Landwirtschaft unzureichend auf Klimawandel vorbereitet / Kreissprecherin: Dürrephasen häufiger

Stauanlagen ein Schlag ins Wasser

So sollte eine Stauanlage nicht aussehen. Das Umweltamt appelliert an Betreiber, die Technik funktionstüchtig zu halten. Stauanlagen dürften in Zukunft noch wichtiger werden. Foto: privat

Seehausen. Gerade die Wische und weitere Teile des nördlichen Landkreises haben einige davon, und nicht alle sind tadellos in Schuss. Die Stauanlagen in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel bereiten Sorgen. Bei Weitem nicht alle sind in gutem Zustand.

Metall rostet vor sich hin, Holz vergammelt zusehends. Dabei drohen der Region in der Zukunft wegen der klimatischen Veränderungen extreme Dürreperioden und Wassermangel in der Landwirtschaft. Landkreissprecherin Angela Vogel spricht ohne Umschweife von einer „großen wasserwirtschaftlichen Herausforderung“. Um das wertvolle Nass in der Zukunft ausreichend in der Fläche zu halten, müssten Stauanlagen saniert beziehungsweise sogar reaktiviert werden.

Das Stendaler Umweltamt hat insgesamt 891 Anlagen registriert. Davon sind 544 Vorrichtungen außer Betrieb gesetzt. Mehr als 100 dienen dem Hochwasserschutz und können sich laut Vogel durchaus sehen lassen. Der zuständige Landesbetrieb wartet die Anlagen regelmäßig. Sie sollen abfließendes Hochwasser regulieren helfen. „Dagegen sind die Stauanlagen der Landwirtschaft unterm Strich in einem baulich schlechten Zustand, überwiegend sanierungsbedürftig und größtenteils nicht mehr funktionstüchtig.“

Der Nutzer des Gewässers muss die Anlage in Ordnung halten. Er haftet auch für mögliche Schäden. Bei Starkregen und Hochwasser, die Überflutungen oder sonstige Gefährdungen Dritter auslösen können, müssen die Staueinrichtungen entfernt und ein freier Abfluss des Wassers ermöglicht werden. Wer sich nicht an die Spielregeln hält, müsse mit einer empfindlichen Strafe rechnen, so die Kreissprecherin gegenüber der AZ. Maximale Stauhöhe und Stauzeiten sind in der Erlaubnis festgeschrieben. Zudem muss der Betreiber ein Betriebstagebuch führen.

Ausgemusterte Anlagen gerade in Gräben und Gewässern zweiter Ordnung (vor allem alles außer Bundeswasserstraßen und bestimmten großen Seen) sollten gänzlich verschwinden. „Allerdings ist hierbei zu klären, wer die Kosten für den Rückbau dieser Stauanlagen übernimmt“, betont Vogel. Das dürfte mitunter nicht so einfach sein. Oftmals ist der Inhaber der wasserrechtlichen Erlaubnis und Betreiber der Anlage nicht zugleich der Besitzer des Grundstückes. „Grundsätzlich sind außer Betrieb gesetzte Stauanlagen in das Eigentum des jeweiligen Grundstücksbesitzers übergegangen.“

Wer weitere Informationen zum Thema wünscht, wende sich an das Kreisumweltamt in Stendal. Dort gibt es auch die nötigen Anträge. Kreissprecherin Vogel unterstreicht für potenzielle Antragsteller gegenüber der AZ schon einmal: „Erlaubnisfähig ist eine Stauanlage nur dann, wenn sie ökologisch durchgängig und ein ständiger Mindestwasserabfluss gesichert ist.“

Von Marco Hertzfeld

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