Fußballbars befürchten Schwierigkeiten bei Spiel-Übertragung

„Sky“-Monopol gebrochen: „Kneiper stehen da wie die Blöden“

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Wie ab der Fußball-Spielzeit 2017/18 die wichtigen Bundesliga- oder Championsleague-Spiele ins heimische Fernsehen oder auf die Leinwand von Gaststätten kommen, steht derzeit in den Sternen. Der Sender „Sky“ darf nicht mehr alleiniger Anbieter sein.

Stendal. Möglicherweise haben Kneipiers und Fußballfans ein Problem:Die Deutsche Fußball Liga (DFL) darf ihre Rechte an der Übertragung von Live-Spielen nicht mehr allein an einen einzelnen Bieter vergeben. Das hat das Bundeskartellamt durchgesetzt.

Künftig muss es mehrere Firmen geben, die die Spiele auf den Bildschirm bringen. In Kneipen lief bisher bei wichtigen Spielen der Sender „Sky“ – seit Jahren Monopolist bei der Übertragung. Das wird ab der Spielzeit 2017/18 nicht mehr gehen. Andere Firmen wie Google oder Amazon haben Interesse an Übertragungsrechten angemeldet. Und die Kneipiers in Stendal? Die werden sich umstellen müssen. Wie die Fans.

„Als Kneiper stehen wir da wie die Blöden“, kommentiert das etwa Mike Schulz, Chef des „Notgroschen“ an der Stadtseeallee. Bisher habe man leicht planen können, künftig werde er sich möglicherweise einarbeiten müssen in die Anbieter und die Spiele, die sie zeigen. Erstmal müsse man abwarten, aber er befürchtet ein nervendes Theater um die einzelnen Anbieter. Seine Befürchtung ist auch, dass Anbieter, die Spiele nur per Internet ausstrahlen, Rechte gewinnen. „In Stendal kann das Bild dann schon mal haken“, sagt er. Dharminder Singh von „Lattis Food House“ spricht offen aus, was manche denken: Sky könne man dann auch kündigen, wenn es sich nach einem Preisvergleich ergibt, dass das Programm nicht mehr das bietet, was die Fans, die die Gaststätten zu den Spielen besuchen, wollen.

Marcel Hertel, stellvertretender Chef des „Dejà Vu“ stellt fest: „Wir sehen dem mit gemischten Gefühlen entgegen.“ Wenn man nicht mehr jedes wichtige Spiel zeigen kann, werde man das merken: Kunden könnten ausbleiben.

Alexander Kreutz, Co-Geschäftsführer des Schwarzen Adlers Stendal samt der Cocktailbar, ist noch entspannt. Er äußert sich noch nicht über mögliche Konsequenzen für den Betrieb der Bar und die Spieleabende der Fans, glaubt aber, dass auch der Fußballsender Sky eine Zusammenarbeit mit anderen Bietern eingehen könnte, um alle Spiele wie bisher gebündelt auszustrahlen.

Tatsächlich führe der Ausschluss des „Sky-Monopols“ nicht unbedingt dazu, dass Verbraucher am Ende mehr als ein Abonnement benötigen, um alle Spiele sehen zu können, bemerkt das Bundeskartellamt mit Verweis auf Erfahrungen aus anderen Ländern. Rechteinhaber könnten auch „Unterlizenzen“ einräumen. „Daneben dürfte es aber auch Angebote geben, die nur einen Teil der Live-Spiele umfassen“, heißt es.

Neben den genannten Bars sind laut „Sky“ folgende Gaststätten in Stendal Sky-Abonnenten und damit quasi „Sportbars“: „Treffpunkt“ in der Juri-Gagarin-Straße, „Panorama“ in der Friedrich-Ebert-Straße, die „Spielhalle“ in der Heerener Straße sowie die „Billard-Cafe-Fabrik“ in der Dahlener Straße.

Von Kai Hasse

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