Steine sollen erinnern

Der Vorsitzende der Altmärkischen Anwaltsvereinigung, Dr. Thomas Doms, und Justizministerin Angela Kolb

ct Stendal. Die Hansestadt bekommt zwei neue so genannte Stolpersteine. Sie sollen an das Leben und Wirken von Julius Charig erinnern. Der Jurist jüdischer Herkunft, der viele Jahre in der Altmarkmetropole wirkte, war von den Nazis ermordet worden. Gestiftet werden die Steine von den Mitgliedern der Altmärkischen Anwaltsvereinigung, die ihrem Berufskollegen auf diese Weise ein ehrendes Gedenken setzen wollen.

Die Altmärkische Anwaltsvereinigung versteht sich, laut ihres Vorsitzenden Dr. Thomas Doms, als Interessenvertretung für die Anwälte in der gesamten Region. Sie zählt 55 Mitglieder. Hauptaufgaben seien die Mittlerrolle zwischen Anwälten und Justiz und die Organisation und Mitfinanzierung von Fortbildungsveranstaltungen für die Mitglieder. „Unsere Vereinigung besteht zwar seit 1992, im Jahr 1999 wurden wir aber auf einen Schlag 100 Jahre älter“, berichtet Doms. Aus Archiven habe er damals erfahren, dass bereits seit 1919 in Stendal ein Anwaltsverein bestand.

In diese Tradition habe sich die Altmärkische Anwaltsvereinigung gestellt und ehre mit Charig somit ein früheres Mitglied. Die Stolpersteine vor seinem früheren Wohnhaus in der Grabenstraße und der Kanzlei in der Karlstraße sollen dazu beitragen, dass das Holocaust-Opfer nicht in Vergessenheit gerät. Gesetzt werden sie im Frühsommer. In der Grabenstraße befand sich bereits ein solcher Gedenkstein, der aber gestohlen wurde.

Charig wurde 1897 als Sohn eines jüdischen Kaufmannes in Bayern geboren. Nach dem Schulbesuch zog er als Freiwilliger in den Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg studierte er in München und Breslau und schloss sein Jurastudium mit der Promotion ab. Seine erste Anwaltskanzlei eröffnete er in Emden. Später siedelte er nach Berlin und 1929 nach Stendal über. Im Jahr 1938 entzogen ihm die Nazis wegen seiner jüdischen Herkunft die Anwaltszulassung beim hiesigen Landgericht. 1942 wurde Charig ins Warschauer Ghetto deportiert, wo sich seine Spuren verlieren.

Der Künstler Gunter Demnig erinnert an die Opfer der NS-Zeit, indem er seit 2000 vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnort Gedenktafeln aus Messing ins Trottoir einlässt. Inzwischen liegen Stolpersteine in über 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas.

Bereits 1993 entwarf der Berliner das Projekt. Vier Jahre später verlegte er ohne Genehmigung den ersten Stein in Kreuzberg, was später legalisiert wurde. „Ein Mensch ist erst dann vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, lautet sein Credo.

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