Sauberkeit erste Halterpflicht: Rathaus versteht die Behälter mehr als Appell

Stendal: 3052 Hunde passen auf vier Toiletten

Einer der Behälter am Westwall. Ihre Zahl insgesamt ist recht dünn. Die Stadt versteht diese Boxen auch mehr als Erinnerung an Hundebesitzer, für Sauberkeit zu sorgen.
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Einer der Behälter am Westwall. Ihre Zahl insgesamt ist recht dünn. Die Stadt versteht diese Boxen auch mehr als Erinnerung an Hundebesitzer, für Sauberkeit zu sorgen.

Stendal – Sie muss keinen Schönheitspreis gewinnen, eine Hundetoilette soll funktionieren. Das Exemplar gleich zu Beginn der Strecke sieht ziemlich ramponiert aus.

Auf Nachfrage im Rathaus stellt sich heraus, dass gerade einmal vier Behälter für Hundekot im gesamten Stadtgebiet aufgestellt sind, noch zwei den weiteren Westwall entlang und eine an der Grabenstraße.

„Ersatz werden wir erst beschaffen, wenn die derzeitigen Modelle ihren Zweck nicht mehr erfüllen“, lässt Armin Fischbach für die gut 40 000 Einwohner zählende Kreisstadt wissen. Dass die Anzahl in naher Zukunft erhöht werden könnte, davon ist momentan nicht die Rede. Nur einmal zum Vergleich: Allein schon die Ortschaft Bismark verfügt über fünf solcher Entsorgungspunkte, wenn auch in einer einfacheren Ausführung.

Der Westwall ist eine beliebte Strecke für Spaziergänger und Hundebesitzer, links und rechts ein wenig Rasen, es geht zur Seite mehr und mehr bergab, aber das stört nicht, dazu die hohen Bäume, durch die sich im Idealfall das Licht unverwechselbar bricht. Vor etwa drei Jahren musste eine Hundetoilette wegen der Zerstörungswut anderer ausgetauscht werden, ein Tütenspender war derart verbogen, dass er seinen Zweck nicht mehr erfüllte. „Eine Reparatur wäre in diesem Fall teurer als eine Neuanschaffung gewesen“, erläutert der Stadtsprecher gegenüber der AZ. „Der Kauf einer Hundetoilette schlägt mit etwa 500 Euro zu Buche.“ Die vier Toiletten sollen übrigens nur so etwas wie ein dicker Strich unter einer Botschaft an alle Hundebesitzer sein, sie lautet: Kümmern Sie sich!

Mops Raena (5) lebt in der Umgebung von Stendal und kennt vielleicht so manche Toilette.

Dass Herrchen und Frauchen, oder wer auch immer alles in diesem Moment die Leine führt, einen eigenen Kotbeutel bei sich haben und die Hinterlassenschaften des Vierbeiners ohne viel Federlesen beseitigen, halten in der Hanse- und Rolandstadt gerade die Ordnungshüter eigentlich für selbstverständlich. Nur einmal zur Erinnerung: Wer die Tretminen seines Lieblings zurücklässt, riskiert ein Ordnungsgeld. In der Einheitsgemeinde sind aktuell 3052 Hunde registriert, die meisten davon in der Kernstadt. Dass mit der Hundesteuer diese Verpflichtung abgegeben wird, stimmt nicht. Und der Rathaussprecher einmal grundsätzlich: „Aus Perspektive der Stadtverwaltung ist Verschmutzung durch Hundekot bei uns auf einem relativ hohen, wenn auch konstantem Niveau.“

Bei Gesprächen mit Neuankömmlingen oder Delegationen aus Partnerstädten hieß es demnach aber auch schon wiederholt, dass gerade die Innenstadt „recht sauber sein soll“. Die meisten Hinterlassenschaften von Hunden finden sich jedoch auch in den Wall- und Parkanlagen, den bevorzugten Revieren der Gassigeher. Von einem perfekten Hundebesitzer möchte Fischbach nicht reden, er bevorzugt die Worte verantwortungsvoll und zuverlässig. Ein solcher Idealtyp führe seinen Hund im öffentlichen Raum stets an der Leine, habe eine Hundemarke sichtbar an Halsband oder Geschirr des Tieres befestigt und setze eben besagten eigenen Kotbeutel ein. Und bitte: Schon die Anschaffung eines Hundes möge genau überlegt sein, ein Tier sei ja nun einmal kein Spielzeug.

Was Hunde die Allgemeinheit kosten, ist offenbar nur schwer in Zahlen zu fassen. „Da Steuern nicht zweckgebunden sein dürfen, lässt sich dies leider nicht einfach mit dem Aufkommen der Hundesteuer beziffern.“ Alle fünf Jahre bestellt die Hansestadt neue Hundemarken, die an die Besitzer verschickt werden. 2019 seien insgesamt 5000 Stück zu einem Preis von 899,37 Euro bestellt worden, weiß Fischbach nach Rücksprache mit dem Fachamt auf den Cent genau. „Hinzu kommen natürlich die Personalkosten für die Verwaltungsangestellten, die sich mit den diversen rechtlichen Belangen der Hundehalterschaft auseinandersetzen, sowie die städtischen Mitarbeiter, die mit der Reinigung befasst sind.“ Diese Kosten genau zu benennen und aufzuschlüsseln, sei auf die Schnelle nicht möglich.

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