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Stendal: Auflage bringt Christopher Street Day in Gefahr

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Von: Stefan Hartmann

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Schirmherr und Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) und Sandrina Waschke vom Orgateam des Christopher Street Day in Stendal hissen gemeinsam vor dem Stendaler Rathaus die Regenbogenflagge.
Schirmherr und Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) und Sandrina Waschke vom Orgateam des Christopher Street Day in Stendal hissen gemeinsam vor dem Stendaler Rathaus die Regenbogenflagge. © Hartmann, Stefan

Der Christopher Street Day in Stendal soll in die zweite Runde gehen. Geplant ist das schon lange. Nun haben die Organisatoren kurzfristig eine neue Auflage erhalten, die das Projekt zum Schwanken bringt: Für die Veranstaltung auf dem Marktplatz der Rolandstadt müssten alle Zufahrten gesperrt werden. 

Stendal – Bis vor Kurzem war noch alles in Lot, dann plötzlich die Überraschung: Für den am Sonnabend, 1. Oktober, geplanten Christopher Street Day in Stendal haben sich unerwartete Hürden aufgetan. Im schlimmsten Fall müsse sogar mit einer kurzfristigen Absage gerechnet werden.

Diese Hürden kommen ausgerechnet aus dem Stendaler Rathaus, obwohl Oberbürgermeister Bastian Sieler (parteilos) im laufenden Jahr Schirmherr der Veranstaltung ist. Das städtische Ordnungsamt fordert, dass für die Veranstaltung auf dem Stendaler Marktplatz alle Zufahrten zu diesem gesperrt werden müssen, erklärt Falco Jentsch aus dem Orga-Team. Das sei nicht nur eine unerwartete Hürde, auch aus Kostensicht, sondern widerspreche auch dem Ziel der Veranstaltung.

„Wir wollen Sichtbarkeit schaffen“, sagt Jentsch. Deshalb laufe eine im schlimmsten Fall eingezäunte Veranstaltung dem genau zuwider. Denn das sei die Alternative gewesen, die den Organisatoren vorgeschlagen wurde. Anstatt 500 Personen für die Demonstration anzumelden und die Zufahrten zum Marktplatz zu sperren, könnten auch nur 300 angemeldet werden. Dann müsse aber statt der Straßen der Platz an sich umzäunt werden. Günstiger werde die Sache damit jedoch sicherlich nicht. „Wir rechnen mit gut 1000 Euro für die Aufstellung und Miete der Schilder“, erklärt der CSD-Organisator. Das sei nicht eben aus der Portokasse zu stemmen. Besonders ärgerlich sei es, dass die Veranstaltung bereits im April angemeldet worden sei. Aber erst in der vergangenen Woche hätte das Team von der Auflage erfahren. Dazu kam noch eine besondere Problemstellung hinzu. Zunächst hatte das Orgateam angenommen, der städtische Bauhof könne bei der Beschilderung helfen. Das sei jedoch nicht möglich, habe es vom Ordnungsamt geheißen. Es müsse eine private Firma engagiert werden.

„Ich nehme an, dass das alles nach offiziellen Richtlinien passiert“, erklärt Sieler kurz nachdem er mit Sandrina Waschke aus dem Orgateam vor dem Rathaus die Regenbogenflagge gehisst hat. Von dem Problem habe er selbst jedoch erst, als Jentsch ihm sein Leid und seine Sorge geklagt hatte erfahren. Für Jentsch gibt es zwei Möglichkeiten, wie das Problem behoben werden kann. Entweder könne die Stadt bei den Kosten einspringen. Das müsse aber schnell passieren, denn laut Auflagen müssten die Sperrbaken und Schilder bereits 72 Stunden vorher für die Sperrung bereitstehen. Die Beauftragung müsste also spätestens am morgigen Mittwoch, 28. September, erfolgen. Alternativ – und für Jentsch die schönere Lösung – könnte auf die Auflage verzichtet werden. Dann könne die Veranstaltung so offen und ungezwungen funktionieren, wie sie auch angedacht war. Sieler kündigte noch vor Ort an, sich mit dem recht plötzlich aufgetauchten Problem zu befassen. Ob und welche Lösung möglich sei, konnte er vor Ort nicht sagen.

Für die veränderten Auflagen im Vergleich zum Vorjahr gebe es einen einfachen Grund, erklärt die Stadtverwaltung später schriftlich auf AZ-Nachfrage. 2021 habe es keine Veranstaltung nach der Demonstration gegeben. Bei 500 erwarteten Personen bestehe eine Gefährdungslage durch den Autoverkehr, weshalb die Straßensperrungen rund um das Fest verfügt worden seien. Die Kosten leiteten sich aus den Absperrmaßnahmen, die Dritte erbringen, ab. Wieso der Veranstalter erst so kurzfristig von der Notwendigkeit erfuhr, blieb unbeantwortet.

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