Stadträte werfen der Verwaltung im Bezug auf städtische Baumaßnahmen Systematik vor

Sorge um „kulturellen Schatz“

Bis zur Wiedereröffnung des Winckelmann-Museums sind noch einige Hürden zu meistern. Die Erste ist die Entscheidung des Stadtrates über die Gewährung eines zweiten Kostennachschlags.
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Bis zur Wiedereröffnung des Winckelmann-Museums sind noch einige Hürden zu meistern. Die Erste ist die Entscheidung des Stadtrates über die Gewährung eines zweiten Kostennachschlags.
  • vonCharlotta Spöring
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Stendal. Der 300. Geburtstag von Johann Joachim Winckelmann liegt nun fast ein Jahr zurück und auch der 250. Todestag des berühmten Stendaler Archäologen im Juni diesen Jahres wurde mit zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen begangen.

Nur das Winckelmann-Museum blickt seiner Vollendung – milde ausgedrückt – sehr schleppend entgegen.

Ursprünglich sollte die Sanierung und Erweiterung des Kulturhauses 2,3 Millionen Euro kosten. Doch aufgrund nicht eingeplanter Leistungen und einer Bauzeitverzögerung kam es im vergangenen Jahr zu Mehrkosten von rund 500.000 Euro, die der Stadtrat zähneknirschend bewilligt hatte. Über einen weiteren Nachtrag in ähnlicher Höhe wollte das oberste Gremium in seiner Sitzung am Montag noch nicht entscheiden (AZ berichtete). Zu viele Details waren noch ungeklärt.

„Können Sie uns garantieren, dass es bei diesem zweiten Nachtrag bleibt?“, wendete sich Hardy Peter Güssau (CDU) Montagabend an die Stadtverwaltung. Diese Frage konnte im Laufe der Sitzung nicht geklärt werden. Dr. Marcus Faber (FDP) diagnostizierte ein strukturelles Problem bei städtischen Baumaßnahmen und vermutete „eine Systematik dahinter“. Auch Björn Dahlke (Grüne) zeigte sich verärgert: „Das ist Steuerverschwendung, wie sie im Buche steht“.

Die Folgen einer Entscheidung wären auf beiden Seiten nicht unerheblich, wie Stadtoberhaupt Klaus Schmotz (CDU) am Montag verdeutlichte: Bewilligt der Stadtrat den geforderten Nachschlag, entstehen für die Stadt erhebliche Mehrkosten, entsprechende Fördermittel hat das Land zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bewilligt. Lehnt das Gremium die Forderung jedoch ab, sei der Baustopp unvermeidlich. In diesem Fall müsste man mit einer Bauruine leben. Zudem drohen Rückzahlungsforderungen der gesamten vom Land Sachsen-Anhalt gewährten Fördermittel und nicht zuletzt Ansehensverlust der Hansestadt. Der Verwaltungschef warb daher um Zustimmung für die viel diskutierte Vorlage. Dem schloss sich Joachim Röxe (Linke) in seinem Plädoyer an. „Was soll ein Baustopp für ein Ziel verfolgen?“.

Dr. Henning Richter-Mendau zeigte sich besorgt um den „kulturellen Schatz der Stadt“ und berichtete von einem Besuch, den er dem Museum erst kürzlich abstattete. Sein subjektiver Eindruck der Baustelle: „Eine Fertigstellung im Dezember scheint kaum machbar“. Damit das Großprojekt in all seiner Komplexität vollendet werden kann, schlug er vor, den Eröffnungstermin auf den 8. Juli 2019 zu verlegen, den 251. Todestag von Winckelmann.

Zu einer Abstimmung über die Beschlussvorlage kam es schließlich durch einen von Röxe gestellten Antrag nicht. Der hatte befürchtet, dass die Vorlage nach der hitzigen Debatte im Stadtrat keine Mehrheit finden würde. Auch der Oberbürgermeister hatte zuvor klargemacht, dass diese Entscheidung eine nüchterne Abwägung erfordere. Möglicherweise wird nun eine Sondersitzung einberufen.

Von Charlotta Spöring

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