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Sporthalle: Kosmonaut turnt in Stendal zu Ostern

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Von: Marco Hertzfeld

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In Stendal-Stadtsee entsteht eine neue Sporthalle.
Die Sporthalle an der Theodor-Fontane-Straße liegt eher abseits. Dafür dürfte der Millionen-Neubau dem Stendaler ob seiner Farbe schnell ins Auge fallen. © Marco Hertzfeld

Der Kosmonaut soll wenigstens zu Ostern turnen. Die Sporthalle nahe der Komarow-Sekundarschule ist rund zehn Wochen in Verzug. Ob der Komplex in Stendal einen Namen bekommt, scheint noch offen.

Stendal – Das Jahr 2021 hatte der Kosmonaut noch verpasst. Die für die nahe Sekundarschule und den Vereinssport in Stadtsee wichtige Sporthalle an der Theodor-Fontane-Straße soll Ende März oder Anfang April in Betrieb genommen werden, eine Einweihungsfeier ist für Anfang Mai vorgesehen. Der Zeitverzug des Neubaus in Stendal beträgt Rathaussprecherin Susanne Hellmuth zufolge aktuell rund zehn Wochen. Die Landkreisschule gleich nebenan ist nach dem sowjetischen Kosmonauten Wladimir Komarow benannt. Inwieweit die Turnhalle einen Namen bekommen soll, scheint noch unklar. „Die Frage in Bezug auf eine neue Namensgebung ist offen. Dieses Thema bedarf noch weiterer Diskussion.“

Stadtsee-Komplex teurer als geplant

Der marode Vorgängerbau aus DDR-Zeiten lief für manchen Bürger ebenfalls unter dem Namen Komarow. Eine Sanierung der Halle war Politik und Verwaltung zu aufwendig, die Verantwortlichen hatten laut eigenem Bekunden genau hinschauen und prüfen lassen. Nach einigem Hin und Her hatten die Arbeiten im Januar vergangenen Jahres schon einmal Fahrt aufgenommen. Für das Projekt sind derzeit rund 1,88 Millionen Euro veranschlagt. Darin enthalten ist die bereits vermeldete Kostenerhöhung von 200.000 Euro. Die Stadt schreibt sie konjunkturellen Preissteigerungen zu. „Dieser Kosteneinsatz wird auf jeden Fall eingehalten.“ Und: Es könnte am Ende noch Einsparungen geben.

Vereine und Schule in Startposition

Die Gründe für den Zeitverzug sind mehr oder weniger bekannt und berichtet worden: unter anderem Lieferverzug von Baummaterialien und gerade in jüngster Zeit vermehrte coronabedingte Ausfälle von Mitarbeitern der am Bau beteiligten Firmen. Die neue Sporthalle in Stadtsee steht längst in voller Größe da, der Innenausbau geht auf die Zielgerade. Die Gestaltung der Außenanlage beginne in der elften Kalenderwoche, informiert Hellmuth nach Rücksprache mit den Fachämtern auf AZ-Anfrage weiter. Kalenderwoche elf beginnt am 14. März. Mitte April, in der 15. Kalenderwoche, sollen die Arbeiten im Umfeld abgeschlossen sein. Der Sportbetrieb soll dann ja schon angelaufen sein.

Der Neubau der Hansestadt steht leicht abseits und doch in Schlagweite zur Stadtseeallee, der Magistrale schlechthin eines Stadtviertels, das von DDR-Plattenbauten, zu einem beachtlichen Teil saniert und modernisiert, geprägt ist. Bedeutung habe der Neubau, für den in ansehnlichem Maße Fördergeld fließt, vor allem für den Schulsport, aber auch für die Sportvereine, wie Stadtsprecher immer wieder betonten. Gesprochen wurde auch von einer besonderen sozial-integrativen Wirkung und Bedeutung für Menschen verschiedenster Nationalität im Stadtteil. Die neue Turnhalle in Stendal-Stadtsee setzt seit Wochen bereits farblich Akzente, ein helles Grün im oberen Bereich zieht die Blicke auf sich.

Kommentar von AZ-Redakteur Marco Hertzfeld
Namenstaufe heikel / Ein Sowjet-Erbe könnte abstürzen:
Gut jeder Vierte in Stadtsee dürfte Ausländer sein. Der Stendaler Stadtteil ist reich an Nationalitäten. Politik und Verwaltung tun gut daran, die Bedeutung einer solchen Sporthalle zu betonen. Sport verbindet und schafft gemeinsame Identität, das ist keine Floskel. Der Neubau kann gar nicht früh genug an den Start gehen, ganz klar. Spannend zu beobachten sein könnte, inwieweit die Halle tatsächlich einen Namen bekommt und wenn ja, ob es dann wie bei der Schule in DDR-Zeiten und in gewisser Weise bei der Vorgängerarena auf Komarow hinausläuft. Nichts gegen den sowjetischen Kosmonauten, doch Namensgebungen sind oftmals ein Stück weit politisch. Angesichts des Ukraine-Konflikts und Russlands Muskelspielen dürfte eine Turnhalle Komarow nicht allen passen.

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