Stendal noch unzureichend für den Fachverband aufgestellt

Stadt redet Klartext: Tiergarten hat nicht das Zeug zur Tigerzucht

Samur wechselte erst vor Kurzem nach Stendal. Damit leben zwei Sibirische Tiger im dortigen Tiergarten.
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Samur wechselte erst vor Kurzem nach Stendal. Damit leben zwei Sibirische Tiger im dortigen Tiergarten.

Stendal – Der Tiergarten würde nach wie vor gern Tiger züchten. Warum dennoch ein sterilisierter Kater in die Altmark wechselte, Stadtsprecher Armin Fischbach wird auf Nachfrage der AZ in dieser Woche noch einmal ein Stück weit konkreter.

Stendal sei nach wie vor nicht Mitglied in der European Association of Zoos and Aquaria (EAZA).

„In den vergangenen Monaten wurde versucht, auch ohne diese Mitgliedschaft einen Zuchttiger zu bekommen. “ Der tiergärtnerische Verband habe strenge Aufnahmekriterien. „Nach Einschätzung unserer Fachkräfte im Tiergarten werden von uns mehrere Voraussetzungen noch nicht erfüllt, weshalb die Leitung bislang von einem Aufnahmeantrag abgesehen hat. “ Welche Voraussetzungen in welchem Maße das genau sind, muss erst einmal offenbleiben.

Der Stadtsprecher zählt einige nötige Kriterien und Merkmale auf. Die Gehege müssten den höchsten Standards und größtmöglich dem Lebensraum der jeweiligen Tierarten entsprechen. Nach einem Antrag bei der EAZA würde eine mehrköpfige Kommission anrücken und auch besonders auf die Beschilderung im Tiergarten, die Ausbildung der Zootierpfleger und ein zoopädagogisches Konzept, also das Bildungsprogramm der Zootierschule mit einem angestellten Zoopädagogen, achten. Spezielle Software für den globalen Austausch von Informationen müsste ebenfalls her. Und: Stendal sollte mindestens bei einem EEP, einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm, mitmischen beziehungsweise mindestens das Zuchtbuch einer vom Aussterben bedrohten Tierart fachgerecht führen.

„EAZA-Mitglieder stellen sicher, dass die höchsten Standards für Pflege und Bevölkerungsmanagement der von ihnen gehaltenen Arten erreicht und aufrechterhalten werden.“ Und weiter: „Die EAZA ermöglicht den europäischen Bürgern, sich über die globalen Ziele zum Erhalt der biologischen Vielfalt zu informieren und dazu beizutragen“, weiß Fischbach. Unterm Strich bleibt: Für eine EAZA-Mitgliedschaft reicht es nicht, der Tiergarten Stendal hat nicht das Zeug dafür, ist insgesamt nicht ausreichend aufgestellt und durfte deshalb von Beginn an auch nicht mit einem Zuchttiger rechnen. Das klang zunächst anders. Noch einmal zur Erinnerung: Samur, Neuzugang aus Nürnberg, ist zwar nicht kastriert, aber sterilisiert, eine erfolgreiche Paarung mit Tigerin Taina ist schon damit sehr unwahrscheinlich.

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