„Eigentlich ist es wurscht“ / Lieber Impftempo erhöhen

Ausgangssperre lässt Stendaler kalt

Mehrere Bürger sind in der Stendaler Fußgängerzone unterwegs.
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So lange die Ausgangssperre nicht gilt, sind in der Fußgängerzone viele Bürger unterwegs. Der größte Teil der Befragten findet die Maßnahme unsinnig.
  • Stefan Hartmann
    vonStefan Hartmann
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Die geltende Ausgangssperre ist, auch wenn sie sich mit Kritik nicht zurückhalten, für die Stendaler keine große Einschränkung. Ob die Maßnahme überhaupt sinnvoll ist, bewerten sie unterschiedlich.

Stendal – Zur aktuell geltenden Ausgangssperre haben viele Bürger eine Meinung. Sonderlich positiv sieht die in den meisten Fällen nicht aus – komplett abgelehnt wird sie jedoch ebenfalls nicht:

„Eigentlich ist es wurscht für mich“, urteilt Dirk Reinecke. In der Zeit, in der die Ausgangssperre gilt, gehe er ohnehin selten vor die Tür. Relevanter sei es für Menschen, die mit ihrem Hund Gassi gehen müssen – aber für diese gelten Ausnahmeregelungen. Wirklich Sinn ergebe die Ausgangssperre allerdings nicht. „Wo sind denn die Infektionsherde? Vermutlich nicht bei zwei Leuten, die abends auf der Straße rumlaufen“, findet Reinecke. Es solle lieber mehr geimpft werden, als eine Ausgangssperre zu beschließen, pflichtet ihm auch Arbeitskollege Siegfried Bechthold bei.

In eine ähnliche Stoßrichtung argumentiert auch eine pensionierte Stendaler Lehrerin: „In Großstädten sieht das vermutlich anders aus“, schätzt sie. „Aber wer geht denn hier nach 21 Uhr noch raus?“. Echte Auswirkungen habe diese sowieso kaum, da die Kultureinrichtungen geschlossen sind. „Ich würde gerne mal wieder ins Kino gehen“, erklärt sie. Da das jedoch nicht zur Debatte stehe, sei auch eine Ausgangssperre zu verkraften.

So spät in der Pandemie eine Ausgangssperre zu beschließen sei Quatsch, findet Winfried Rettig. Der erste Lockdown habe gezeigt, wie schnell die Zahlen runtergehen, wenn er konsequent durchgezogen wird. Große Demonstrationen und Hochzeiten mit Hunderten von Gästen hätten dann zu Problemen geführt. „Wenn eine Maßnahme beschlossen ist, muss man sie auch durchsetzen“, sagt Rettig. Da hätte er sich von der Politik stärkeres Engagement gewünscht.

Ähnlicher Ansicht ist auch Ewald Krause: Die Ausgangssperre geht am eigentlichen Problem vorbei. Während des vergangenen Sommers, als die Gastronomie auf hatte, habe er auch mit Freunden in der Stammkneipe sitzen können, bis diese schließt. Auch ohne Ausgangssperre könne er sich nicht an einen einzigen Fall erinnern, bei dem dies zu einer Ansteckung geführt hätte. Die Wirte hätten sich „top vorbereitet“, bewertet er deren Bemühungen, coronakonforme Öffnungen zu ermöglichen.

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