Versteckter Hotspot möglich / 2500 Tests seit der Vorweihnachtswoche

Stendal: Container-Team stemmt Ansturm

Der Andrang am Testcontainer an der Lübecker Straße hat wieder nachgelassen. Besonders um die Weihnachtsfeiertage hatte das Team von Dr. Hauke Walter jedoch viel zu tun.
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Der Andrang am Testcontainer an der Lübecker Straße hat wieder nachgelassen. Besonders um die Weihnachtsfeiertage hatte das Team von Dr. Hauke Walter jedoch viel zu tun.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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„Ich will nur noch heim“, erklärt Dr. Hauke Walter nach einem langen Arbeitstag im Labor und schafft es trotzdem, sich ein Lächeln abzuringen. Er löse gerne Probleme, besonders, wenn sie spontan zur Tür hereinkommen.

Stendal – Anfang Dezember eröffnete er einen Corona-Testcontainer in der Hansestadt. Auch wenn die Testzahlen – vorerst – ihren Zenit erreicht und überschritten, zu haben scheinen, gibt es weiterhin viel zu tun. Das belastet auch die Mitarbeiter: Zwei hätten wegen der hohen Arbeitslast bereits Kreislaufprobleme gehabt.

Am Dienstag mussten sicherlich 100 Tests gemacht werden, berichtet der Labormediziner. Insgesamt haben rund 2500 Menschen das Angebot seines Containers an der Lübecker Straße seit Beginn der Vorweihnachtswoche genutzt. Im Schnitt seien es um die 250 täglich gewesen. Dabei gab es Schwierigkeiten, die zu beheben waren. Der starke Andrang habe an manchen Tagen dazu geführt, dass die Interessierten von dem Container am ehemaligen Kaiser’s Markt vorbei bis zur Hanseallee gestanden hätten.

„Da sind wir dann raus gegangen und haben schon in der Schlange die Daten abgefragt“, berichtet Walter. Deshalb sei eine Online-Anmeldung besser, um Stoßzeiten zu vermeiden. Dieses habe jedoch zunächst keine Termine für die erste Januarwoche vergeben wollen – was natürlich quatsch sei, wie Hauke feststellt. Das konnte mittlerweile behoben und so Testmöglichkeiten angeboten werden. Ein weiteres Problem ist, dass bisher eine Voranmeldung und Bezahlung nur mit Kreditkarte möglich ist. Vor Ort kann der nötige Betrag in Bar bezahlt werden. Das solle sich ebenfalls noch ändern. „Nicht jeder hat eine Kreditkarte“, sagt Walter. Deshalb sollen zügig weitere Bezahlarten, wie zum Beispiel über Paypal hinzugefügt werden.

Nicht gelitten habe die Testgeschwindigkeit, Ergebnisse liegen weiterhin nach rund 24 Stunden vor, und die dafür anfallenden Kosten. Wer seine Ergebnisse benötige, könne sie einfach per Telefon abfragen, erklärt Walter. Bis die schriftliche Form vorliege, könne es jedoch unter Umständen zwei Tage dauern. Zwischenzeitlich habe das Labor sogar erwogen, die Kosten zu senken – daraus werde jedoch zunächst nichts. Eine Steigerung sei aktuell ebenfalls nicht vorgesehen. Der Mediziner hatte bereits Anfang Dezember erklärt, dass bei einer zu hohen Inzidenz Tests nicht mehr so effektiv in Gruppen gemacht werden können, was für höhere Kosten sorgt. Da jedoch auch mehr Tests gemacht würden, könnten in größerer Stückzahl Reagenzien bestellt werden, was wieder den Preis senke. Aktuell gleiche sich das noch aus.

Wieso es in relativ kurzer Zeit zu einem so starken Anstieg der Fallzahlen kommen konnte, kann der Mediziner nur vermuten. Wahrscheinlich gebe es irgendwo einen Hotspot, der bisher unentdeckt geblieben sei. „Um den zu finden müsste man flächenmäßig testen“, erklärt Walter. Das sei jedoch Aufgabe des Landkreises der, verständlicherweise wie er betont, aktuell ohnehin schon von der großen Fallzahl überlastet sei.

Ob der Grund in einer mutierten Version des Virus liegen könnte, wie sie vor einiger Zeit in Großbritannien Schlagzeilen machte, werde mit dem Test seines Labors nicht erfasst. „RNA-Viren sind immer variabel“, erläutert der Mediziner außerdem. Genau genommen handele es sich beim Corona-Virus also um eine Familie von Viren mit einer gewissen Variabilität, die jedoch effektiv keinen Unterschied mache. Manchmal käme es dabei jedoch vor, dass sich eine Unterart entwickelt, die infektiöser ist. Das könne es ihr dann ermöglichen, sich regional oder auch global stärker auszubreiten. Das sei auch bei Grippeviren bekannt. So eine Entwicklung müsste, aus epidemiologischer Sicht, jedoch nicht immer etwas Schlechtes sein. Besonders aktive Erreger wie beispielsweise bei Ebola limitieren sich in ihrer Verbreitung selbst, da infizierte sehr schnell eindeutige Symptome zeigen.

Wie die Arbeitsbelastung für sein Team in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten aussehen werde, müsse sich zeigen. Zwar glaube Walter persönlich nicht an ein schnelles Ende des Lockdowns, aber sollte es dazu kommen, könnten Arbeitgeber sich selbst absichern wollen und ihre Mitarbeiter testen lassen. Das würde auch zu mehr Arbeit für den Container an der Lübecker Straße führen.

Die Anmeldung und Terminvergabe ist unter www.coronafreepass.de möglich.

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