Rückblick auf den Jahrhundertsommer 2018 / Auch Winter wird wohl zu warm

Sonne brannte rund 1500 Stunden vom Himmel

Bilder aus dem Jahrhundertsommer 2018: Niedrigwasser an Elbe und anderen Flüssen, verdorrte Wiesen und Weiden, Trockenheit und Missernten auf den Äckern.
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Bilder aus dem Jahrhundertsommer 2018: Niedrigwasser an Elbe und anderen Flüssen, verdorrte Wiesen und Weiden, Trockenheit und Missernten auf den Äckern.

Altmark. Der kürzlich veröffentlichte Zwischenbericht des Weltklimarates mahnt eine radikale und schnelle Reduktion der CO2-Emissionen an. Gegenüber der vorindustriellen Zeit (1850 bis 1900) dürfe die Erderwärmung 1,5 Grad nicht übersteigen, warnte das Gremium.

In diesem Fall wären die Auswirkungen auf Klima und maritime Ökosysteme noch einigermaßen beherrschbar, bei 2 Grad kaum noch. Global haben die Durchschnittstemperaturen bereits um 1 Grad zugelegt. Was schon dieser Betrag ausmacht, konnte jeder im Sommerhalbjahr hautnah erleben.

Wetterrekorde am laufenden Band

In der Altmark waren alle Monate von April bis September zwischen 1,5 Grad (September) und 4,1 Grad (April) erheblich zu warm. Nach einem noch feuchten April, fielen in der Hauptvegetationsperiode von Anfang Mai bis Mitte Oktober über zwei Drittel der normalen Niederschläge aus. Dazu brannte die Sonne rund 1500 Stunden lang vom Himmel, gut 400 Stunden mehr als üblich. Auch die Zahl der Sommer- (ab 25 Grad) und Heißen Tage (ab 30 Grad) erreichte historische Bestmarken. Seehausen und Gardelegen meldeten 91 und 92 (normal 41) Sommer- beziehungsweise 30 und 33 (normal zehn) Tage mit Hitze. Während die Regentage (mindestens ein Liter pro Quadratmeter) so selten waren wie noch nie, stellte die sonnigen Tage (Sonnenanteil mindestens 80 Prozent) alles bisher da gewesene in den Schatten. Nach weiteren unglaublichen Wärmerekorden ging dem Supersommer erst in der dritten Oktoberwoche die Puste aus.

Aber der Sommer bot auch so viel Obst und Eicheln an den Bäumen wie seit langem nicht mehr.

Fast alle Klimawissenschaftler sind sich einig: Für die extremer werdenden Witterungsperioden und Einzelereignisse ist der Anstieg der anthropogenen, also mensch-gemachten, Treibhausgase in der Atmosphäre verantwortlich. Dabei machen CO2 und Co das Klima nicht nur heißer. Sie verändern auch die Dynamik des Wetters. Wichtig für die Andauer von Großwetterlagen ist das Verhalten des Jetstreams. Dieses schmale, gewöhnlich leicht wellende, Starkwindband in rund zehn Kilometer Höhe, steuert die Tief- und Hochdruckgebiete kontinuierlich von Westen nach Osten um die Nordhemisphäre herum. Angetrieben werden die Höhenwinde durch das Temperaturgefälle zwischen der Arktis und den Tropen. Durch den Schwund der polaren Eisdecke und die damit verbundenen überdurchschnittlich Erwärmung der hohen Breiten, werden die Temperaturunterschiede kleiner. In der Folge schwächt sich der Jetstream ab und kommt zunehmend ins Schlingern. Dabei entwickeln sich Wellenmuster mit immer größeren Ausschlägen in Nord-Süd-Richtung, die nur sehr langsam oder gar nicht mehr nach Osten vorankommen. Setzt sich eine solche Welle im atlantisch-europäischen Raum fest, können sich mit überwiegend südlichen Winden (unter einem Wellenberg) extreme Hitze- und Dürreperioden wie in diesem Jahr aufbauen, bei meist nördlicher Strömung (im Wellental) unbeständige und nasskühle Perioden wie im Sommer 2017.

Katastrophale Dürrejahre gab es auch schon in früheren Jahrhunderten, aber sie waren viel seltener als in der heutigen Zeit. 1540 und 1616 zählen dazu, 1717 vor allem in Süddeutschland und natürlich das legendäre Trockenjahr 1959. In dem noch jungen 21. Jahrhundert gab es, nach 2003 und 2016, nun schon drei dieser Extremjahre – ein Schelm, wer da nicht an den Klimawandel denkt. Alles in allem zählt die große Hitze und Trockenheit von 2018 zu den Megaereignissen der zurückliegenden 500 Jahre.

Auch der Winter könnte zu trocken ausfallen

Und was macht der Winter? Eigentlich bleibt alles beim Alten. Nach den aktuellen Klimaberechnungen des amerikanischen Wetterdienstes NOAA soll der norddeutsche Winter um ein bis zwei Grad zu warm und unter häufigem Hochdruckeinfluss normal feucht bis leicht zu trocken ausfallen. An eine Auffüllung der dezimierten Wasservorräte oder längere Winterfreuden im Flachland ist bei diesem Szenario nicht zu denken.

Von Reinhard Zakrzewski

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