SUV bleiben in schmaler Spur

Stadt Stendal will umstrittene massige Pkw nicht ins Abseits schieben

Ein SUV am Straßenrand einer deutschen Stadt. Die Modelle sind bei den Deutschen zunehmend beliebt und stehen doch immer häufiger auch in der Kritik.
+
Ein SUV am Straßenrand einer deutschen Stadt. Die Modelle sind bei den Deutschen zunehmend beliebt und stehen doch immer häufiger auch in der Kritik.

Stendal – Spätestens nach dem Unfall mit vier Toten in Berlin fahren SUV deutschlandweit nicht mehr unter dem Radar. Die massigen Fahrzeuge scheinen gerade auch für Stendals Altstadt mit den vielen recht schmalen Straßen und engen Kreuzungen nicht besonders geschaffen.

Die Hanse- und Rolandstadt hat einiges an mittelalterlichem Charme zu bieten, die PS-Ungetüme, wie Kritiker sie nennen, wirken dort noch viel mächtiger als anderswo.

Im Stendaler Rathaus bleibt man erst einmal gelassen. Sprecher Armin Fischbach: „Aktuell stellen SUV kein schwerwiegendes Verkehrsproblem für uns dar. “ Über Verbote oder Obergrenzen für SUV zu entscheiden, sei ja sowieso eine eher politische Angelegenheit.

Sport Utility Vehicles, kurz SUV, sind in ihrem Erscheinungsbild an Geländewagen angelehnt und werden mitunter auch als Geländelimousinen oder Stadtgeländewagen bezeichnet. Fast jedes dritte Auto, das in der Bundesrepublik neu zugelassen wird, soll mittlerweile ein solcher Sportgeländewagen sein. Wie viele in der Einheitsgemeinde Stendal unterwegs sind, lässt sich auf die Schnelle nicht sagen. Unerheblich dürfte ihre Zahl aber nicht sein. Für das Rathaus ist momentan entscheidend: „Die Hansestadt Stendal möchte alle Verkehrsteilnehmer im Stadtgebiet gleichstellen und allen eine bestmögliche und vor allem sichere Teilnahme am Straßenverkehr erlauben.“

Skeptiker haben ihr Urteil längst gefällt: SUV sind zu groß, zu umweltschädlich, in Städten mit ihren Geländewagen-Fähigkeiten unnötig wie ein Kropf und sie könnten zu einem Sicherheitsrisiko werden. „Beschwerden von Bürgern liegen uns bislang nicht vor“, lässt Fischbach für die Einheitsgemeinde auf Nachfrage der AZ wissen. Dass SUV-Fahrer in der Unfallbilanz besonders auffallen, dazu sei der Stadt nichts bekannt. Und das Ordnungsamt habe alle Parksünder im Blick, egal, ob da nun ein SUV-Typ die Parktasche überragt oder ein anderes Modell. Gemäß der Straßenverkehrsordnung sei platzsparend zu parken, das gelte für alle. „Wer die Regel verletzt, dem droht ein Verwarngeld von zehn Euro.“

Stendals Zentrum ist reich an eher schmalen Straßen, mitunter ist nur die Einbahn möglich. Das weiß natürlich auch die Stadtverwaltung. Wo vor etlichen Hundert Jahren Fuhrleute und Fußgänger miteinander auskamen, sind längst Pkw-Lenker die stärksten Verkehrsteilnehmer auf oftmals engem Raum. Auto und Lkw zugunsten von Fußgängern und Radfahrern ganz aus der Altstadt zu verbannen, ist kein Thema, Stadtgeländewagen hin, Stadtgeländewagen her. Und überhaupt: „SUV werden in den Planungen des Straßenbaus nicht gesondert berücksichtigt. Die geltenden rechtlichen Standards und unsere eigenen Qualitätsansprüche an eine bestmögliche Verkehrsführung sind maßgebend.“

Etwa zwei Wochen ist es her, dass ein SUV-Fahrer an einer Berliner Kreuzung von der Straße abkam und vier Menschen auf dem Gehweg überfuhr. Gegen den Mann wird laut Medienberichten wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Wie genau es zu dem tödlichen Unfall kommen konnte, scheint noch immer nicht abschließend geklärt. Gesundheitliche Probleme des Fahrers könnten eine Rolle gespielt haben. Die Ereignisse von Berlin haben eine erneute Diskussion über die großen, schweren und bei Kunden immer beliebteren Fahrzeuge in Innenstädten ausgelöst. Unter anderem war und ist die Rede von Verboten oder zumindest Obergrenzen sowie einer Kohlendioxid-Steuer mit Sonderaufschlägen für SUV-Modelle.

VON MARCO HERTZFELD 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare