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Stendal: Bunker unterm Hospiz

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Von: Stefan Hartmann

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Eine ehemaliger Bunker im Stendaler Hospitz. Heute ist er ein Lagerraum.
Im Keller des Hospizes an der Wendstraße liegt ein ehemaliger Schutzraum versteckt. Heute wird er nur noch als Abstellraum genutzt. © Hartmann, Stefan

Lange suchte Deutschland nach seinen Bunkern. Einer davon liegt etwas versteckt an einem etwas unerwarteten Ort: Im Keller des Stendaler Hospizes. In Betrieb ist er nicht mehr. Der Bunker hat einen anderen Zweck gefunden.

Stendal – Vor wenigen Wochen befand sich ganz Deutschland – aufgescheucht vom Angriffskrieg in Europa – auf der Suche nach Luftschutzbunkern. Wo in Stendal einer, zumindest theoretisch, zu finden ist, weiß Pfarrer Ulrich Paulsen ganz genau: Im Keller des Hospizes an der Wendstraße.

Praktisch wird der Bunker heute anders benutzt. Die Mitarbeiter des Hospizes verwenden ihn als Lagerraum, was auch pragmatische Gründe hat. Aktion sollen in dem Raum besonders gut aufbewahrt werden können, heißt es im AZ-Gespräch. Der Raum sei besonders trocken.

Das Haus, das heute gegenüber vom Stendaler Krankenhaus liegt und das Evangelische Hospiz Stendal beherbergt, stammt aus den 30er-Jahren. Gebaut wurde es ursprünglich aus Offiziershaus für den Flugplatz in Borstel, erklärt Paulsen auf AZ-Nachfrage. Offenbar als Vorbereitung auf eine mögliche Bombardierung der Häuser an der Wendstraße, wurden einige davon mit Bunkern in ihren Kellern angelegt. Unterlagen darüber, ob es noch weitere solche Anlagen im Stadtgebiet gibt, finden sich jedoch weder im Stadtarchiv noch bei der Bauaufsicht, antwortet Stadtsprecherin Susanne Hellmuth auf AZ-Nachfrage.

Welche Schutzwirkung – außer für Akten – der Bunker heute noch hat, muss vermutlich unbeantwortet bleiben. Einige Hinweise lassen sich trotz verblassender Spuren jedoch noch heute finden. An der Tür befindet sich ein Siegel im Gusseisen, das auf die Herstellerfirma beziehungsweise das entsprechende Werk Steinau-Neheim-Ruhr hinweist. Eine Firma Steinau in Neheim, einem Ortsteil der Nordrhein-Westfälischen Stadt Arnsberg, durch das die Ruhr fließt, gibt es auch heute noch. Diese hat sich nach Unternehmensinformationen jedoch erst 1981 als Bauelemente-Partner etabliert. Aufzeichnungen über eine mögliche Tätigkeit während der 30er- oder 40er-Jahre, gebe es nicht, heißt es auf AZ-Nachfrage.

Die historische Firma Steinau stellte unter anderem Türen, Tore, Fenster, Zargen, aber auch Gasschutzraumtüren und Fensterblenden her, wie einem Produktkatalog von 1940 zu entnehmen ist. „Steinau Stahlgasschutzraumtüren sind behördlich geprüft, sie entsprechen den bekannten zusätzlichen Anforderungen und bieten einwandfreien Schutz gegen Vergasung der damit verschlossenen Aufenthaltsräume“, werden die Vorzüge des Produktes angepriesen. Auf die behördliche Prüfung des Produktes verweist auch die Kennnummer, die unmittelbar unterhalb des Werk-Siegels angebracht ist. RL3-38/124 wurde von der Reichsanstalt für Luftschutz von 1936 bis 1944 für eine Schutzraumtür vergeben. Sie wird der Fachgruppe 3 Bauwesen / Tarnung / Verdunkelung zugeordnet, ist einwandig, gassicher und aus Baustoffplatte gefertigt.

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