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Stadt Stendal will frühere Schule loswerden

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Von: Marco Hertzfeld

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Die frühere Grundschule Petrikirchhof in Stendal dient derzeit als Lager.
Schüler und Lehrer sind ausgezogen. Das fast 150 Jahre alte Schulgebäude prägt die Petrikirchstraße. Überhaupt ist das Quartier reich an historischen Bauten. Links oben auf dem Bild ist das Uenglinger Tor zu sehen. © Nitsch

Die neue Grundschule am Haferbreiter Weg ist gerade ins Schuljahr gestartet, da will die Stadt die alte Schule Petrikirchhof loswerden. Ein Ratsausschuss befasst sich mit dem möglichen Verkauf des geschichtsträchtigen Gebäudes.

Stendal – Die Stadt will die frühere Grundschule Petrikirchhof verkaufen. Flurstücke und Gebäude sollen öffentlich ausgeschrieben und meistbietend veräußert werden. Ein entsprechendes Papier liegt dem Wirtschaftsförderungs-, Vergabe- und Liegenschaftsausschuss für den 8. September zum Beschluss vor. Am Haferbreiter Weg ist eine gänzlich neue Grundschule entstanden, das Lernjahr 2022/23 startete dort vor wenigen Tagen. Der Komplex am Petrikirchhof erscheint der Verwaltung damit überflüssig. Zudem sei der Sanierungsbedarf nach wie vor erheblich. Eine Komplettsanierung unter einem spezifischen Nutzungskonzept würde demnach circa zweieinhalb Millionen Euro kosten.

Politik entscheidet kommende Woche

Das Schulgebäude ist 1876 gebaut worden und atmet regelrecht Geschichte. Der Charme vergangene Zeit bröckelt allerdings. Zudem erschien Politik und Verwaltung der Platz für einen Lernort der Zukunft dann doch zu gering. Das Gelände ist insgesamt etwa 1400 Quadratmeter groß. Neben dem Lehrgebäude gehören zum avisierten Angebot auch noch eine kleine Sporthalle, ein Hortgebäude und ein Objekt, das nicht zuletzt für Werkunterricht genutzt wurde. Bauaufsichtsbehörde und Sachgebiet Hochbau haben im Juli noch einmal genauer hingeschaut und bei einer Besichtigung nötige Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten bei einer Weiternutzung notiert. Allein dies summiert sich bereits auf 800.000 Euro.

Investitionsbedarf scheint recht hoch

Die Stadtverwaltung plädiert für eine Veräußerung des Komplexes, der sich gleich neben der Petrikirche befindet. Inwieweit der Ausschuss dem Vorschlag auch tatsächlich folgt, muss sich zeigen. Angestrebt wird der Verkauf des kommunalen Komplexes erst für das Jahr 2023. Derzeit dient die Schule noch Lagerzwecken. Zudem will die Verwaltung bestimmte Entwicklungen (Ukraine-Krieg) im Auge haben und könne eventuell noch entstehende Bedarfe nicht abschätzen. Protokoll und Kostenschätzung der Begehung im Juli liegen dem Stadtratsausschuss ebenfalls vor. Ein Wertgutachten soll bei dem besagten Bieterverfahren helfen. Das fast 150 Jahre alte Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Rathaus macht Ernst / Hausaufgaben hoffentlich erledigt:
Die Verkaufspläne der Stadtverwaltung kommen nicht sonderlich überraschend. Dass die kommunale Volkshochschule einzieht, ist ebenfalls schon einmal diskutiert worden. Auch die Übergabe an einen privaten Bildungsträger stand im Raum. Das markante Gebäude scheint so oder so eben keineswegs ohne Wert. Mag der Sanierungsbedarf auch groß, die nötige Investitionssumme erheblich sein und der Denkmalschutz bei einem Um- und Ausbau gewisse Grenzen setzen. Die Immobilie liegt einfach reizvoll am Rande der Altstadt, das Potenzial scheint durchaus vorhanden. So manche Privatleute dürften sich jedenfalls schon die Hände reiben und Interesse haben. Die Stadt selbst hat angeblich oder tatsächlich keine Verwendung mehr für dieses Objekt. Eine weitreichende Aussage. Es bleibt zu hoffen, dass die Fachämter ihre Hausaufgaben auch wirklich gemacht haben.

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