Sorge um Weißstorch

Die Mitglieder des sachsen-anhaltinischen Ornithologenverbandes kamen zur 20. Jahrestagung am Wochenende im Klietzer „Seehotel“ zusammen.

Klietz - Von Ingo Gutsche. Eine interessante Mischung aus Exkursion, Wissenswertem zur Region und Fachvorträgen beinhaltete das Treffen der Ornithologen-Freunde, die aus allen Teilen des Bundeslandes am Wochenende ins ostelbische Klietz reisten. Dort fand die 20. Jahrestagung des Verbandes statt.

„Es funktioniert hier“, vernahmen die Ornithologen den Worten von Kreisumweltamtsleiter Dr. Joachim Franke, der die Anwesenden im Klietzer Hotel „Seeblick“ begrüßte und mit diesen drei Worten die aus Sicht der Naturkundler interessante Mischung eines Truppenübungsplatzes und zugleich Reviers für Vogelarten bilanzierte. Nur unweit des Tagungsortes hat die Bundeswehr einen Standort.

Mark Schönbrodt, Vorsitzender des 1991 gegründeten Verbandes, freute sich über die hohe Teilnehmerzahl und natürlich über die Referenten, die den Naturschutz auf einem Übungsgelände der Bundeswehr beleuchteten. Dr. Joachim Franke, der für das Grußwort verantwortlich zeichnete, sprach von einer „sehr reichhaltigen Naturausstattung“ in dieser elbnahen Region. Das hätte mehrere Ursachen. Und dies sei selbstverständlich, so Franke, auch den Aktivitäten der Naturfreunde zu verdanken, lobte er die Vogel-Experten, die auch ihren Anteil daran hätten. Schließlich nehme der Naturschutz breiten Raum in der ornithologischen Arbeit ein. Der rund 2000 Hektar große Klietzer Truppenübungsplatz werde seit Jahrzehnten genutzt. Es sei ein Miteinander zwischen Bundeswehr und Schützern von Flora und Fauna. Bestimmte Artenschutzprojekte würden Erfolg zeigen. Der Wiederhopf, Steinschmätzer, aber auch „erfreulicherweise Fischadler“ würden sich in dem Klietzer Revier wohlfühlen. Auf dem Gelände „wurden auch Schutzzonen angelegt“.

Dass Übungsplätze für bestimmte Vogelarten interessant seien, davon berichtete kein geringerer als der „Die Vogelwelt“-Herausgeber Martin Flade, seines Zeichens Referatsleiter des brandenburgischen Umweltamtes. Der Wiederhopf sei die brandenburgischste Vogelart. Zwei Drittel des Brutbestandes in Deutschland würden im benachbarten Bundesland zu Hause sein. Einstige Truppenübungsplätze hätten sich gewandelt und seien als Naturschutzgebiete ausgewiesen. Immerhin 1,9 Prozent der Landesfläche. Aber es blieben für die Zukunft noch wichtige Aufgaben, beispielsweise die Munitionsberäumung dieser Areale. Zu den Gästen der Zusammenkunft zählte auch Weißstorch-Fachmann Dr. Christoph Kaatz vom Storchenhof Loburg, der im August am Weltornithologenkongress in Sao Paulo teilnahm. Das Storchenjahr in Sachsen-Anhalt sei „noch relativ gut“ verlaufen. Kaatz bereitet jedoch Mecklenburg-Vorpommern Sorge, wie er am Rande der Veranstaltung erzählte. Dort sei ein Rückgang von 25 Prozent verzeichnet worden. Ein Grund: „Der Anbau von Energiepflanzen“. Grünland werde gebrochen, die Nahrungssuche sei beschwerlich. Dagegen sei der Elbe-Bereich weiterhin beliebt bei den Weißstörchen.

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