Gebhardt-Prozess: Mitarbeiterin einer Firma aus dem Landkreis belastet ihre Chefin schwer

„Solle mir keine Sorgen machen“

Holger Gebhardt mit Verteidiger Uwe Kühne beim Prozessauftakt am Stendaler Landgericht. Foto: AZ-Archiv/mih
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Holger Gebhardt mit Verteidiger Uwe Kühne beim Prozessauftakt am Stendaler Landgericht.
  • Mike Höpfner
    vonMike Höpfner
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Stendal. Das Geflecht der Personen, die vermutlich am Stendaler Wahlskandal beteiligt waren, fächert sich weiter auf. Am Stendaler Landgericht ging der Prozess gegen den Ex-CDU-Stadtrat Holger Gebhardt heute mit der Vernehmung weiterer Zeugen in die nächste Runde.

Unter anderem sagte eine Angestellte eines Unternehmens aus dem Landkreis aus. Mit Sätzen wie „Frau M. hat mich in was hineingezogen, womit ich gar nichts zu tun hatte“, belastete sie ihre Chefin schwer. Die 38-Jährige sei im Mai 2014 mit ihrer Chefin nach Stendal gefahren, um für Gebhardt Wahlunterlagen abzuholen. Und zwar jede Menge. „Die Dame bei der Stadt hat uns gefragt, ob wir wirklich so viele Unterlagen abholen wollen“, berichtete die Zeugin, die nach eigenen Angaben noch beim Zusammenfalten der Briefwahlunterlagen mithalf.

Als sie in der Presse von den Manipulationsvorwürfen las, habe sie zur Polizei gehen wollen. Doch ihre Chefin und Herr Gebhardt hätten ihr gesagt, sie solle sich keine Sorgen machen und sie hätten „alles im Griff“, berichtete die 38-jährige Angestellte weiter.

Pikant: Noch einen Tag vor ihrer Vernehmung habe die Angestellte ein Telefonat mit ihrer Chefin geführt, in welchem diese noch einmal ihre Version der Ereignisse geschildert habe. Mit dem Vermerk: „Das war doch so, wie wir gesagt haben, stimmt’s?“ Die Angestellte fühlte sich unter Druck gesetzt. „Frau M. hat die Geschichte so oft erzählt, dass ich selber nicht mehr weiß, was wahr ist. Ich hatte Angst um meinen Job“, gab die 38-Jährige unter Tränen zu. Auch die Chefin, mit der die Zeugin eine 16-jährige Freundschaft verbindet, habe Angst vor Holger Gebhardt gehabt.

Die Vernehmung der Vorgesetzten wurde verschoben. Laut Aussagen der Angestellten sei es auch möglich, dass ihre Chefin weitere Mitarbeiter, teils mit Behinderung, für die Aktion rekrutiert habe.

Weitere Zeugen waren unter anderem der Gatte der Chefin sowie eine hochrangige Mitarbeiterin des Winckelmann-Museums.

Die Verhandlung wird im Februar fortgesetzt.

Von Mike Höpfner

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