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Stendal: 66 Kilogramm Gras nach Heeren verkauft

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Von: Stefan Hartmann

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Ein Saal im Landgericht Stendal.
Richterin Simone Henze-von Staden eröffnet den Prozess. Dem Angeklagten wird bandenmäßiger Drogenhandel in zwölf Fällen vorgeworfen. © Hartmann, Stefan

Der Vorwurf, dem sich ein 34-jähriger Mann stellen muss, lautet: bandenmäßiger Drogenhandel in zwölf Fällen. Der Prozess hat gestern begonnen. In einem der Fälle sollen 66 Kilo Gras nach Heeren gebracht worden sein.

Stendal – Insgesamt zwölf Taten werden einem 34-jährigen Niederländer vorgeworfen, wegen denen er sich nun vor dem Stendaler Landgericht verantworten muss. Mehrmals waren er und die zum Zweck des Drogenhandels gegründete Bande, deren Kopf er war, wie Staatsanwalt Leopold Spettel dem Angeklagten Rezan N. vorwirft, auch im Landkreis Stendal tätig. Unter anderem sollen am 14. Mai 2020 insgesamt 66 Kilogramm Marihuana nach Heeren transportiert und verkauft worden sein.

Im Februar 2020 sollen die ersten Absprachen zur Gründung der Bande stattgefunden haben, wie der Staatsanwalt ausführt. Der Einkauf der Drogen sei international erfolgt. Kiloweise sei Kokain von einem bislang namenlosen Dealer aus den Niederlanden bezogen worden sein. Das Marihuana hingegen sei aus Spanien in die Niederlande und auch nach Deutschland geschmuggelt worden sein. Die Bande habe dafür Transporter benutzt, in die nachträglich Hohlräume eingebaut wurden. Mit diesen wurden unter anderem Cannabis, Ecstasy, Kokain und Crystal Meth vom 20. Februar 2020 bis zum 25. November 2020 in verschiedene Orte in den Deutschland und den Niederlanden geschmuggelt. Zunächst zählt der Staatsanwalt relativ kleine Mengen auf. Ein Kilogramm Kokain beim ersten Fall, je ein weiteres beim zweiten und dritten. Langsam steigern sich die Mengen jedoch. 2,61 und später 3,3 Kilogramm Marihuana gingen nach Berlin. Es folgen Lieferungen über 5,46 beziehungsweise sechs Kilogramm Kokain nach Magdeburg und Haldensleben. Die größte aufgezählte Menge eines einzigen Deals soll jedoch in den Stendaler Ortsteil Heeren gegangen sein. 66 Kilogramm sollen am 14. Mai 2020 dort übergeben worden sein. Drei Kilogramm Kokain gingen zu einem späteren Zeitpunkt nach Neu Schollene. Nicht zu allen zwölf Taten konnte Staatsanwalt Spettel während des Prozessauftakts und auf AZ-Nachfrage die jeweiligen Orte benennen. Bis zum 25. November 2020 sollen jedoch insgesamt zwölf Deals stattgefunden haben, an denen auch immer wieder derselbe Mann, wie bei dem Vorgang in Heeren beteiligt gewesen sein soll, seine Finger im Spiel gehabt haben. So seien insgesamt 1,2 Millionen Euro Umsatz gemacht worden.

Zu den Vorwürfen wolle sich Rezan N. zum „gegenwärtigen Zeitpunkt nicht äußern“, erklärte dessen Anwalt Alexander Pabst. Jedoch stellte er einen Antrag, dass ein Gutachten erstellt werden solle: Sein Mandant sei möglicherweise zum Zeitpunkt der ihm vorgeworfenen Taten wegen seiner Rauschgiftsucht nur vermindert schuldfähig. Im Alter von 16 oder 17 Jahren habe Rezan N. zum ersten Mal Marihuana probiert. Ab 19 Jahren dann täglich ein bis zwei Gramm des Suchtmittels konsumiert. Mit 23 Jahren sei er in der Partyszene erstmals mit MDMA und gelegentlich Ecstasy in Berührung gekommen. Später habe er dann zwei bis dreimal pro Woche Kokain konsumiert. Seit seiner Festnahme am 3. Mai 2021 habe er einen Entzug gemacht. Mit seiner Verlegung in die Justizvollzugsanstalt Tegel habe er jedoch einen Rückfall erlitten. Der erneute Entzug sei auch medikamentös begleitet worden.

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