Bundesweites Problem / Bestandteile wertvoller als Gold

Stendal: Diebe auf der Jagd nach Pkw-Katalysatoren

TÜV-Prüfingenieur Steven Neumann steht unter einem Pkw und zeigt auf den verbauten Katalysator.
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TÜV-Prüfingenieur Steven Neumann zeigt, wie leicht zugänglich ein Katalysator gerade bei älteren Pkw-Modellen sein kann.
  • Stefan Hartmann
    VonStefan Hartmann
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Immer wieder muss sich die Polizei mit dem Diebstahl von Pkw-Katalysatoren befassen. Ein Dutzend ist in den vergangenen Wochen im Landkreis gestohlen worden. Die Diebe haben es wohl auf die darin enthaltenen Rohstoffe abgesehen. 

Stendal – Immer wieder werden im Landkreis Stendal Fälle von Autos bekannt, bei denen die Katalysatoren abmontiert wurden. Zwölf derartige Fälle in wenigen Wochen habe es gegeben, erklärt Polizeihauptkommissar Dirk Marscheider auf AZ-Nachfrage am Mittwochmittag. Diese scheinen sich bislang auf einen Tatzeitraum um den 22. bis 24. September einzupendeln. Dabei steht die Region nicht allein da. Es ist ein bundesweites Phänomen, weshalb auch der Zentrale Kriminaldienst ermittelt, sagt Marscheider.

Dass noch mehr Fälle im Landkreis bekannt werden, könne jedoch nicht ausgeschlossen werden. In den meisten Fällen sei es so gewesen, dass die Fahrzeuge eine längere Zeit abgestellt waren und erst später wieder bewegt wurden. Dass nun nach längerer Standzeit weitere Delikte bekannt werden sei möglich. Dass weitere Fahrzeuge angegriffen werden, könne jedoch ebenso nicht ausgeschlossen werden.

Der Grund für die Diebstähle liegt auf der Hand. Als Ersatzteile landen die Katalysatoren eher nicht auf dem Schwarzmarkt. Die Täter seien vermutlich eher hinter den in ihnen enthaltenen Edelmetallen her. Überwiegend bestehen die Bauteile zwar aus Keramik und Edelstahl oder Metallblech, aber sie enthalten auch Palladium, Platin und Rhodium, erklärt TÜV-Prüfingenieur Steven Neumann auf AZ-Anfrage. Davon seien zwar nur wenige Gramm enthalten, aber bei den derzeitigen Preisen komme doch eine große Menge Geld zusammen. Die Bestandteile sind buchstäblich wertvoller als Gold. In den vergangenen Monaten ist der Preis für Rhodium zwar von einem Höchststand von gut 770 Euro pro Gramm wieder auf rund 380 Euro gesunken, aber im Vergleich mit Gold, bei dem das Gramm derzeit mit rund 50 Euro gehandelt wird, ist ein gutes Schwarzmarktgeschäft zu machen.

Betroffen sind derzeit überwiegend Fahrzeuge älteren Baujahres. Das überrascht Neumann nicht. In neueren Modellen sind die Katalysatoren oft schwieriger zu erreichen, weil mehr Schall- und Wärmedämmschutz angebracht ist. Sorgen um ihren Katalysator müssen sich Besitzer von Neuwagen deshalb vermutlich weniger machen. Ihre Sorge sollte anderen Bauteilen gelten. Bei modernsten Fahrzeugen seien die Scheinwerfer derzeit beliebt, erklärt Neumann. Diese können problemlos mehrere Tausend Euro teuer sein. Das klassische Klischee von den gestohlenen Felgen sei selten geworden. Beliebter seien derzeit die Hightech-Bauteile oder solche, die sich wegen der in ihnen enthaltenen Ressourcen ausschlachten lassen.

Während Neumann für gewöhnlich seine Hebebühne benutzt, um Katalysatoren anzuschauen, geht er davon aus, dass die Diebe mit einfacheren und tragbaren Möglichkeiten arbeiten. „Wagenheber oder Hebekissen sind schnell aufgebaut“, gibt er als Beispiel. Die Verbindungsrohre unter dem Fahrzeugboden lassen sich dann relativ simpel mit einem großen Bolzenschneider auftrennen. Innerhalb weniger Minuten könnte so ein Diebstahl vonstattengehen.

Das deckt sich auch mit den Erkenntnissen der Polizei. Deren erste Intuition sei es gewesen, dass mit einer Flex gearbeitet wurde. Aber das könne aus mehreren Gründen nicht sein, stellt Marscheider fest. Die Rohre sähen nicht abgeflext sondern zusammengekniffen aus. Denkbar sei es, dass eine, möglicherweise akkubetriebene, Hydraulikzange verwendet wurde, ähnlich wie sie Feuerwehren im größeren Format auch verwenden. Andererseits spricht auch die Lautstärke gegen den Einsatz von Flexgeräten. Die Diebstähle scheinen weitgehend unbemerkt geblieben zu sein, bis jemand sein Fahrzeug bewegt hat. „Wenn der Katalysator fehlt, hört man das“, stellt Neumann dazu bestimmt fest. Da die Bauteile zwischen Motor und dem Rest der Auspuffanlage angebracht sind, ist der Motor nach einem Diebstahl ohne Schalldämpfer zu hören.

Polizeihauptkommissar Marscheider rät, für den Fall, dass weitere Diebstähle auftreten, den eigenen Pkw öfter zu bewegen und an gut beleuchteten und frequentierten Orten abzustellen. Einer der Diebstahlschwerpunkte der Hansestadt liegt in den kleineren Straßen und Häuserschluchten im Stadtseegebiet.

Sollten Zeugen in den vergangenen Wochen, insbesondere um den 22. bis 24. September, Ungewöhnliches beobachtet haben, nimmt die Polizei Hinweise unter Tel. (03931) 685 0 oder in jeder Dienststelle entgegen. „Wir hoffen natürlich auch, dass die Schrottverwerter helle werden, wenn jemand mit Katalysatoren ankommt“, fügt Marscheider hinzu. Allerdings könnte bei der noch relativ überschaubaren Fallzahl im Landkreis so etwas übersehen werden.

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