Mythen, Brauchtum und Weihnachten

Stendal: Buchsbaum birgt immergrünen Kult

Hiltrud Henning hält einen Buchsbaum samt Mütze und Schal in Händen.
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Immergrüner Kerl mit Mütze: Einen der Buchsbäumchen im Topf hat Hiltrud Henning für die Winterzeit gerüstet. Mancher sieht vielleicht auch einen Weihnachtsmann.
  • Marco Hertzfeld
    VonMarco Hertzfeld
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Der Buchsbaum birgt immergrünen Kult. Kurz vor Weihnachten schaut Hiltrud Henning, Stendaler Mitglieder in der Deutschen Buchbaumgesellschaft, auf Mythen und Brauchtum.

Volgfelde – „In manchen Gegenden Deutschlands wurden dem Buchsbaum seherische Eigenschaften zugesprochen“, weiß Hiltrud Henning. Weihnachten und Silvester pflückten die Menschen demnach frische Buchsblätter, in jedes Blatt wurde der Name eines Familienmitglieds eingeritzt. Dann kamen alle Blätter über Nacht in eine Schüssel. „War das Blatt einer Person am nächsten Tag noch grün, sollte der Betreffende im kommenden Jahr gesund bleiben.“ Hatte es Flecken oder war gar schwarz, nun ja, dann sah es eher düster aus. Inwieweit der Brauch auch in der eigenen Region verbreitet war und vielleicht noch ist, das Vorstandsmitglied der Deutschen Buchsbaumgesellschaft (DBG) mit Sitz in Iden verrät es nicht. Die Volgfelderin widmet sich jedenfalls auch in kalter Jahreszeit der Pflanze.

Arrangements wie dieses sind für das DBG-Mitglied im eigenen Garten ein echter Hingucker.

Der Buchsbaum bringt ein eher schwieriges Jahr hinter sich. Nicht zuletzt die Raupe des Zünslers und ein Pilz namens Cylindrocladium buxicola setzten Beständen in der Altmark und darüber hinaus zu. Aufgeben will Henning die immergrüne Pflanze natürlich nicht, zumal diese längst fest mit der Region verwachsen sei. „In den Wintermonaten ruht die Natur und damit auch unser Buchs. Dennoch spürt man die Vitalität der Buchspflanze, wenn man mit der Hand über das zarte kühle Grün streicht.“ Auch mit Schnee oder Raureif überzogen, präsentiere sich Buchs als Blickfang. „Das lebendige Grün einer Buchsbaumanlage hat in der dunklen Jahreszeit etwas Tröstendes.“ Und kleine Dekorationsartikel könnten allem gerade zu Weihnachten noch einmal zusätzlichen Schwung geben.

Blätter avancieren zum Jahresorakel

„Buchs ist aufgrund seiner langen Geschichte geheimnisumwoben und umgeben von einer Vielzahl an Bräuchen und Traditionen.“ Die DBG-Vorstandsfrau beschäftigt sich regelmäßig auch mit diesen Aspekten und hat nun noch einmal extra Fachliteratur studiert. „Die dauerhaft grünen Blätter spielten schon in vorchristlicher Zeit eine große Rolle bei religiösen und weltlichen Festen.“ Zur Wintersonnenwende sollten demnach ins Haus geholte Immergrüne mit ihrer Lebenskraft das Böse bannen und für Haus und Hof den Segen der Götter erbitten. Als kultisches Kraut diente er vorwiegend in Europa als Hochzeitsgirlande, Haustürschmuck, Adventskranz, ja sogar als Weihnachtsbaum. In der Pfalz wurde Buchs speziell im Topf gezogen und zu Weihnachten ins Haus geholt.

Weihnachtsbaum der anderen Art

In der griechischen Antike war Buchs der Göttin Kybele gewidmet, sie war das Symbol für Fruchtbarkeit und stand für die Kraft in Erde und Getreidekorn. „Römer und Griechen glaubten an die fromme Wirkung von Buchs: Göttin Venus zerstörte die Manneskraft, wenn bei Kulthandlungen anstelle von Lorbeer und Myrte grüne Buchsbaumzweige verwendet wurden.“ Galliern und Germanen war Buchs eine heilige Pflanze und galt als Sinnbild der Ewigkeit. Knotenornamente in orientalischen Gärten sollten Dämonen und Unheil abwenden und das Haus schützen. Geschlossene, verschlungene Buchsbaumknoten standen im späten Mittelalter für die immerwährende, unauflösliche Liebe. Henning ist Feuer und Flamme und pflegt daheim selbst sehenswerten Buchs. Immer wieder einmal berichtet die AZ über den Einsatz der Buchsfreundin.

Manneskraft geht mit Zweigen flöten

Pflege in den Wintermonaten brauche der Buchs sehr wenig. „Kein Schnitt, kein Düngen, kein Wässern, keine Krankheiten – selbst der Zünsler schläft.“ Dennoch gibt es der Altmärkerin zufolge einiges zu beachten. Herbstlaub und herabgefallene Äste sollten entfernt werden. Frisch gesetzter Buchs muss im ersten Winter vor Beginn der Frostphase gewässert werden und danach moderat an frostfreien Tagen. Auch bei älteren Pflanzen sollte der Boden an sonnigen Tagen in regenarmen Wintern nie ganz austrocknen. Buchs im Kübel sollte, bevor die Erde durchfriert, einmal gründlich gewässert werden. Doch bitte: „Buchs ist keine Sumpfpflanze.“ Der Boden unter der Pflanze muss nicht spiegelblank abgeharkt sein, eine dünne Decke Laub verhindert naturgemäß Frosttrockenheit.

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