DGB-Jugend sendet Lebenszeichen

Stammtisch und Aktionen: Gewerkschafter bauen in Stendal Gruppe auf

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Jugendbildungsreferent Daniel Franke (4.v.l.) wirbt mit der DGB-Jugend für ein landesweites Azubi-Ticket. Bei der Aktion kürzlich sollen auch junge Leute aus dem Landkreis Stendal dabei gewesen sein.

Stendal – Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) baut in Stendal eine Jugendgruppe auf. Dass eine Interessenvertretung junger Arbeitnehmer auch im Norden Sachsen-Anhalts Flagge zeige und gezielt in die Öffentlichkeit trete, sei wichtig.

Daniel Franke, Jugendbildungsreferent des DGB in Magdeburg, muss in der Kreisstadt nicht ganz bei null anfangen.

Eine wirklich aktive und feste Gruppe junger Gewerkschafter hat es bislang aber nicht gegeben oder zumindest lange nicht mehr. Ein erstes Treffen hat bereits stattgefunden, das nächste ist für den 12. Dezember geplant. „Wir wollen etwas Dauerhaftes auf die Beine stellen“, kündigt Franke gegenüber der AZ an.

Der Jugendstammtisch trifft sich mindestens einmal im Monat. Wenn bestimmte Themen und Aktionen anstehen, sicherlich auch häufiger. Zur Premiere kamen vor allem junge Leute aus dem Bildungssektor und Studenten. Die DGB-Jugend Sachsen-Anhalt wolle aber natürlich möglichst viele Bereiche der Arbeitswelt erreichen, den Fabrikarbeiter genauso wie den Büroangestellten. Mitmachen kann jeder, der bis 30 Jahre alt ist oder auch noch einige Lenze mehr zählt. Die Mitgliedschaft in einer Einzelgewerkschaft sei für den Anfang nicht unbedingt nötig. Der DGB ist die größte Dachorganisation.

Die Themen sind in den Genen solcher Gruppen angelegt. Mobilität in der Ausbildung und das Azubi-Ticket stehen momentan weit oben auf der Agenda. „Sehr schnell können noch weitere Punkte dazukommen, in der Arbeitswelt wird einem selten etwas geschenkt“, meint Peter Bollfraß. Der Stendaler hat seit mehr als 25 Jahren im Kreisverband das Sagen. Dass die DGB-Jugend nun wieder organisiert in der Altmark Fuß fassen will, freue ihn natürlich. Lange Zeit war das nicht gelungen, immer wieder scheiterten Versuche von Stendal aus. „Nun wird es klappen“, ist der Mittsiebziger im AZ-Gespräch überzeugt.

Den Gewerkschaften wehte nach der politischen Wende in Ostdeutschland ein eisiger Wind entgegen, die Mitgliederzahlen sanken. Vor allem die Jugend wollte von der Gewerkschaftsidee nicht mehr allzu viel wissen. „Es war eine harte Zeit“, erinnert sich Bollfraß. Vielleicht 18 000 Mitglieder oder auch noch weniger habe der DGB Mitte der 1990er-Jahre in der Altmark gehabt. Inzwischen sei der Dachverband aus dem Tal der Tränen, Bollfraß spricht von aktuell mindestens 20 000 Mitgliedern. Vor dem Umbruch in der DDR dürften etliche Tausend Menschen mehr Mitgliedsbeitrag bezahlt haben.

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, Bollfraß wird die Gewerkschaftsarbeit der vergangenen Monate auswerten und sich auch noch einmal genauer mit den Mitgliederzahlen in beiden altmärkischen Landkreisen befassen. Seit 1992 führt er das Zepter im DGB-Kreisverband Stendal, anfangs hauptamtlich, nun ehrenamtlich. Die nächste reguläre Vorstandswahl steht in zwei Jahren an. Dass sich in der Hansestadt nun regelmäßig ein Jugendstammtisch treffen will, wertet der Familienvater als Erfolg. Beim ersten Treffen saß Bollfraß mit am Tisch. Ort und Uhrzeit der nächsten Runde sind noch offen.

Wer den Kontakt zur DGB-Jugend wünscht oder auch nur die Diskussion sucht, erreicht Franke unter Tel. 0160 / 3680189. Er selbst ist übrigens 31 Jahre alt und kommt ursprünglich aus dem Siegerland, einem Landstrich in Nordrhein-Westfalen.

VON MARCO HERTZFELD  

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