Corona-Inzidenz spaltet die Kirchenräte

Stendal: Ostergottesdienste auf Kippe

Ein Gottesdienst im Stendaler Dom. Die Menschen sitzen einzeln und weit auseinander.
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Einige Ortschaften haben ihre Ostergottesdienste abgesagt, obwohl sie eigentlich stattfinden dürften. Die Termine im Stendaler Dom St. Nikolaus stehen noch.
  • Lisa Maria Krause
    vonLisa Maria Krause
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 „Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient auch zu Guten!“ Mit dieser biblischen Weisheit will Michael Kleemann, Superintendent im Evangelischen Kirchenkreis Stendal, die komplizierte Lage der Kirchen mit Blick auf das Osterwochenende verdeutlichen.

Stendal/Garlipp - An sich sind Gottesdienste erlaubt. Ob sie bei einer sich der 200 nähernden Corona-Inzidenz auch stattfinden sollten, steht zur Debatte. Einige Ortschaften im Landkreis sagten ihre Veranstaltungen ab.

„Wir leben in aufregenden und aufgeregten Zeiten“, erklärt Kleemann in einem Schreiben an die AZ. Dass nun schon das zweite Osterfest unter Pandemie-Bedingungen stattfindet, damit habe wohl kaum jemand gerechnet. „In vielen Gemeindekirchenräten gehen die Meinungen gerade sehr auseinander: die einen haben große Sorge, dass das analoge Feiern von Gottesdiensten die Ansteckungen provozieren könnte. Die anderen verweisen mit Recht auf die positiven Erfahrungen der Weihnachtsgottesdienste und die jeweils eigenen Hygienekonzepte. Und beide Positionen sind vom Grundsatz her berechtigt“, berichtet er.

Eine eigene Positionierung gesteht sich Kleemann nicht zu. „Ich möchte die Kirchengemeinden dazu ermutigen, die für sich und ihre Gemeindesituation im Augenblick stimmige Entscheidung zu treffen.“ Beide Varianten, sowohl eine analoge Veranstaltung unter den gewohnten AHA-Regeln, als auch alternative Gottesdienste wie digitale Formate oder Andachten für den Briefkasten, fänden Unterstützung. „All das braucht unseren Respekt und wird nach guter demokratischer Marnier entschieden.“

„Wir wollen Begegnungsmöglichkeiten vermeiden und die Zahlen nicht noch höher steigen lassen“, erklärte Michael Schuft auf AZ-Anfrage. Er ist einer der Pfarrer, die am Wochenende nur einem Teil ihrer Gemeinden persönlich frohe Ostern wünschen werden. Die Gemeindekirchenräte sagten in seinem Pfarrbereich Garlipp-Poritz einige Gottesdienste ab.

Natürlich könnten sie auf die Veranstaltungen bestehen, aber auch genauso gut darauf verzichten. „Ich stehe zu der Entscheidung der Räte. Es nützt nichts, wenn wir darauf bestehen, das auf Biegen und Brechen durchzuziehen.“ Die Kirchenräte hätten regen Kontakt zu vielen seiner etwa 650 Gemeindemitglieder und entschlossen sich zu dem Schulterschluss.

Statt den Gottesdiensten gibt es in diesen Ortschaften Andachtsformulare, die von den Gemeindevorständen in die Briefkästen geworfen werden. „So können unsere Mitglieder zuhause für sich feiern. Wer auch eine WhatsApp-Gruppe hat, kann darüber Lieder abspielen und zum Beispiel zum Glockenläuten die Andacht lesen.“ Warum es in Garlipp-Poritz keinen Livestream geben wird? „Ich stehe nicht gern vor der Kamera“, gibt Schuft zu.

Kleemann kündigte für Ostersonntag, 4. April, eine digitale Veranstaltung an: „Im offenen Kanal und bei Youtube wird es ab 10 Uhr einen Ostergottesdienst aus unserer Region zum Mitfeiern geben – inniger Weise aus Osterburg.“ Neben dem Pfarrbereich Garlipp-Poritz hatten auch Gemeinden aus Osterburg und Stendal angesichts einer steigenden Corona-Inzidenz von aktuell 194 im Landkreis bereits Gottesdienste zum Karfreitag abgesagt.

Anfang vergangene Woche hatten die Länder mit dem Bund neben einer Osterruhe auch eine Bitte an die Kirchen vereinbart, die Gottesdienste zur Auferstehung Christi digital abzuhalten. Die Religionsgemeinschaften protestierten und pochten auf ihr gesetzlich verankertes Recht, ihren Glauben frei ausüben zu dürfen. Der Bund zog mit der Osterruhe, die so schnell nicht umsetzbar war, auch die Bitte zurück.

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