Ex-Parteimitglied sieht in Umweltverein nichts Falsches

Stendal: AfD auf der grünen Wiese

Kartons bei einer Stimmzettelauszählung im Norden der Republik. In einer Demokratie wird regelmäßig gewählt. Das politische Spektrum hat sich verändert.
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Kartons bei einer Stimmzettelauszählung im Norden der Republik. In einer Demokratie wird regelmäßig gewählt. Das politische Spektrum hat sich verändert.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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„Wir empören uns, wenn die AfD Klimaschutz in den Hintergrund stellen will, aber empören uns ebenso, wenn sich ein oder zwei AfD-Mitglieder in einem Umweltverein engagieren.“ Daniel Gast sieht in „Natürlich-Altmark“ keinen umstrittenen Verein.

Stendal – „Nachdem durch Presse, Politik und Bewegungen wie Fridays for Future 2019 so große Anstrengungen unternommen wurden, das Thema Klima- und Umweltschutz in den Vordergrund zu rücken, sollte das doch eine zu begrüßende Sache sein“, ist der Stendaler in seinem Schreiben überzeugt. Nein, selbst engagiert in diesem Verein sei er nicht, teilt der 31-Jährige auf Nachfrage der AZ mit. Mitglied der AfD war Gast vor Jahren.

Ein Gründungsmitglied des Vereins hatte Mitte Dezember für dessen Arbeit geworben, im Stadtrat nach kommunalen Flächen für Anpflanzungen, einer möglichen Patenschaft und Geräten zur Obstbaumpflege gefragt. Darüber hatte die AZ in Text und Bild berichtet. „Weshalb die Altmark-Zeitung die Antwort auf einen Kommentar zitiert statt den öffentlich einsehbaren Vereinszweck gemäß Satzung, ist für mich nicht nachvollziehbar.“ Postings auf der Facebookseite des Vereins seien ausschließlich „dem unpolitischen Vereinszweck“ zuzuordnen. Überhaupt sieht Gast Natürlich-Altmark, im Sommer 2020 aus der Taufe gehoben, unangemessen dargestellt. Von dieser Zeitung und politischen Kritikern sowieso.

Zu den sieben Gründungsmitgliedern gehören Arno Bausemer, Fraktionschef der AfD im Stendaler Stadtrat und Kreistagsmitglied, sowie Tom Klein, der zumindest einmal zu dieser Partei gehört haben soll. Bausemer hat zudem höhere Ambitionen, er will im nächsten Jahr in den Bundestag einziehen. Unstrittig dürfte eines sein: Die AfD entdeckt zunehmend grüne Themen für sich, im Kreistag beispielsweise machte sie sich für Bienenschutz und Blühstreifen stark. Im Stadtrat schloss sie sich schon fast euphorisch der Initiative einer anderen Fraktion und dem Ruf nach mehr Bäumen in der Innenstadt an. Natürlich-Altmark erntete in sozialen Medien vereinzelte Kritik.

Ein bekannter Bündnisgrüner aus der Westaltmark schrieb von einem „reinen AfD-Verein“ und einem „braunen Umweltschutzverein“. Unterstützer des Vereins wiesen das zurück. Auch Stendaler Gast kann und will diese Einordnung nicht unwidersprochen hinnehmen. Und überhaupt: „Zu glauben, ein globales Problem wie die Umweltverschmutzung wäre durch einzelne ,grüne’ Parteien zu lösen, halte ich für naiv. Jeder Bürger, ganz gleich welcher politischen Gesinnung, ist dazu aufgerufen, sich privat oder in Vereinen und Organisationen für Umweltschutz zu engagieren.“ Kurzum: Dass der Verein mit seinen ökologischen Zielen umstritten sein soll, darüber könne er sich nur wundern.

Ein politischer Akteur sei er keineswegs, auch parteilos, will Gast unterstrichen wissen. Politisch interessiert, natürlich, aber mehr nicht. In die AfD eingetreten ist er nach eigenen Angaben zur Europawahl 2014 im Zuge der Euro-Kritik und schon wieder ausgetreten 2015, als Parteimitbegründer Bernd Lucke das Feld räumen musste. Ihm persönlich, so Gast, sei in der Folge die Ausrichtung auf die Migration als das beherrschende Thema einfach zu wenig gewesen. Gestartet war die Alternative für Deutschland 2013 als eher EU-skeptische und rechtsliberale Partei. Mittlerweile gilt sie als rechtspopulistische, in Teilen rechtsextreme Partei, für die sich der Verfassungsschutz zunehmend interessiert. 

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