SWG-Geschäftsführer Daniel Jircik erläutert den aktuellen Wohnungsmarkt

Stendal als „Bilbao“-Stadt

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Seit der Wende 1989 hat sich der Stendaler Wohnungsmarkt wieder gefangen und weist lediglich einen Leerstand von knapp acht Prozent auf. Zum Vergleich: In ganz Sachsen-Anhalt stehen rund 16 Prozent aller Wohnungen leer.

Stendal. „Der Stendaler Wohnungsmarkt ist ständig in Bewegung“, erklärt Daniel Jircik, Geschäftsführer der Stendaler Wohnungsbaugesellschaft (SWG), am Mittwoch bei einem Gespräch mit der AZ.

Daniel Jircik

„Als ich vor 10 Jahren aus Dresden hierher gekommen bin, gab es extrem viele Baulücken“. Von denen sei heute kaum noch eine vorhanden, „vor allem in der Altstadt“, fügt Jircik hinzu. Auf der anderen Seite jedoch gebe es ein Überangebot an Wohnungen im Niedrigpreissegment, also Plattenbauten oder Wohnungen am Stadtrand, die nur sehr bedingt Anklang finden.

Nach der Wende im Jahr 1989 verließen vor allem junge Menschen die Stadt. „Ein Verlust, den wir auch in Zukunft nicht kompensieren können“, meint Jircik.

„Die Menschen setzen heute andere Prioritäten als noch vor 20 Jahren“. So wollten ehemalige DDR-Bürger erst einmal die Welt bereisen, bevor sie sesshaft wurden oder ihr Geld in ein schickes Auto investieren. Heute, so Jircik, lege man großen Wert auf hochwertiges Wohnen. Größere Küchen und Bäder, Badewannen und Balkone steigern das Lebensgefühl der Menschen, so der Geschäftsführer. „Dafür nehmen die meisten auch gerne etwas mehr Geld in die Hand“.

Auf dieses „Lebensgefühl“ baut die SWG derzeit. „Wir wollen nicht einfach Wohnungen vermieten. Wir schauen, dass die Objekte zum Lebensstil des potenziellen Mieters passt, er soll sich rundum wohlfühlen“. Ein wenig Geschäftssinn ist natürlich auch dabei, denn der Mieter soll bleiben.

Der Trend der Deutschen geht in Großstädte wie München, Köln oder Berlin. Doch es gibt auch weitaus kleinere Städte, die sich wachsener Beliebtheit erfreuen. „Schwarmstädte“ nennt Jircik diese, also dort, wo Menschen-Schwärme hinwollen. Weimar sei da so ein Phänomen oder Bilbao in Spanien, das durch den Bau des Guggenheim-Museums zum absoluten Besucher-Magneten wurde – der sogenannte „Bilbao-Effekt“. Auch Stendal entwickle sich langsam zu einem „Bilbao“-Städtchen, wie Jircik findet. „Wir haben das wunderbare Theater der Altmark, die Hochschule, die Altmark-Oase und sind ICE-Standort. Berlin ist in weniger als 45 Minuten zu erreichen. Zu bieten haben wir also einiges“. Zwar zögen 25-Jährige nach wie vor lieber in die Großstadt, für die 35- bis 40-Jährigen sei Stendal aber der ideale Standort um sesshaft zu werden. „Hier braucht es immerhin keine Waffenkontrolle vor der Schule“, schmunzelt Jircik.

Mit rund 4 400 eigenen Wohnungen ist die Stendaler Wohnungsbaugesellschaft der größte Vermieter der Altmark. Sie vermietet, verwaltet und verkauft Wohnungen, Gewerbeimmobilien und Grundstücke.

Von Charlotta Spöring

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