Flüchtlinge arbeiten im Färberhof – Eltern wurden von interkulturellem Projekt überrascht

Späte Info über Syrer sorgt für Zwist

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Im Färberhof in Stendal arbeiten seit März mehrere syrische Flüchtlinge. Eltern hätten darüber früher informiert werden wollen. Nun gab es Unstimmigkeiten.

Stendal. Seit Wochen arbeiten mehrere syrische Männer als Praktikanten in der Kinderbetreuungseinrichtung Färberhof. Die Kinder genießen es, männliche Anleitung zu haben, sagt die Leiterin, Marika Mund.

Sie steht aber wegen der Beschäftigung der Flüchtlinge in der Kritik mancher Eltern. Dabei geht es nicht darum, dass es Syrer sind, mit all den damit verbundenen Vorurteilen. Die Eltern kritisieren vielmehr, dass sie nicht, wie üblich, frühzeitig über personelle Hintergründe der Mitarbeiter informiert wurden.

Als Mund die Eltern in einem Schreiben ins Bild setzte, waren die Flüchtlinge schon da – seit drei Tagen, räumt Mund ein. In ihrem Elternbrief beschrieb sie den langen Vorlauf, den Sprachkurs, in dem eine Mitarbeiterin die Flüchtlinge kennenlernte, und dass die Männer geeignet, herzlich und angenehm seien. Sie schloss damit, dass das Team „geschlossen hinter dieser Zusammenarbeit steht“. Und man setze „auf eine aufgeklärte, intelligente Elternschaft, die sich mit eventuellen Fragen direkt an uns wendet.“ Dazu ihre Mobilnummer.

Laut Constanze Steinmetz, der Vorsitzenden der Elternschaft, blieb aber Unstimmigkeit. „Es geht uns um die Art der Kommunikation“, stellt sie fest. Man habe sich eine Vorab-Info gewünscht. Sie beschreibt: Eltern hätten ihre Kinder zur Kita gebracht und seien überrascht worden davon, dass dort bisher unbekannte, orientalische Männer als Betreuer arbeiteten. Manche hätten ihr Kind gleich wieder mit nach Hause genommen. Man habe sich gewünscht, dass die Menschen vorher vorgestellt worden wären. So kam es bei einer Versammlung Mitte März zu aufgeregten Diskussionen.

Mund weist auf die Infos hin, die sie dann gegeben hatte. Die neuen Mitarbeiter hätten begonnen, „kurz darauf“ sei ihre umfassende Erklärung in der Post der Eltern gewesen. Sie glaubt aber auch, dass Eltern sich nicht nur gewünscht hätten, vorher informiert, sondern auch um Zustimmung gefragt zu werden. Und das, sagt Mund, habe man bewusst nicht gemacht – weil man es eben nie macht. „Damit hätten wir bereits einen Ausnahmezustand geschaffen, nur weil es syrische Männer sind“, sagt sie. Das wäre einer Kapitulation vor gängigen Vorurteilen über Araber gleichgekommen.

Und bezeichnenderweise entzündet sich der Zwist eben am Thema Flüchtlinge: Mund wie Steinmetz räumen ein, dass die Aufregung mancher Eltern nicht entstanden wären, wenn es sich nicht um Syrer gehandelt hätte – wegen des kulturellen Hintergrundes. „Ich finde es gut, dass Eltern Sorgen ausdrücken, und ich kann sie nachvollziehen“, sagt Mund. Allerdings dürfe man nicht auf Grundlage von Ängsten emotional erhitzt handeln. Sie wolle in puncto Integration „Tatsachen schaffen – durch den Austausch und das Zusammensein“. Das gebiete auch der Auftrag der interkulturellen Kompetenzförderung, zu dem die Einrichtung sich verpflichtet sieht.

Nach Auskunft von Steinmetz habe die Elternschaft sich ausgebeten, dass künftig klarer vorab informiert werde. Sie appelliert, die Skepsis einiger Eltern zu verstehen und entsprechend sensibel zu sein: Man sei oft im Unklaren, wie arabische Männer familiäre Werte vermitteln, man wisse wenig aus ihrer Vergangenheit. Aber sie will auch, dass es Austausch gibt. Sie weist wie Mund auf ein Treffen der Mitarbeiter des Färberhofs am Montagabend hin – zu dem die Eltern eingeladen sind.

Von Kai Hasse

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