Streitfall Wolf: Resolution von CDU/Landgemeinden fordert „praxistaugliches Management“

„Sorgen dürfen kein Tabu sein“

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Eine Wildkamera der Bundesforst hat im Juni 2016 insgesamt fünf Wolfswelpen in der Colbitz-Letzlinger Heide dokumentiert. Das Gebiet grenzt an das Stendaler Umland. Rund um Uchtspringe wird der Räuber auf vier Pfoten regelmäßig gesehen.

Stendal/Börgitz. „Ich habe schon mehr Wölfe in freier Wildbahn gesehen als im Tierpark“, sagt Marcus Schober. Der CDU-Stadtrat aus Börgitz ist Jäger und kennt die Wälder seiner Heimatgemeinde am nördlichen Rand der Colbitz-Letzlinger Heide wie seine Westentasche.

Es sei gerade einmal höchstens 14 Tage her, dass Schober letztmals Sichtkontakt zum dem streng geschützten Raubtier gehabt habe. Das sei in der Nähe von Staats gewesen, berichtet der Börgitzer der AZ am Freitag. Das Tier sei weit entfernt gewesen, aber Schober glaubt: „Das war ein junger Wolf.“

Mitarbeiter der Bundesforst hatten im größten zusammenhängenden Heidegebiet Mitteleuropas mit seinen großen Wäldern zuletzt im Juni 2016 ein fünfköpfiges Rudel Wolfswelpen mit einer Wildkamera fotografiert. Die Bilder gelten als Beweis dafür, dass Isegrim auch in der Altmark weiter auf dem Vormarsch ist. „Die Randbereiche der Kernstadt Stendal sind ländlich geprägt“, begründet Schobers Fraktionschef Hardy Peter Güssau auf AZ-Anfrage die Notwendigkeit einer „Resolution“. Das Papier hat die 14 Mitglieder starke Fraktion auf die Tagesordnung für den Stadtrat am 9. Oktober gesetzt. Mit Isegrim solle künftig „praxistauglich“ umgegangen werden, heißt es dort und auch, dass Stendals Oberbürgermeister (OB) Klaus Schmotz „in der Sache tätig werden“ solle. „In der Altmark wächst zunehmend die Sorge vor dem Wolf, insbesondere wenn einzelne Tiere oder Rudel ihre Scheu vor dem Menschen und menschlichen Siedlungen verlieren. Aus Gründen der öffentlichen Sicherheit dürfen die Sorgen der Bürger in der Altmark nicht tabuisiert werden“, heißt es zur Begründung.

„Wir müssen mit offenen Karten spielen und die wahren Populationszahlen nennen“, sagt der christdemokratische Jäger aus dem zum Stendaler Ortsteil Uchtspringe zählenden Dorf. Und wünscht sich eine Lösung wie im Baltikum, wo das Raubtier außerhalb bestimmter Schutzgebiete vergrämt werden dürfe. In Uchtspringe und Umgebung seien Sichtungen des Räubers auf vier Pfoten schon längst Alltag, wie etwa bei Vollenschier und Wittenmoor. „Der Wolf ist ein hochintelligentes und wunderschönes Tier“, sagt Schober und betont: „Auch der Mensch ist ein Teil dieser Umwelt.“

Von Antje Mahrhold

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