Klimawandel: Gelbgrüne Fraktion will Anlagen bündeln

Stauanlagen im Landkreis Stendal plötzlich heiß begehrt

Eine marode Stauanlage im Norden des Landkreises vor einiger Zeit.
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Eine marode Stauanlage im Norden des Landkreises vor einiger Zeit.

Stendal – Liberale, Bündnisgrüne und Landwirte für die Region richten den Fokus auf die zahlreichen Stauanlagen im Landkreis Stendal.

Das Land soll weitreichende Rechtsgrundlagen schaffen und möglich machen, dass vor 1990 errichtete Anlagen gebündelt in einem System bewirtschaftet werden. Eine entsprechende Resolution des Kreistages könnte bei der Sitzung am Donnerstagabend verabschiedet werden. Erklärtes Ziel der Fraktion: Der Wasserhaushalt in Sachsen-Anhalt soll damit stabilisiert und die „Folgen des Klimawandels“ gemildert werden. Das Staumanagement soll zumindest dabei helfen.

Die Unterhaltungsverbände für sogenannte Gewässer 2. Ordnung sollen es als zusätzliche Pflichtaufgabe zugewiesen bekommen. Sie sollen Anlagen, die sich nicht in Stauunternehmerschaft befinden, einvernehmlich mit einem Staubeirat bewirtschaften.

Resolution gegen vergessene Technik

„Die Kosten sind separat zu erfassen, von den Mitgliedsgemeinden verhältnismäßig zu tragen und wiederum als Umlage von den in den Staugebieten bevorteilten Landnutzern zu erheben“, heißt es in der Beschlussvorlage für übermorgen. Außerdem ist in dem Papier die Rede von einer hohen Förderquote. Bei Weitem nicht alle Stauanlagen sind in tadellosem Zustand.

Die Initiative passt in eine Diskussion, die im weitesten Sinne schon ein paar Jahre nach der politischen Wende in Ostdeutschland begonnen hat. Es dürfte noch immer etliche Hundert Stauanlagen in Ostaltmark und Elbe-Havel-Winkel geben. Vor drei Jahren hatte eine Kreissprecherin eine Zahl von fast 900 genannt. Mehr als 100 dienten dem Hochwasserschutz und könnten sich durchaus sehen lassen. Die Stauanlagen der Landwirtschaft bereiteten hingegen schon damals Sorgen. Immer mehr blieben ungenutzt und verfielen und selbst um die Reste kümmerte sich selten jemand. Oftmals ging es um die Kosten. Eine mögliche Resolution zielt nun vor allem auf die Folgen des Klimawandels.

Gewässerverbände stärker in der Pflicht

Die Initiatoren reden in ihrer Begründung von großen Defiziten, mit denen die Altmark zu kämpfen haben werde. „Eine Studie des Landes zu den Folgen des Klimawandels in Sachsen-Anhalt beschreibt deutlich abnehmende Niederschläge im Sommerhalbjahr und zunehmende Niederschläge im Winter. Der Jahresniederschlag soll bei einer Temperaturerhöhung von bis zu zwei Grad Celsius annähernd konstant bleiben.“ Das bedeute: „Der Boden-Wasser-Haushalt wäre im Winter übersättigt und im Winter stark defizitär.“ Mit Folgen für die Öko-Systeme, die Landwirtschaft und den Menschen. Ein funktionierendes Netz aus Stauanlagen würde vieles abfedern helfen, heißt es aus dieser Fraktion.

VON MARCO HERTZFELD

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