„Kiss me Kate“: Gefeierte Musicalpremiere im Theater der Altmark

Mit Spielwitz und Ausstrahlung

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Das Ensemble und auch der Chor brillierten. Das Musical „Kiss me Kate“ feierte am Sonnabend im Theater der Altmark in Stendal eine umjubelte Premiere.

hh Stendal. „Kiss me Kate“ hat alles, was ein Musical im besten Sinne ausmacht: Ein bemerkenswert realistisches Buch, großartige Charaktere, glaubhaft als Schauspieler und handelnde Personen.

Cole Porters Songs und Dialoge beziehen ihren Reiz aus dem Gegensatz von Bühnen- und Alltagssprache. In der Umsetzung und Regie von Manfred Ohnouka fand das alles seine Entsprechung. Perfektes Theater auf dem Theater. Am Sonnabend zur Premiere mit Standing Ovations bejubelt. Die Shakespearekomödie von der „Widerspenstigen Zähmung“ wird im Musical mit privaten Problemen der Darsteller verknüpft. Schauspieler/Regisseur Fred Graham hat für seine Shakespeareinszenierung seine geschiedene Frau engagieret. Sie erhält vor der Premiere einen Blumenstrauß von ihm, der eigentlich für seine jetzige Geliebte gedacht war. Freds Freund hat Spielschulden gemacht und einen Schuldschein mit dessen Namen unterschrieben. Ganoven belästigen nun Fred, um Schulden einzutreiben. Dieser erklärt, nur wenn die Vorstellungen laufen, kann er zahlen, aber seine Hauptdarstellerin habe gekündigt mit sofortiger Wirkung, weil sie erfuhr, dass nicht ihr sondern der anderen der Strauß gehört. Nun sollen sie sie aufhalten. In der Theatervorstellung nimmt die Komödie unterdessen ihren Lauf mit allen Verwicklungen und endet wie in fast allen Musicals überraschend „happy endlich“. Manfred Ohnouka hat mit einem Mix aus Stendaler und Berliner Schauspielern ein handlungsfreudiges Musicalensemble geschaffen. Die Brandenburger Symphoniker unter Schauspielmusiker Gero Wiest lieferten die teilweise walzerseligen, andererseits schmissigen Melodien zur Aufführung, die im Bühnenbild von Christopher Melching die Basis für zügigen Ablauf fand. Alexander Leistritz als Fred und Petruchio hat seine liebe Not, das Spiel im Spiel durchzustehen. Wie er sowohl die Ganoven (Mathias Kusche und Sören Ergang in einer köstlichen Studie von Spielwitz und Hintertriebenheit) als auch seine geschiedene Frau (Maja Müller) als Kate und wieder gewonnene Ehefrau für sich einnimmt, ist sehenswert durch seine männliche Ausstrahlung und gewandte Spielweise. Mandy-Marie Mahrenholz beteuert als Bianca sogar Zuschauern direkt gegenüber von der Vorbühne herab hingehaucht „Aber treu bin ich nur Dir auf meine Weise“. Freund Bill (Jan Kittmann) lässt seiner Musikalität und seinem Spieltalent bei „Es ist viel zu heiß“ freien Lauf. Bernd Marquardt gibt den besorgten, etwas trottligen Alten und Claudia Lüftenegger spritzt als Hattie über die Szene, während Frederike Duggen sprachlos spielend als Pulcinella das makabre Spiel auf einer Art Teufelsgeige kommentiert. Theaterchor und Statisterie gaben ihren Teil zum Gelingen. Ein Theaterfest, das vergnüglich den Alltag vergessen ließ.

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