Prinzengasse wenig majestätisch

Stadt sieht neben Schmierereien und Zerstörungswut noch anderswo Kosten

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Die Prinzengasse führt an einem Gymnasium und einem Wohngrundstück vorbei. Schmierfinken und Zerstörungswütige haben auch anderswo ihre Spuren hinterlassen. Farbe, Bruch und dazu noch jede Menge Müll: Die Beseitigung kostet Zeit und Geld.

Stendal. Mehrere Großbuchstaben reihen sich aneinander, sie lassen sich von Uneingeweihten kaum deuten. Ein Stück weiter hat die Farbe aus der Sprühdose nur noch für gänzlich wirres Gekritzel gereicht.

Gegenüber sieht es noch schlimmer aus, die Mauer zeigt neben durchschnittlichen Graffiti Reste politischer Parolen. Die Prinzengasse dürfte in einer Liste der hässlichsten Wege und Straßen in Stendal weit vorn liegen. „Die backsteinroten Mauern könnten so schön aussehen. Ich ärgere mich jedes Mal grün und blau. So eine Schande“, schimpft Peter Scholz, der als Leiter des Privatgymnasiums für eine Seite der Gasse zuständig ist. Dass Schüler aus seinen Reihen ihren Anteil an der Misere haben, könne und wolle er sich auch nicht wirklich vorstellen.

Leiter der Privatschule: „Perlen vor die Säue“

Der Altmärker hat ein Stück weit resigniert. „Es ist wie Perlen vor die Säue werfen. Ist ein Bereich gesäubert, wird es am nächsten Tag schon wieder beschmutzt. Und je öfter man den Schaden der Gebäudeversicherung meldet, umso höher steigt die Rate.“ Mit einem speziellen Mittel, das es illegalen Sprühern schwerer machen würde, dürfen die Mauern nicht versiegelt werden. „Der Denkmalschutz hat etwas dagegen.“ Vor einigen Jahren konnte einmal ein Täter auf frischer Tat geschnappt werden, allerdings habe dieser die Strafe nicht bezahlen können und sei auch so ziemlich ungeschoren davongekommen. „Es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen“, so der Schulleiter.

Legale Graffito-Projekte: „In geordneten Bahnen“

Politik und Verwaltung haben Hoffnung. „Es scheint so, dass die Konjunktur dieser Ausdrucksweise der Narrenhände mittlerweile in unseren Breiten zumindest abgeflaut ist“, meint Stadtsprecher Klaus Ortmann. Es habe zahlreiche Initiativen gegeben, etwa die von Stadtwerke und Wohnungsbaugesellschaft, die Talente, die ja unbestritten vorhanden seien, in geordnete Bahnen zu lenken. „Im Ortsteil Wahrburg ist die Bushaltestelle ein Beispiel. Der Stendaler Mad-Club und die Streetworker haben eine Graffitiwand. Auch private Initiativen verschönern das Stadtbild durch gestaltete Wände, Beispiel Beckstraße/Ecke Grabenstraße.

Wandbild Hallstraße 4 der Stadt willkommen

An der fensterlosen Giebelwand der Hallstraße 4 nahe dem Markplatz soll in absehbarer Zeit ein Graffito des einheimischen Künstlers Michael Braune an die mittelalterliche Tradition der Leinen- und Tuchmacher sowie Färbereien erinnern. Das Projekt entwickele sich positiv. Die Initiatoren planen eine Umsetzung in diesem Jahr. Alle baurechtlichen Genehmigungen liegen vor. Ortmann: „Aus Sicht der Verwaltung eine tolle Idee, die seitens der Stadt im Rahmen der Möglichkeiten unterstützt wird. Ein schönes Beispiel bürgerschaftlicher Initiativen zur innerstädtischen Gestaltung und für das Marktensemble ein sprichwörtlicher Hingucker.“

Illegale Wandbilder und Schriftzüge bleiben ein Problem. Schmierereien von städtischen Gebäuden zu entfernen, kostet jährlich circa 500 Euro. „Graffiti mit verfassungsfeindlichem Hintergrund kommen häufiger vor. In den letzten Jahren wurden mehrfach Brückenbauwerke, Mauern und Spielplatzelemente besprüht. Die Kosten für die Entfernung belaufen sich hierbei auf bis zu 1000 Euro im Jahr.“ Für Sachbeschädigung an privaten Gebäuden und Mauern seien die Eigentümer zuständig. Wenn es sich um verbotene Zeichen oder rechtswidrige Texte handelt, wird der Eigentümer sogar ausdrücklich zur Beseitigung aufgefordert.

Illegalen Sprühern drohen Anzeige und Strafe

Schwerpunkte seien momentan nicht auszumachen. „Leer stehende Objekte in den Gewerbegebieten, Straßen- und Bahnüberführungen werden häufig angegriffen. Auf unserem Spielplatz Hartungswall werden immer wieder Schmierereien und Vandalismusschäden festgestellt.“ Eine Sachbeschädigung durch Schmierereien an städtischen Gebäuden werde grundsätzlich angezeigt. In jüngster Zeit gab es jedoch keine Fälle. Sofern Objekte der Stadt betroffen sind, werden die Graffiti entfernt. „Der letzte größere Vorfall dieser Art ereignete sich im Juli 2014. Es wurden etwa 15 Quadratmeter des Stadthauses Markt 7 und sechs Quadratmeter des Stadthauses Markt 14/15 besprüht“, erinnert sich Ortmann. Mit der Entfernung waren zwei Mitarbeiter der Gebäudereinigung jeweils fünfeinhalb Stunden beschäftigt.

Parkbänke brennen, junge Bäume sterben

An beschädigte Parkbänke haben sich die Bürger schon fast gewöhnen müssen. „Bankbohlen werden zerstört, Bänke gänzlich aus der Verankerung gerissen oder gar angezündet. Auch werden Papierkörbe mit großem Kraftaufwand in Schiefstellung gebracht, beschädigt und umgeworfen. Wege und Grünanlagen werden dabei verschmutzt und erhöhter Reinigungsaufwand wird erforderlich.“ Immer wieder gern vergriffen sich Zerstörungswütige auch an jungen Bäumen am Straßenrand und in den Parkanlagen. „Entweder abgebrochen oder mit zerstörten Pflanzhilfen, finden unsere Mitarbeiter die mit viel Pflegeaufwand herangezogenen Bäume vor“, ärgert sich Stendals Stadtsprecher. Die beschädigten Bäume müssen durch neue ersetzt werden. Und dann muss wieder aufwendig zwei, drei Jahre gewässert werden.

Reparatur der Spielplätze kostet bis zu 25 000 Euro

Auch die öffentlichen Spielplätze der Hanse- und Rolandstadt seien allzu häufig Ziel von Vandalismus. „Schwerpunkte sind dabei der Abenteuerspielplatz im Stadtforst, der Spielplatzbereich Wahrburger Berg nahe der Lucas-Cranach-Straße, der Spielplatz Hartungswall und die Freizeitsportanlage an der Erich-Weinert-Straße.“ Ein neuer Abfallbehälter kostet die Stadt und damit den Steuerzahler übrigens locker 250 Euro. Ein neuer Baum schlägt mit 100 bis 170 Euro zu Buche, auch dieses Geld fehle dann woanders. „Die Schadensbeseitigung aufgrund von Vandalismus auf den Spielplätzen erforderte in den letzten Jahren Aufwendungen von bis zu 25 000 Euro, im Durchschnitt rund 20 000 Euro jährlich“, überschlägt Ortmann.

Von Marco Hertzfeld

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