Vorsitzender des Kreisverbandes der GEW sieht Missstände im Land

Stendal: Einsatz gegen Lehrermangel

Sven Oeberst, Kreisvorsitzender der GEW hofft, dass das Volksbegehren Erfolg hat. Die Initiatoren wollen damit erreichen, dass der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt besser bekämpft wird.
+
Sven Oeberst, Kreisvorsitzender der GEW hofft, dass das Volksbegehren Erfolg hat. Die Initiatoren wollen damit erreichen, dass der Lehrermangel in Sachsen-Anhalt besser bekämpft wird.

Stendal – Ein breites Bündnis aus Lehrern, Schülern und Elternvertretern hat unter dem Motto „Den Mangel beenden“ ein Volksbegehren ins Leben gerufen, das zum Ziel hat, das Schulgesetz zu ändern und dort verbindliche Lehrer-Schüler-Schlüssel festzuschreiben.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist Teil der Initiative.

„Falls das Volksbegehren erfolgreich ist, muss der Landtag über die in dem Volksbegehren vorgeschlagene Gesetzesänderung abstimmen“, erläutert Sven Oeberst, Vorsitzender des GEW-Kreisverbandes Stendal. Es muss ein Quorum von neun Prozent der Wahlberechtigten erreicht werden, damit das Volksbegehren Erfolg hat. Dies entspricht exakt 163 388 notwendigen Unterschriften. „Die Hürde ist unglaublich hoch“, meint Oeberst. Zuletzt hatten die Befürworter des Volksbegehrens einen Erfolg vor Gericht erstritten, denn das Landesverfassungsgericht hat die Frist für das Erreichen der Unterschriftenzahl wegen der Corona-Pandemie bis zum 16. September verlängert. „Aber ob die Unterschriften dann auch wirklich zählen, wird erst im Hauptsacheverfahren geklärt“, so Oeberst. Das sei nicht gut für die Motivation der Initiatoren. „Nicht, dass der Einsatz am Ende vergeblich war.“

Im Landkreis Stendal ist der Lehrermangel laut dem GEW-Kreisvorsitzenden teilweise dramatisch. „Optimal wäre es, wenn 105 Prozent der Unterrichtsstunden abgedeckt wären. Dann könnten Ausfälle wegen Krankheit oder Schwangerschaft kompensiert werden, ohne dass Unterricht ausfällt.“ Im Landkreis ist die Quote der Unterrichtsstunden, die abgedeckt werden, teilweise unter 70 Prozent, in Stendal selbst bei 90 Prozent. „Dort wo es ausreichend Kindergartenplätze, attraktiven Wohnraum für Familien und gute Möglichkeiten für die Freizeitgestaltung gibt, sieht die Lage besser aus, als auf den Dörfern.

Am größten sind die Probleme, freie Stellen zu besetzen, laut Oeberst in den Grundschulen. „Die meisten unserer Nachbarbundesländer zahlen den Lehrern an den unterschiedlichen Schulformen dasselbe Gehalt. Bei uns in Sachsen-Anhalt werden Grundschullehrer nach der Besoldungsgruppe A 12 bezahlt. Die schlechtere Bezahlung macht sich auch direkt bei der Besetzung neuer Stellen bemerkbar.“

Das, was die Landesregierung tue, um den Lehrermangel zu bekämpfen, ist in den Augen des Gewerkschafters zu wenig. „Einfach nur neue Stellen auszuschreiben, reicht nicht aus.“ So wurden nach Angaben von Oeberst im vergangenen Jahr nur 300 von 690 Stellen neu besetzt.

Die Landesregierung begegne dem Mangel teilweise auf kosmetische Art und Weise. „In vielen Bereichen wurde die Pflichtstundenzahl reduziert. Das führt dazu, dass aus Mängeln dann teilweise Soll-Zahlen werden.“ Die Prüfungsanforderungen würden aber trotz geringerer Stundenzahl dieselben bleiben. VON TOBIAS HENKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare