Nicht alle ließen sich davon jedoch abhalten. Es habe bereits Kundenanfragen gegeben, ob die alten Farben nicht noch unter der Hand genutzt werden könnten, sagt die Tätowiererin.

Für sie komme das selbstverständlich nicht in Frage, andere seien jedoch skrupelloser, tätowierten sich teils selbst. Mit den entsprechenden Ergebnissen. „Das muss unbedingt ein Profi machen“, warnt Lala vor der Versuchung der schnellen und günstigen Resteverwertung. Werde ein Tattoo zu tief gestochen, lande es in weicherem Gewebe. Im Gegensatz zu einem ordentlich gestochenen Tattoo breitet sich die Farbe aus – so ähnlich, wie bei blauen Flecken. „Nur, dass die dann nie wieder weggehen“, macht sie die Konsequenzen deutlich.

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