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Stendal: Expertenteam soll Deutsche Bahn klimafest machen

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Von: Stefan Hartmann

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An einer Bahnstrecke im Wald steigen mehrere Rauchsäulen auf.
Die Brände rund um die Zugstrecke bei Tangerhütte sind nicht die einzigen, die Bahn und Feuerwehren beschäftigen. © Privat / Einheitsgemeinde Stadt Tangerhütte

Zahlreiche Brände haben die Feuerwehrleute in Atem gehalten. Ein Expertenteam soll helfen die Deutsche Bahn klimafest zu machen.

Stendal – Zahlreiche Brände beschäftigen nicht nur die Feuerwehren der Altmark, sondern auch die Deutsche Bahn. Um die Sicherheit von Einsatzkräften, des Zugpersonals und seiner Fahrgäste zu gewährleisten, muss während der Einsätze der Bahnverkehr stillgelegt werden. Damit die Bahn auf die klimatischen Veränderungen reagieren kann, ist ein Expertenteam gegründet worden, erklärt ein Bahnsprecher auf AZ-Nachfrage.

Das Team soll sich grundsätzlich mit Naturgefahren und deren Auswirkungen auf den Zugverkehr auseinandersetzen. Es besteht aus einer Geografin, zwei Forstwirten, einem Geowissenschaftler, einer Biologin und einem Wasserwirtschaftsingenieur. „Aufgabe der Spezialisten und der beteiligten Fachbereiche und Gewerke ist es, Schienennetz, Bahnhöfe und Technik für die klimatischen Veränderungen fit zu machen“, erläutert der Bahnsprecher weiter. Bislang würden bisherige Ereignisse und Störfälle „akribisch analysiert“ und auf Basis der Ergebnisse konkrete Präventivmaßnahmen entwickelt. Die Experten greifen dabei unterstützend auf digitale Luftaufnahmen zurück oder nutzen Prognosen auf Basis sattelitengestützter Verfahren sowie Geoinformationssysteme. Inspektionen und Störungen werden dokumentiert. „Auf dieser Datengrundlage können lernende Systeme Schwerpunktbereiche ermitteln.“

Zudem vernetze sich die Deutsche Bahn mit anderen Bahnen und Spezialisten. Darunter auch das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Das als renommiert geltende Institut sei beauftragt worden, klimatische Änderungen hinsichtlich ihrer Auswirkung auf die Infrastruktur und den Betrieb zu beleuchten. „Hierbei wurde die starke Zunahme von Trockenheit und Hitzewellen als eine der größten Herausforderungen benannt, deren Anteil am Extremwettergeschehen sich in Deutschland seit 1990 bereits mehr als verdoppelt hat“, stellt der Bahnsprecher fest.

Neben Expertenteams und Forschungsaufträgen gibt es aber auch ein ganz handfestes Sofortprogramm für den Ernstfall: Um das Risiko von Böschungsbränden zu minimieren, führt die Bahn eine kontinuierliche Böschungspflege durch. Werden Mitarbeiter darüber hinaus bei Inspektionen oder auch Lokführer beim Befahren der Strecken auf Auffälligkeiten im Umfeld der Gleise wie zum Beispiel reflektierende Gegenstände aufmerksam, werde dies umgehend gemeldet. Mittels über gesamt Deutschland verteilter Sensoren wird die Bremstemperatur vorbeifahrender Züge kontinuierlich überwacht, um zu verhindern, dass heiß gelaufene Bremsen Brände verursachen. Auch externen Hinweisen von Anwohnern wird nachgegangen.

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