Gruber: „Mehr Atommüll als bisher angenommen“ / Baubeginn im Jahr 2060

Standort für Atommüll-Endlager gesucht

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Für ein mögliches Atommüll-Endlager wurde zunächst der Schacht Konrad bei Salzgitter in Erwägung gezogen. „Der Widerstand in der Bevölkerung ist zu groß“, so Dr. Denis Gruber.

Stendal. „In Deutschland gibt es weitaus mehr radioaktive Abfallstoffe, als bisher angenommen“, so begann der erste Beigeordnete des Landrates, Dr. Denis Gruber, seine Erläuterungen zur momentanen Suche nach einem Atommüll-Endlager.

Allein etwa 10 500 Tonnen stark radioaktive Schwermetalle, die in Atomkraftwerken genutzt wurden, müssten in den kommenden Jahrzehnten in einem geeigneten Endlager entsorgt werden. Die Suche nach einem Standort läuft seit Beginn des Jahres (AZ berichtete). In Deutschland kommen laut Gruber nur wenige Regionen für solch ein Lager in Betracht.

Erdbebenzonen, Gebiete mit vulkanischer Aktivität und stark bebaute Regionen sowie Großstädte fallen als Standort aus. Die Lagerung solle nach jetzigem Stand unterirdisch erfolgen. Kritisch ist die Bodenbeschaffenheit, denn nur Salz, Granit oder Ton kommen als mögliche Gesteine in Frage. Ein Einspieler des Wissensmagazins „nano“ zeigte den Ausschussmitgliedern die Grenzen dieser Lagerung auf. Demzufolge würde ein Ton-Endlager doppelt so viel Platz wie die anderen Gesteine benötigen.

Granit biete zwar eine hohe Stabilität, es könne aber zu Wassereinbrüchen kommen. „Der Atommüll muss aus dem Endlager für 500 Jahre rückholbar sein“, so Gruber. Somit sei auch ein Salzlager problematisch, denn das Salz würde im Laufe der Zeit steinhart werden.

„Wir haben anfangs noch auf den Schacht Konrad bei Salzgitter spekuliert“, sagt Gruber, „aber dort sind die Kapazitäten zu klein und der Widerstand in der Bevölkerung ist zu groß.“ Zu den 10 500 Tonnen hoch radioaktiven Schwermetalls, die in 1100 so genannten Castoren gelagert sind, kommen weitere 800 Castoren mit hoch- und mittelradioaktiven Abfallstoffen. Weiterhin müssen 800 000 Kubikmeter verstahltes Material sicher entsorgt werden.

Bis zum Jahr 2021 sollen sechs mögliche Standorte vorausgewählt werden, im Jahr 2031 soll dann ein Platz für das Endlager gefunden sein. Der Bau des Lagers beginnt nach aktueller Planung jedoch erst 2060. Für die Einlagerung des kompletten Atommülls, für den 1500 Transporte vorgesehen sind, werden weitere 50 Jahre einkalkuliert. „Von solchen Zahlen muss man sich erstmal erholen“, fand Ausschussmitglied Annemarie Theil (SPD).

Von Mike Höpfner

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