Weichen für Erhalt gestellt

Stadt Stendal begrüßt Tunnelhaus-Initiative der Bahnfreunde

Der Ein- und Ausgang nahe der Bahnhofstraße hat offenbar eine Zukunft. Der Tunnel soll zugeschüttet, das Häuschen aber erhalten und für andere Zwecke genutzt werden.
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Der Ein- und Ausgang nahe der Bahnhofstraße hat offenbar eine Zukunft. Der Tunnel soll zugeschüttet, das Häuschen aber erhalten und für andere Zwecke genutzt werden.

Stendal – Die Weichen scheinen so gut wie gestellt, aus dem Tunnelhäuschen an der Bahnhofstraße kann eine Ausstellungshalle werden. Stendaler Geschichtsfreunde rennen mit ihrer Initiative im Rathaus jedenfalls offene Türen ein.

Zumal die Stadtverwaltung selbst das mehr als 100 Jahre alte Objekt erhalten möchte.

Laut Sprecher Armin Fischbach gibt es darüber bereits einen regelmäßigen Austausch mit der Denkmalschutzbehörde des Landes und der Deutschen Bahn. Letztgenannter gehört das Eingangshäuschen zum Röxer Tunnel, der nach Ende der Bahnhofserneuerung zugeschüttet werden soll.

Das Tunnelgebäude an der Lüderitzer Straße sieht noch einmal deutlich mitgenommener aus. Ein Abriss scheint momentan zumindest nicht ausgeschlossen.

Der Bahnkonzern müsse bei einem solchen Projekt beteiligt sein und sein Einverständnis geben. „Hinzu kommt natürlich, dass der potenzielle Initiator und Bewahrer über die finanziellen Mittel und, vielleicht noch wichtiger, über das nötige Engagement verfügt, das Denkmal zu sanieren und zu unterhalten“, betont der Rathaussprecher gegenüber der AZ. Im Klartext: Eisenbahnfan Michael Trösken und Mitstreiter müssen wohl mehr liefern als eine bloße Nutzungsidee. Wobei: Die für die eigentliche Sanierung nötigen Baumaterialien fielen ja während der aktuellen Arbeiten auf dem Stendaler Bahnhofsgelände ohnehin an.

Die Stadt wünscht sich den direkten Kontakt mit den Geschichtsfreunden und das Abstimmen der Vorstellungen. Schon der Platz vor dem Empfangsgebäude und die Randbebauung seien geschützt und eine „historische Gestaltungseinheit“. Der nördliche Tunneleingang fungiere als „Markierung der östlichen Platzkante“. Fischbach weiter: „Unser Ziel ist es, den gesamten Komplex von Bauten um den Hauptbahnhof als räumliches, architektonisches beziehungsweise funktionales Ensemble zu erhalten.“ Die weitere Nutzung eines sanierten Tunnelhäuschens wäre „sehr begrüßenswert“, der „Nachhaltigkeit“ wegen.

Der gesamte Personentunnel aus dem Jahr 1911 steht in der Denkmalliste des Landes. Das Gegenstück zum Häuschen auf dem Bahnhofsvorplatz befindet sich an der Lüderitzer Straße. „Mit ihren gründerzeitlichen Fachwerkwänden und jeweils einem Walmdach sind beide sehr markante Objekte in unserem Stadtbild. Unglücklicherweise wurden für viele Jahre die notwendigen Erhaltungsmaßnahmen vernachlässigt.“ Ob die Stadt für die Initiatoren in die eigene Kasse greifen würde, hänge von den konkreten Vorschlägen und selbstredend von den zuständigen politischen Gremien ab, bleibt Fischbach vorsichtig.

Der Ein- und Ausgang an der Lüderitzer Straße gehört der Stadt. „Dieses südliche Häuschen verliert durch die Verschüttung des Tunnels seinen direkten Bezug zum Bahnhof und ist durch die etwas abseitige Lage auch weniger attraktiv“, findet der Rathaussprecher. Ob diese Einschätzung ein Ende des Objektes bedeuten soll und darf, bleibt abzuwarten. Auch dort hat der Denkmalschutz ein gewichtiges Wort mitzureden. Den Röxer Tunnel soll es in absehbarer Zeit nicht mehr geben. Der moderne Haupttunnel gleich daneben erhält derzeit Aufzüge.

Die Stendaler Geschichtsfreunde haben das alte Tunnelhäuschen an der Bahnhofstraße im Blick. Der Fachwerkbau ist nicht sonderlich groß, vielleicht 20 Quadratmeter, die aber für eine prägnante Zeitreise ausreichend sein sollen (die AZ berichtete). Trösken bewahrt historische Bauskizzen auf, im Bestand für Stendal befinden sich Lagepläne von Strecken und Bahnhof, einige bis zu sechs Meter lang. Ein solches Exemplar hätte womöglich gerade noch so Platz. Andere Dokumente dazu, vielleicht ja auch das eine oder andere Exponat, und die Kreisstadt wäre womöglich um einen Anlaufpunkt für Einheimische und Touristen reicher.

VON MARCO HERTZFELD  

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