Station für Rettungshubschrauber

Flugplatzchef in Stendal will Volltreffer landen

Aus der Luft sind der Flugplatz Stendal-Borstel und die Umgebung zu sehen.
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Die Betonbahn misst gut 2000 Meter, die Grasbahn daneben ist nicht ganz so lang. Der Flugplatz Borstel ging Mitte der 1930er-Jahre in Betrieb und wurde bis Anfang der 1990er-Jahre fast ausschließlich militärisch genutzt.
  • Marco Hertzfeld
    vonMarco Hertzfeld
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Der Flugplatz in Stendal kämpft sich durch die Coronazeit. Es gibt Einbußen, wenn auch nicht so dramatisch, wie zunächst angenommen. Und: Geschäftsführer Jahn hat Pläne. Eine Station für Rettungshubschrauber könnte auf dem weitläufigen Gelände entstehen.

Stendal – Die Flugplatzgesellschaft scheint bislang dann doch einigermaßen glimpflich durch die Coronakrise zu kommen und ja, Geschäftsführer Matthias Jahn hat ambitionierte Pläne. „Unser nächstes großes Ziel ist es, eine Rettungshubschrauberstation auf den Flugplatz zu bekommen.“ Und weiter: „Die Autobahn schreit eigentlich danach.“ Mit dem Johanniter-Krankenhaus in einigen Kilometern Entfernung arbeite die Flugplatzgesellschaft Stendal-Borstel gut zusammen. Erst kürzlich habe man bei Bauarbeiten auf dem Dachlandeplatz der Großklinik unterstützen können. Der Bodenplatz nahe der Wendstraße sei ja im Übrigen nicht mehr anzusteuern, die umliegenden Bäume müssten vorher doch arg gestutzt werden.

Matthias Jahn will noch einiges bewegen. Der Flugplatz habe Potenzial, glaubt auch er.

Die Kreispolitiker hingen regelrecht an seinen Lippen, doch allzu viel Zeit bekam Jahn dann doch nicht, er setzte Schlaglichter. Stendal ist einer von gerade einmal fünf landesbedeutsamen Verkehrslandeplätzen, im Landesentwicklungsplan ist die Rede von einem vorrangigen Standort und strategischer Bedeutung. Im Klartext: Die Politik hat mit dem gut 125 Hektar (175 Fußballfelder) großen Gelände zwischen Kernstadt und der Ortschaft Borstel noch einiges vor. Die Hoffnungen ruhen nicht zuletzt auf die Autobahn und die Bebauungspläne, die über das Gebiet gelegt werden sollen, der eine mehr, der andere weniger. „Damit man die eigentlich für uns viel zu großen Flächen bespielen kann.“

Corona-Einbußen noch beherrschbar

Einiges sei schon geschafft, die alte Flugleitung etwa wurde verkauft. „Das Gebäude stand auf der Kippe.“ Abriss oder Sanierung? „Gott sei Dank wurde ein Investor gefunden.“ Nicht gelungen sind Investitionen für eine Flugzeugwerft in anderen Gebäuden. Vorhaben wie dieses scheitern laut Jahn bislang eben an einem fehlenden B-Plan. Seit 2014 seien die Unterlagen in Arbeit. Ein Ende zeichne sich ja nun ab. Bis 2019 habe es auch so schon eine „hervorragende Entwicklung“ gegeben. Corona führte im Jahr darauf zu „massiven Einbrüchen“. Stendal verlor zwischen 25 und 30 Prozent des Verkehrsaufkommens. Wobei es bei großen Flughäfen sogar 80 Prozent seien. Jahn könnte demnach einigermaßen durchatmen.

Firmen sollen sich ansiedeln können

Eine Bruchlandung wurde verhindert, das Land ersetzte durch die Beschränkungen entstandene Verluste, ein vom Landkreis bereits zugesagter Ausgleich wurde nicht gebraucht. Der Landkreis hält 55 Prozent der Gesellschafteranteile, die Stadt Stendal 40 Prozent und der Aero-Club, der mit 120 Mitgliedern größte Luftsportverein Sachsen-Anhalt, fünf Prozent. Um die 20 000 Flugbewegungen pro Jahr werden in normalen Zeiten registriert. Stendal hat keinen Linienverkehr. Die Spannbreite der Nutzer scheint beachtlich und reicht von Geschäftsleuten über Flugsportler bis zu Rettungskräften und der Bundeswehr. Der altmärkische Flugplatz sei an 355 Tagen des Jahres verlässlich geöffnet.

Vizelandrat sieht einen Rohdiamanten

Jahn führt ein Kleinstunternehmen. Der Flugplatz sei ein Wirtschaftsfaktor und bedeutsam für den Tourismus, ein Zuschussgeschäft auch, ja, aber eben auch wichtig für die Daseinsvorsorge. Im Blick hat das Team nun besonders die Segelflug-Weltmeisterschaft, eine Veranstaltung mit Strahlkraft, 2020 musste alles coronabedingt verschoben werden. 90 Anmeldungen aus 27 Ländern liegen aktuell vor. Thomas Lötsch, seit August Vizelandrat, lobte nach Jahns Bilanz im Bauausschuss die Arbeit auf den Flugplatz. Er sieht eine „Art ungeschliffenen Diamanten“, das Potenzial sei groß. Lötsch war zuletzt Geschäftsführer einer Flughafengesellschaft an der Nordsee.

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